Erster Test
Prewitt rettet Brose den Sieg gegen Zweitligisten
Das Team von Coach Johan Roijakkers (Mitte) setzte sich im ersten Testspiel gegen Jena mit 76:71 durch.
Das Team von Coach Johan Roijakkers (Mitte) setzte sich im ersten Testspiel gegen Jena mit 76:71 durch.
Foto: Brose Bamberg
Bamberg – Die Bamberger kommen nach 30 ordentlichen Minuten im Testspiel gegen Jena im Schlussviertel außer Tritt. Dann läuft ein Brose-Neuzugang aber heiß.

Nach knapp zwei Wochen Training ist Brose Bamberg am Samstagabend erstmals auf Wettkampfniveau gefordert worden. Und der ambitionierte Zweitligist Medipolis SC Jena war im nicht-öffentlichen Test in Strullendorf tatsächlich ein ernstzunehmender Gegner für die Oberfranken. Das neu formierte Team von Coach Johan Roijakkers hinterließ 30 Minuten einen soliden Eindruck (65:51), ehe im letzten Viertel die Kräfte schwanden und ein 15:0-Lauf der Jenaer folgte. Vom Ehrgeiz gepackt legten die Bamberger in den letzten drei Minuten noch einmal eine Schippe drauf und setzten sich mit 76:71 (44:35) durch. Offensiv setzte ein Bamberger Duo klar die Akzente: Neuzugang Omar Prewitt und Neu-Kapitän Christian Sengfelder erzielten jeweils 27 Zähler.

Roijakkers schickte zunächst Martinas Geben, Christian Sengfelder, Omar Prewitt, Kenny Ogbe und Justin Robinson auf das Parkett. Durchaus möglich, dass diese fünf Spieler auch im ersten Pflichtspiel, in der Champions-League-Qualifikation am 15. September, starten werden. Nicht im Kader standen Patrick Heckmann, der sich in einer der ersten Trainingseinheiten einen Finger an der linken Hand gebrochen hatte und Trevis Simpson aufgrund von Wadenproblemen. Bamberg schaffte es zu Beginn der Partie, sein Inside-Spiel mit Sengfelder und Center Geben zu etablieren (13:8). Aus der Distanz fielen dagegen nur wenige Würfe.

Lesen Sie auch:

Dass das erste Viertel (19:16) recht unrhythmisch verlief, lag an den vielen Wechseln beider Teams. Roijakkers rotierte bereits nach acht Minuten mit elf Spielern und probierte dabei sämtliche Konstellationen aus. Auf den beiden Guard-Positionen agierten teilweise Justin Robinson (1,73 Meter) und Elias Baggette (1,83) zusammen, kurze Zeit später folgte dann die sehr große Aufstellung mit Jamel Morris (1,93) und Kenny Ogbe (1,98).

Omar Prewitt erzielt einen seiner insgesamt vier Dreier.
Omar Prewitt erzielt einen seiner insgesamt vier Dreier.
Foto: Brose Bamberg

Nach dem Heckmann-Ausfall muss Roijakkers auch auf der Position des Power Forwards etwas improvisieren. Wenn Sengfelder (27 Minuten Spielzeit) nicht auf dem Feld stand, vertrat ihn der gelernte Guard Dominic Lockhart. Bamberg offenbarte im zweiten Viertel Schwächen in der Pick-and-Roll-Verteidigung und hatte Probleme mit Jenas prominentesten Neuzugang, BBL-Veteran Brandon Thomas.

Nach dem 27:31 (15.) legte Brose allerdings eine Schippe drauf und ließ den Ball nun sehr flüssig laufen: Prewitt bediente Marvin Omuvwie im Pick-and-Roll, der unmittelbar in Korbnähe nochmals auf Sengfelder ablegte – sehenswert! Justin Robinson setzte wenige Sekunden einen Dreier aus der Ecke drauf. Es sollten aber die einzigen Punkte des neuen Bamberger Gehirns bleiben.

Lesen Sie auch:

Der US-Amerikaner konzentrierte sich an diesem Abend merklich auf die Spielgestaltung und weniger auf seinen eigenen Abschluss. Im Ballvortrag war er gegen die aggressiv verteidigenden Thüringer recht souverän, scheint aber von seinem Top-Fitnesszustand (logischerweise) noch ein gutes Stück entfernt zu sein.

