Basketball
Crailsheim entzaubert Bamberg am Ende
Bambergs Kenneth Ogbe (am Ball) stemmte sich gegen die Niederlage und hier  den Crailsheimer Jeremy Jones. Der Nationalspieler stellte mit 17 Punkten einen persönlichen Karrierebestwert auf und sammelte dazu noch elf Rebounds ein – ebenfalls persönliche Bestmarke.
Bambergs Kenneth Ogbe (am Ball) stemmte sich gegen die Niederlage und hier den Crailsheimer Jeremy Jones. Der Nationalspieler stellte mit 17 Punkten einen persönlichen Karrierebestwert auf und sammelte dazu noch elf Rebounds ein – ebenfalls persönliche Bestmarke.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Brose Bamberg führt mit 51:41 und verliert sein letztes Punktspiel in der Bundesliga gegen Crailsheim noch. Was waren die Gründe.

Der achte Platz war sicher. Für Brose Bamberg ging es tabellarisch um nichts mehr. Für das Überraschungsteam der Basketball-Bundesliga, die Hakro Merlins Crailsheim, war am letzten Hauptrundenspieltag eine Platzierung von Rang 3 bis 6 noch möglich. Mit dem 77:70 (34:40)-Sieg am Sonntagnachmittag in der Brose-Arena haben die Zauberer um Trainer Tuomas Iisalo zumindest Platz 5 sicher.

Da München beim Spitzenreiter Ludwigsburg klar mit 77:91 verlor, fiel der FC Bayern auf Rang 4 zurück. Oldenburg rückte mit dem 87:72-Erfolg beim MBC in Weißenfels auf Rang 3 nach oben, hat aber am Dienstag noch ein Nachholspiel gegen Göttingen. Verlieren die EWE Baskets die Partie, fallen sie in einem direkten Vergleich der dann drei punktgleichen Teams auf Platz 5 zurück. Crailsheim wäre Dritter. München bliebe auf Rang 4.

Den Merlins-Verantwortlichen auf der Tribüne war das am Sonntag egal. Sie feierten mit dem Team bereits ihre tolle Saison und streiften sich Play-off-Shirts über. Trainer Iisalo sagte: „Wir haben etwas Magisches erreicht. 24 Siege und nur zehn Niederlagen sind unglaublich. Wir hatten in Bamberg nur ein Ziel, zu gewinnen. Nun gehen wir unseren Weg weiter.“ Den Crailsheimern ist – egal ob gegen Ulm oder München – im Viertelfinale alles zuzutrauen. Bamberg beendet die Hauptrunde mit 17 Siegen bei 17 Niederlagen und trifft nun auf Ludwigsburg.

Bundesliga

Brose Bamberg – Hakro Merlins Crailsheim 70:77

(22:14, 18:20, 11:20, 19:23)

Das Lazarett der Bamberger um Alex Ruoff (Fuß), Joanic Grüttner Bacoul (Hand), David Kravish (Leiste), Michele Vitali (Knie) wurde – wie berichtet – am Freitag durch Devon Hall (Handbruch) ergänzt.

Zwei Pechvögel: Devon Hall (rechts) hat  sich am Freitag die rechte Hand gebrochen und gesellte sich zu Joanic Grüttner Bacoul (dahinter), der sich in dieser Saison schon zum zweiten Mal die Hand gebrochen hat.
Zwei Pechvögel: Devon Hall (rechts) hat sich am Freitag die rechte Hand gebrochen und gesellte sich zu Joanic Grüttner Bacoul (dahinter), der sich in dieser Saison schon zum zweiten Mal die Hand gebrochen hat.
Foto: Daniel Löb

Der Coburger ProB-Doppellizenzler Elias Baggette kam dafür in den Kader, durfte aber erst aufs Feld, als die Partie bereits entschieden war. Mateo Seric war 87 Sekunden im dritten Viertel auf dem Parkett, und Moritz Plescher sah die kompletten 40 Minuten von außen zu. So nutzte Brose-Trainer Johan Roijakkers von seinen zehn zur Verfügung stehenden Spielern wirklich nur sieben. Wahrscheinlich wollte der Holländer seine kurze Rotation schon mal auf die Belastung in den Play-offs einstimmen, denn der Coach setzte hinter dem Einsatz von Kravish und Vitali gegen Ludwigsburg ein großes Fragezeichen. Seine Spieler zeigten jedenfalls deutlich höheren kämpferischen Einsatz als noch bei der 84:106-Heimpleite gegen Göttingen. „Wir sind mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen und haben über 40 Minuten gut durchgezogen“, sagte Roijakkers und lobte seine deutschen Spieler, die „viel Verantwortung übernommen haben. Wir müssen jetzt einen neuen Stil finden, um ohne Kravish, Vitali, Hall, Ruoff und Grüttner in den Play-offs ein bisschen Alarm zu machen.“

Christian Sengfelder (am Ball) setzt sich gegen den besten Crailsheimer, Fabian Bleck (links), und Jeremy Jones durch.
Christian Sengfelder (am Ball) setzt sich gegen den besten Crailsheimer, Fabian Bleck (links), und Jeremy Jones durch.
Foto: Daniel Löb

Unter den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl zeigten von Beginn an Christian Sengfelder und Kenneth Ogbe prächtige Leistungen. Nach holprigem Start (0:5) brachten die beiden Nationalspieler die Gastgeber ins Spiel. Der eingewechselte Kapitän Chase Fieler netzte mit seinem ersten Ballkontakt per Dreier zur 13:12-Führung (7. Minute) ein. Davon ließen sich Obge mit zwei und Sengfelder mit einem Distanzwurftreffer offenbar inspirieren. Da die Crailsheimer bis zum Viertelende sechs Ballverluste fabrizierten, ging Bamberg mit einem Acht-Punkte-Polster in den zweiten Abschnitt.

