Basketball
Brose Bamberg stolpert im Frankenderby
Devon Hall (mit Ball, rechts der Würzburger Brekkott Chapman) fand in der s.Oliver-Arena nicht in seinen gewohnten Offensivrhythmus, traf nur zwei seiner neun Dreier.
Devon Hall (mit Ball, rechts der Würzburger Brekkott Chapman) fand in der s.Oliver-Arena nicht in seinen gewohnten Offensivrhythmus, traf nur zwei seiner neun Dreier.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Das Team von Trainer Johan Roijakkers verliert mit 78:82 bei s.Oliver Würzburg und verpasst eine Vorentscheidung im Play-off-Rennen.

Es schien so, als hätte Brose Bamberg in der Basketball-Bundesliga zu seiner Stabilität gefunden. Die 78:82-Niederlage am Mittwochabend beim fränkischen Rivalen s.Oliver Würzburg lässt die Fortschritte der vergangenen Wochen aber wieder etwas verblassen. Nach starken ersten 15 Anfangsminuten der Bamberger übernahmen die Unterfranken das Kommando und fuhren nach fünf Niederlagen in Serie einen eminent wichtigen Heimerfolg ein. Bei nun drei Siegen mehr als der Tabellen-17. Gießen dürfte der Klassenerhalt für das Team von Denis Wucherer unter Dach und Fach sein. Das ist die Play-off-Teilnahme von Brose Bamberg (30:28 Punkte) noch nicht, wenngleich das Polster trotz der nicht einkalkulierten Derby-Pleite auf den Tabellenneunten BG Göttingen (24:34) immer noch beträchtlich ist.

Bundesliga

s. Oliver Würzburg – Brose Bamberg 82:78

(15:24, 31:23, 17:15, 19:16)

Während die Würzburger ihre zehntägige Spielpause zum Wundenlecken genutzt und nach langer Zeit mal wieder alle Leistungsträger (nur der gebürtige Bamberger Nils Haßfurther und Jonas Weitzel fehlten) an Bord hatten, musste Brose-Trainer Johan Roijakkers auch im Frankenderby auf Michele Vitali (Oberschenkel) und Alex Ruoff (Rücken) verzichten. Von Müdigkeit war bei seiner Mannschaft trotz der kurzen Regenerationszeit nach der 99:100-Niederlage in Oldenburg am Montag in den ersten 15 Minuten wenig zu spüren – vor allem bei Christian Sengfelder nicht.

Der deutsche Nationalspieler benötigte in Würzburg neun Punkte, um den kleinen Meilenstein von 1000 Bundesliga-Punkten zu erreichen. Eine Ausbeute, die der 26-Jährige bereits nach knapp sieben Spielminuten perfekt hatte. Mit einem linken Hakenwurf nach einer sehenswerten Drehung brachte der Power Forward sein Team mit 17:9 in Führung und schrie danach seine Freude heraus. Positionskollege Chase Fieler ließ nach einer Auszeit der Gastgeber einen Dreier folgen: 12:0-Lauf für Brose. 20 der ersten 27 Zähler gingen auf das Konto der beiden Bamberger Power Forwards.

Die Oberfranken bewegten den Ball offensiv wie so oft in den vergangenen Wochen exzellent und fanden die freien Dreierschützen bevorzugt in der linken Ecke (vier der ersten sechs Dreier aus dieser Position).

Nachdem Kenny Ogbe einen solchen Wurf zur zwischenzeitlichen 35:21-Führung (13.) getroffen hatte, schlich sich jedoch der Schlendrian ins Bamberger Spiel ein. Den Würzburgern gelangen neun Punkte innerhalb von 80 Sekunden. Das Bamberger Polster schmolz zunächst auf sieben Zähler (30:37), bis zur Halbzeitpause sogar auf ein Pünktchen (46:47) zusammen. Das zweitschwächste Offensivteam der Liga, das in den vergangenen acht Partien nie mehr als 75 Punkte erzielte, explodierte mit 31 im zweiten Viertel.