Brose beendete das zweite Viertel mit einem 17:4-Lauf (44:35 zur Pause) und knüpfte im dritten Viertel an diese Leistung an. Sengfelder, der sich in erstaunlicher Frühform präsentierte (27 Punkte, 26 Effektivität), baute den Vorsprung mit zwei Dreiern auf 54:40 aus. Als der Kapitän und der zweite Aktivposten, Omar Prewitt, länger auf der Bank weilten, merkte man dem Bamberger Spiel schon einen Qualitätsabfall ab.

Defensiv offenbarten die Bamberger die eine oder andere Lücke in der Zone. Der Jenaer Rafael Alberton Rodrigues erzielt zwei Punkte.
Defensiv offenbarten die Bamberger die eine oder andere Lücke in der Zone. Der Jenaer Rafael Alberton Rodrigues erzielt zwei Punkte.
Foto: Brose Bamberg

Nach der 65:51-Führung nach drei Vierteln glückte dem Erstligisten gegen den engagierten Zweitligisten offensiv nicht mehr viel. Siebeneinhalb Minuten blieb Brose ohne Punkt, leistete sich einen Ballverlust und Fehlwurf nach dem anderen. Missverständnisse, die bei einem nahezu komplett neu zusammengestellten Team aber nur bedingt überraschen. Einige Fragezeichen ergaben sich dann vor allem bei Geben und Prewitt aufgrund einiger Pfiffe beziehungsweise Nicht-Pfiffe. Die Kommunikation stimmte immerhin: Crew-Chief Moritz Reiter erklärte den BBL-Neulingen seine Entscheidungen besonnen.

Lesen Sie auch:

Nachdem bei den Gästen nun vor allem Ex-Brose-Akteur Moritz Plescher mit insgesamt 14 Punkten (6 von 8 aus dem Feld) heißlief, war das Spiel drei Minuten vor Spielende gedreht (65:66). Doch die Bamberger kamen nach einer Roijakkers-Auszeit und fast acht korblosen Minuten zur richtigen Zeit wieder auf Touren. Prewitt traf einen Dreier aus der Ecke und legte nach einem Steal von Robinson einen Wurf aus der Mitteldistanz nach. Nach einem weiteren Dreier des US-Amerikaners war der umkämpfte erste Testspielerfolg perfekt.

Prewitt gab als „Point Forward“, der den Ball oft in den Händen hält, eine Kostprobe seines Könnens ab: 27 Punkte (10 von 19 aus dem Feld), 5 Rebounds, 4 Assists und 2 Steals standen für den 26-Jährigen auf dem Spielbogen. Unauffällig blieben in ihrem ersten Einsatz hingegen die Importspieler Derek Cooke (16 Minuten, 0 Punkte, 4 Rebounds, 2 Assist) und Jamel Morris (6 Minuten, 1 Rebound, 0/3 aus dem Feld).

Die Basketball-Statistik

Brose Bamberg: Sengfelder (27 Punkte, 10/14 Feldwürfe, 27 Minuten), Prewitt (27, 10/19 Feldwürfe, 5 Rebounds, 4 Assists, 33 Minuten), Lockhart (6, 22 Minuten), Geben (6, 7 Rebounds, 20 Minuten), Baggette (5, 13 Minuten), Robinson (3, 4 Assists, 25 Minuten), Ogbe (2, 4 Rebounds, 4 Assists, 25 Minuten), Morris (6 Minuten), Cooke (16 Minuten), Aminu (9 Minuten), Omuvwie (5 Minuten), Schulz (nicht gespielt)

Medipolis SC Jena: Plescher (14 Punkte), Thomas (14), Haukohl (8), Herrera (8), Radojicic (8), Wolf (6), Simmons (6), Alberton Rodrigues (4), Brauner (3)

Gesamtwurfquote: Bamberg 43 Prozent (26 Treffer/60 Versuche), Jena 45 (29/65)

Dreierquote: Bamberg 31 Prozent (10/32),  Jena 30 (9/30)

Freiwurfquote: Bamberg 78 Prozent (14/18), Jena 50 (4/8)

Rebounds: Bamberg 35 (26 defensiv/9 offensiv), Jena 36 (26/10)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 7/14, Jena 6/15

Assists: Bamberg 19, Jena 13

Fouls: Bamberg 16, Jena 22

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: