Fußball
Pokal-Spektakel in Bayreuth: 3:6 gegen Bielefeld
Bayreuths Kapitän Ivan Knezevic erzielt den 1:1-Ausgleich.
Bayreuths Kapitän Ivan Knezevic erzielt den 1:1-Ausgleich.
Foto: Peter Mularczyk
Bayreuth – Die SpVgg Bayreuth darf in der 1. DFB-Pokal-Runde gegen den Erstligisten Arminia Bielefeld lange von einer Sensation träumen.

Starkes Comeback der SpVgg Bayreuth im DFB-Pokal. 15 Jahre nach dem letzten Auftritt auf nationaler Ebene (0:2 gegen Kickers Offenbach) durfte der Regionalligist gegen den Erstligisten Arminia Bielefeld bis in die Schlussphase von einer Sensation träumen. Die Altstädter machten vor 5000 begeisterten Zuschauern einen 1:3-Rückstand wett, um am Ende auch mit etwas Pech 3:6 zu verlieren. Bielefelds Trainer Frank Kramer zog den Hut vor dem Verlierer: „Ein großes Kompliment, die Bayreuther haben uns alles abverlangt, wir mussten alles aufbieten um weiterzukommen.“

Die Bayreuther Fans tauchen ihren Block vor dem Spiel in einen  Farben-Nebel.
Die Bayreuther Fans tauchen ihren Block vor dem Spiel in einen Farben-Nebel.
Foto: Peter Mularczyk

In der Tat – ein Drei-Klassen-Unterschied sieht anders aus. 54 Prozent Ballbesitz ist für einen Erst- bei einem Viertligisten kein Ruhmesblatt. Doch die Arminen nutzten eine große Schwäche der Bayreuther gnadenlos aus. Das defensive Mittelfeld der Oberfranken, in dem gleich vier potenzielle Sechser verletzt fehlten, ließ seine Viererkette zu oft im Stich, die Bielefelder bekamen am Strafraum viel zu viel Platz. „Wenn man was kritisieren kann, dann das wir die Gegentore zu leicht kriegen“, sagte SpVgg-Geschäftsführer Wolfgang Gruber, der ansonsten seiner Truppe „ein großartiges Spiel“ attestierte.

SpVgg Bayreuth – Arminia Bielefeld 3:6 (1:2)

Bei den Arminen stehen zum Anpfiff unter anderem Amos Pieper, gerade erst von den Olympischen Spielen in Tokio zurück, und Neuzugang Alessandro Schöpf von Schalke 04, einst auch beim 1.FC Nürnberg aktiv, in der Startelf.

Bayreuth ist gleich gut im Spiel, spielt frech nach vorne. Der Viertligist ist durchaus etwas beeindruckt von der Qualität des krassen Außenseiters, der Zweikämpfe gewinnt und immer wieder offensiv gute Ansätze zeigt, ohne allerdings gefährlich zu werden. Doch dann sieht man, was Bundesliga-Cleverness ist. Bielfeld nutzt die erste Chance zur Führung. Bayreuths Manndecker Steffen Eder rutscht an der Eckfahne im Zweikampf mit Fabian Okugwa aus. Der passt zurück an die Strafraumkante, von wo  aus Jacob Laursen  ins rechte Eck trifft – 0:1 (10.).

Sebastian Kolbe schimpft nach dem 1:2 auf das schlechte Abwehrverhalten seiner Vorderleute.
Sebastian Kolbe schimpft nach dem 1:2 auf das schlechte Abwehrverhalten seiner Vorderleute.
Foto: Peter Mularczyk

Doch die Altstadt zeigt sich keineswegs geschockt. Nur zwei Minuten später die Antwort. Nach einem verunglückten Schussversuch kommt Kapitän Knezevic im Strafraum an den Ball, schlägt einen Haken um Kunze und zirkelt den Ball mit rechts ins rechte Eck – 1:1. Jetzt setzt Regen ein, ein Wetter wie gemacht für Pokal-Sensationen…