Markierte am Mittwoch seinen 1000. Bundesliga-Punkt: Christian Sengfelder
Markierte am Mittwoch seinen 1000. Bundesliga-Punkt: Christian Sengfelder
Foto: Daniel Löb

Das Brose-Team war in dieser Phase defensiv immer einen Schritt zu spät und nicht körperlich genug gegen die US-Amerikaner Murphy Holloway und Tyson Ward in der Zone. Offensiv fanden die zahlreichen Distanzwürfe der Gäste nicht mehr ihr Ziel.

13:0-Lauf für Würzburg

Ein Trend, der sich im dritten Viertel fortsetzten sollte. Felix Hoffmann durfte fast unbedrängt in der Zone abschließen, Ward nutzte die schläfrige Bamberger Rückwärtsbewegung zu einfachen Fastbreak-Punkten und markierte kurze Zeit später per Dreier die erste Führung der Unterfranken (56:53, 25.).

Auch der ehemalige NBA-Spieler Perry Jones, der bislang in Würzburg enttäuschte, lief nun mit zwei Dreiern heiß. Das nun vor Selbstbewusstsein strotzende Team von Denis Wucherer setzte sich nach einem 13:0-Lauf auf zehn Zähler (63:53) ab. Im Spiel der Läufe war nun wieder Brose an der Reihe. Nun wurde wieder etwas engagierter verteidigt. Fieler setzte den Höhepunkt mit einem Monsterblock gegen Jones. Bamberg war vor dem Schlussabschnitt auf einen Punkt dran (63:62). Die letzten zehn Minuten waren, wie es sich für ein Derby gehört, umkämpft, aber auch sehr niveauarm. Geblockte Würfe, Ballverluste und Offensiv-Fouls: Bamberg brachte gegen sich aufopfernde Würzburger nichts zustande. Fast nichts. Denn immerhin traf Kenny Ogbe drei Dreier (alle Bamberger Punkte in diesem Viertel bis 70 Sekunden vor Spielende) und glich die Partie aus (71:71).

Nach sechs Punkten Rückstand kam nach einem erfolgreichen Dreipunktewurf von Devon Hall, bei dem er unsportlich gefoult wurde, nochmals Hoffnung auf (77:75). Doch der US-Amerikaner vergab im Anschluss einen weiteren Versuch von der 6,75-Meter-Linie, Bennet Hundt verlor im darauffolgenden Angriff den Ball: Turnover Nummer 18. Die Oberfranken schenkten den fest eingeplanten Derbysieg noch her.

Die Basketball-Statistik

Würzburg: Hunt (15 Punkte/1 Dreier), Holloway (14), Ward (13/1), Jones (10/2), Chapman (9/2), Lowery (7/1), Hoffmann (7), Koch (4), King (2), Obiesie (1), Albus

Bamberg: Sengfelder (19/3), Fieler (14/1), Hall (14/2), Ogbe (12/4), Lockhart (11/3), Hundt (6), Kravish (2), Larson, Plescher, Thompson, Grüttner Bacoul

Schiedsrichter: Kovacevic, Mutapcic, Theis

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Würzburg 47 Prozent (30 Treffer/64 Versuche), Bamberg 45 (28/62)

Dreierquote: Würzburg 35 Prozent (7/20), Bamberg 36 (13/36)

Freiwurfquote: Würzburg 79 (15/19), Bamberg 64 (9/14)

Rebounds: Würzburg 36 (31 defensiv/5 offensiv), Bamberg 34 (30/4)

Ballgewinne/-verluste: Würzburg 10/14, Bamberg 6/18

Assists: Würzburg 19 / Bamberg 20

Fouls: Würzburg 20 / Bamberg 20

Spieler des Spiels

Christian Sengfelder punktete in der ersten Halbzeit (15 Punkte, 6 von 8 Feldwürfe) nach Belieben und war von keinem Würzburger zu kontrollieren. Im zweiten Durchgang (vier Punkte) verlor er seinen Rhythmus dann aber etwas und ließ einige einfache Wurfgelegenheiten liegen.

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