Dort sorgte zunächst Fieler per Dreier für das 25:16, ehe Crailsheim dank des Sprungwunders Jamuni McNeace, der nach guten Anspielen immer wieder über Ringniveau abschloss, mit einem 8:0-Lauf verkürzte. Die Gastgeber erlaubten sich in der Folge ebenfalls etliche Ballverluste, machten dies aber mit großem Einsatz beim Offensivrebound wett und hatten auch beim Seitenwechsel (40:34) die Nase vorn.

Bambergs Tyler Larson (rechts) zeigte mit zehn Punkten, vier Rebounds und zwei Assists aufsteigende Form. Hier schließt der Point Guard gegen Bogdan Radosavljevic ab.
Bambergs Tyler Larson (rechts) zeigte mit zehn Punkten, vier Rebounds und zwei Assists aufsteigende Form. Hier schließt der Point Guard gegen Bogdan Radosavljevic ab.
Foto: Daniel Löb

Zehn-Punkte-Führung verspielt

Als bei Crailsheim, das ohne seine langzeitverletzten Tim Coleman und Haywood Highsmith sowie Jermaine Haley antrat, nach Ogbes drittem Dreier zum 51:41 (25.) auch noch McNeace vom Feld humpelte, schienen den Gästen die Felle davonzuschwimmen. Bei einer Niederlage drohte Platz 6. Als hätte Iisalo einen Zaubertrank für seine Männer angerührt, zeigten die plötzlich deutlich mehr Energie, während bei Bamberg die Kräfte schwanden. Sechseinhalb Minuten später hatten die Merlins mit einem 16:0-Lauf zum 51:57 (31.) die Partie gedreht. In dieser Phase musste Sengfelder, nachdem ihn Jeremy Jones geblockt hatte, an seiner rechten Schulter behandelt werden. „Im dritten Viertel haben wir mit mehr Leuten rotiert, deshalb haben wir unseren Rhythmus verloren“, meinte Roijakkers hinterher. „Das nehme ich auf meine Kappe, dass wir zu viel rotiert haben.“

Ogbe mit Karriere-Bestwert: 17 Punkte

Erst der starke Ogbe, der mit 17 Punkten und elf Rebounds zwei persönliche BBL-Bestmarken aufstellte, beendete die Durststrecke. Beide Teams lieferten sich nun einen offenen Schlagabtausch. Fieler verkürzte auf 67:68. Doch in der Crunchtime versuchten es Hundt, Ogbe und Larson vergeblich aus der Distanz. In der zweiten Hälfte sank die Trefferquote des Brose-Teams rapide. Nur noch zehn von 36 Feldwurfversuchen fanden ihr Ziel (3 von 16 Dreier) – eine Sache von Kraft und Konzentration.

Dominic Lockhart (rechts) erwischte offensiv keinen guten Tag und traf nur einen seiner neun Wurfversuche. Hier wird er allerdings vom Ex-Bamberger Maurice Stuckey gefoult.
Dominic Lockhart (rechts) erwischte offensiv keinen guten Tag und traf nur einen seiner neun Wurfversuche. Hier wird er allerdings vom Ex-Bamberger Maurice Stuckey gefoult.
Foto: Daniel Löb

Fabian Bleck mit vier seiner 14 Punkte und Radosavljevic per Dreier zum 68:75 entschieden die Partie. Crailsheims Liga-MVP-Kandidat Trae Bell-Haynes, der sich mit Hundt ein erbittertes Duell lieferte und nur zwölf Punkte erzielte, markierte die letzten Hauptrundenpunkte der feiernden Merlins.

Spieler des Spiels

Chase Fieler war der Energizer im Bamberger Spiel. Nach seiner Einwechslung nach sechseinhalb Minuten war der Brose-Kapitän kaum noch auf der Bank. Der Power Forward erzielte 16 Punkte (5 von 12 aus dem Feld), holte 8 Rebounds (davon fünf offensiv), verteilte sechs Assists und blockte zwei gegnerische Würfe.

Brose-Kapitän Chase Fieler, hier bei einem seiner  acht Rebounds, war  über 30 Minuten auf dem Feld und kämpft hier mit Elias Lasisi (links) um den Ball.
Brose-Kapitän Chase Fieler, hier bei einem seiner acht Rebounds, war über 30 Minuten auf dem Feld und kämpft hier mit Elias Lasisi (links) um den Ball.
Foto: Daniel Löb

Die Statistik des Spiels

Bamberg: Ogbe (17 Punkte/3 Dreier), Fieler (16/3), Sengfelder (13/1), Larson (10/1), Lockhart (6/1), Hundt (4), Thompson (2), Baggette (2), Seric

Crailsheim:Bleck (14/2), McNeace (12), Bell-Haynes (12), Jones (12/2), Radosavljevic (10/2), Lasisi (7), Stuckey (6/2),Hilliard (2), Caisin (2), A. Kovacevic, D. Kovacevic

Schiedsrichter: Rodriguez, Barth, Fingerling

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 35 Prozent (24 Treffer/68 Versuche), Crailsheim 48 (29/60)

Dreierquote: Bamberg 27 Prozent (9/33), Crailsheim 31 (8/26)

Freiwurfquote: Bamberg 72 (13/18), Crailsheim 65 (11/17)

Rebounds: Bamberg 45 (27 defensiv/18 offensiv), Crailsheim 37 (28/9)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 4/14, Crailsheim 8/13

Assists: Bamberg 14 / Crailsheim 21

Fouls: Bamberg 17 / Crailsheim 18

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