Allerdings übernimmt nun der Bundesligist nach und nach die Spielkontrolle. Bayreuths Torwart Sebastian Kolbe verhindert mit einer Glanztat gegen Bielefelds französischen Neuzugang Lasme das 1:2. Und dann muss er den Ball doch aus dem Netz fischen. Hatte zuvor noch der Pfosten nach einer Flanke von Laursen für die Altstadt gerettet, so drehte sich der anschließende Schuss von Laursen ins Tor – doch zum Glück für die Bayreuther Abseits. Doch die Bayreuther müssen aufpassen, ihre Abwehr hat zu oft zu große Lücken, Bielefeld hat viel zu viel Platz.

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So wie in der 27. Minute. Wieder steht ein Bielefelder (Schöpf) nach einer Laursen-Flanke ungedeckt am Strafraum und nimmt den Ball direkt. Wieder rettet der Pfosten, doch diesmal staubt Torjäger Klos gedankenschnell zum 1:2 ab. Bielefeld hat weitere Möglichkeiten wie einen Kopfball von Kunze. Der geht aber aus vollem Lauf drüber. Und fast wäre Bayreuth ein Eigentor unterlaufen, als Eder den Ball vor Klos wegspitzelt, doch fast seinen eigenen Torhüter überlistet.

Dann wieder ein Lebenszeichen der Bayreuther. Nollenberger kommt nach Knezevic-Pass frei vor Torhüter Ortega einen Schritt zu spät, so dass der Armine retten kann. Auf der anderen Seite kommt der auffällige Lasme nach Klos-Flanke frei zum Kopfball, köpft aber links vorbei. Pause.

Stefan Maderer hat sich nach seinem 3:3 den Ball geschnappt.
Stefan Maderer hat sich nach seinem 3:3 den Ball geschnappt.
Foto: Peter Mularczyk

Fünf Minuten nach Wiederanpfiff fast das 1:3. Doch Torwart Kolbe pariert mit einem prächtigen Fußreflex gegen eine Klos-„Koppe“. Eine Minute später ist es aber soweit. Wieder hat der Däne Laursen geflankt. Lasmes Kopfball pariert Kolbe noch, doch beim Nachschuss des großen Franzosen aus unmöglichem Winkel ist er machtlos. Wieder schimpft der Bayreuther Torwart auf seine nicht konsequent verteidigenden Vorderleute.

Doch wie schon in der ersten Halbzeit braucht die SpVgg nur zwei Minuten, um zurückzuschlagen. Diesmal allerdings unter gütiger Mithilfe von Torwart Ortega, der eine weite Flanke von Knezevic nicht festhalten kann. Stefan Maderer staubt zum 2:3 ab – die Fans der „Gelb-Schwarzen“ fangen wieder an zu träumen.

Bayreuth versucht es immer wieder mit langen Bällen in die Spitze, kann aber auch richtig gut Fußball spielen. Wie in der 60. Minute, als Knezevic nach herrlicher Kombination über Ziereis und Maderer per Dropkick das Arminen-Tor um zwei Meter verfehlt.

Alexander Nollenberger gegen den Bielefelder Olympia-Fahrer Amos Pieper.
Alexander Nollenberger gegen den Bielefelder Olympia-Fahrer Amos Pieper.
Foto: Peter Mularczyk

Bielefeld tut nun zu wenig – und wird mit dem Ausgleich bestraft. Vor allem über die rechte Bayreuther Seite und Tim Danhofs Flanken wird es für das ostwestfälische Tor gefährlich. Er leitet auch das vielumjubelte 3:3 ein. Bielefeld bekommt den Ball nicht weg, und Marcel Götz’ Flanke kann Joakim Nilsson vor dem einschussbereiten Ziereis nur ins eigene Tor lenken. Nun liegt die Sensation in der Luft. Maderers Flanke findet fast Ziereis in der Mitte – das hätte das 4:3 sein können.

Und dann gibt Bielefeld erneut eine Lehrstunde in Effizienz. Kolbe pariert gegen Klos zur Ecke, kann aber den anschließenden Kopfball von Nilsson nicht halten. Der sechsmalige schwedische Nationalspieler macht damit sein Eigentor wieder wett.

3:5 statt 4:4

Kommt Bayreuth noch mal zurück? Ja, nach Freistoßflanke trifft Steffen Eder ins Tor. Das Stadion steht Kopf, die Bayreuther feiern überschwänglich das vermeintliche 4:4. Doch es ist klar Abseits. Bielefelds Torwart führt den Freistoß schnell aus, nach einem verpatzten Bayreuther Abwehrversuch von Götz kommt der Ball zu Lasme, der aber nur die Latte trifft. Kunzes Nachschuss von der Strafraumgrenze sitzt aber – 3:5. Bryan Lasme macht schließlich in der 84. Minute mit seinem zweiten Treffer den Deckel drauf – nach einem Konter schiebt er den Ball an Kolbe vorbei ins lange Eck.

Die Bayreuther Fans feierten trotz der Niederlage ihrer Mannschaft, die Bielefeld einen aufopferungsvollen Kampf geboten hat.
Die Bayreuther Fans feierten trotz der Niederlage ihrer Mannschaft, die Bielefeld einen aufopferungsvollen Kampf geboten hat.
Foto: Peter Mularczyk

Trotz der klaren Niederlage skandierten die Bayreuther Fans verächtlich Richtung Arminen-Fans: „Erste Liga, keiner weiß warum“. Dabei hatte die Arminia klar gezeigt, auf was es im Profifußball ankommt. Zum ersten eine starke Defensive, zum zweiten Abgezocktheit vor dem Tor. Qualitäten, die man lernen kann. Talent und Potenzial dazu hat die Bayreuther Mannschaft durchaus.

Stimmen zum Spiel

Stefan Maderer (SpVgg Bayreuth): Es hat wohl niemand gedacht, dass wir so einen Fight abliefern können. Wir sind natürlich enttäuscht, aber am Ende überwiegt der Stolz, dass wir so lange mithalten konnten. Vor so einer Kulisse einzulaufen, war ein irres Gefühl, ich hatte richtig Gänsehaut.

Timo Rost: Wir sind stolz, dass wir gegen einen Erstligisten immer wieder zurückgekommen sind und unser Spiel auf die Wiese gebracht haben. Das war sehr, sehr ordentlich. Wir nehmen aus diesem Spiel sehr viel mit für die Liga was das Tempo, die Abstände zueinander oder die Kommunikation betrifft. Man sieht auch, dass Bayreuth langsam wieder eine Fußball-Stadt wird, das freut mich sehr. Die Zuschauer haben uns sehr gut unterstützt.

Wolfgang Mahr (Teamkoordinator SpVgg Bayreuth): Für die Zuschauer war es ein hervorragendes Spiel, unsere Mannschaft hat großartig gespielt. Die Atmosphäre war super, da sieht man wieder mal, was in Bayreuth möglich wäre.

Wolfgang Gruber (Geschäftsführer SpVgg Bayreuth): Dass wir immer wieder zurückgekommen sind, spricht für die Mannschaft. Das waren heute Festspiele. Wer jetzt nicht sieht, welches Potenzial der Fußball in Bayreuth hat…

Frank Kramer (Trainer Arminia Bielefeld): Dass es ein schwerer Gang wird, war uns klar, Bayreuth hat es sehr gut gemacht, aber wir haben ihnen die Tür immer wieder ein Stück aufgemacht. Wir wissen auch, dass wir auch ans Verteidigen denken müssen. Bayreuth hat unsere zahlreichen Fehler im Defensivverhalten sehr gut ausgenutzt.

Stefan Maderer (Torschütze der SpVgg Bayreuth): Am Ende ist man ein bisschen enttäuscht, aber es überwiegt der Stolz, dass wir so lange mithalten konnten.

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