Basketball
Towers eine Nummer zu groß für Brose Bamberg
Maik Kotsar (22 Punkte/8 Rebounds) entschied  das Centerduell gegen den Bamberger David Kravish (12/9) für sich.
Maik Kotsar (22 Punkte/8 Rebounds) entschied das Centerduell gegen den Bamberger David Kravish (12/9) für sich.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Formschwache Bamberger müssen sich in eigener Halle den Hamburgern mit 64:76 geschlagen geben. Für ein Quartett ist nach 25 Minuten Schluss.

Die beiden derzeit heißesten Teams standen sich am Ostersonntag gegenüber. Fünf Siege in Folge hatten sowohl Brose Bamberg als auch die Hamburg Towers in der Basketball-Bundesliga eingefahren. Doch im Duell des Tabellenachten mit dem -sechsten präsentierten sich die Bamberger nicht nur merklich abgekühlt, sondern phasenweise eiskalt. Die Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers wurde drei Viertel lang von ihrem Gegner vorgeführt und musste sich mit 64:76 klar geschlagen geben. In dieser Verfassung werden die Bamberger ihren Platz in den Play-off-Rängen nicht mehr lange halten können.

"Wir waren in der Verteidigung immer einen Schritt zu spät und in der Offensive zu langsam in unseren Entscheidungen", monierte Roijakkers nach dem ernüchternden Auftritt seines Teams. Der Kampfgeist der Oberfranken erwachte erst, als es viel zu spät war. Nach einem 24-Punkte-Rückstand nach 29 Minuten (39:63) konnten sie dank des mit 21:13 gewonnen letzten Spielabschnitts noch Ergebniskosmetik betreiben.

Bundesliga, Männer

Brose Bamberg -

Hamburg Towers 64:76

(16:22, 9:20, 18:21, 21:13) In der 25. Minute hatte Roijakkers genug gesehen. In einer Auszeit beim Stand von 29:52 nahm der Niederländer mit Tyler Larson, Chase Fieler, Devon Hall, David Kravish und Dominic Lokhart alle fünf Spieler vom Feld. Bis auf Center Kravish musste sich das Quartett, das zusammen mit Shevon Thompson auch die Startformation gebildet hatte, den Rest der Partie von der Bank aus ansehen. Denn wie in Halbzeit eins hatte es diese Formation nicht geschafft, die spielfreudigen Hamburger zu stoppen. "Diese Spieler hatten heute keine Energie, aber ich kann ihnen keinen Vorwurf machen, denn wir haben eine harte Woche hinter uns," meinte Roijakkers nach dem vierten Spiel binnen neun Tagen und der Reise zum Champions-League-Heimspiel gegen ERA Nymburk nach Bosnien.

Weitaus kritischer als der Coach sah dagegen Bennet Hundt die lange Zeit blutleere Vorstellung des Heimteams. "Natürlich hatten wir ein toughes Programm, aber das darf keine Ausrede sein. Auch wenn die Beine schwer sind, müssen wir mental wach sein, das waren wir heute nicht", sagte der Aufbauspieler. Sechs der 20 Ballverluste gingen auf das Konto von Hundt, der dennoch einer der besseren Bamberger an diesem Nachmittag war.

Der Hamburger Terry Allen setzt sich unter dem Korb gegen Michele Vitali (l.) und Davon Kravish (r.) durch.
Der Hamburger Terry Allen setzt sich unter dem Korb gegen Michele Vitali (l.) und Davon Kravish (r.) durch.
Foto: Daniel Löb

Zu diesen zählten auch noch Kenneth Ogbe und mit Abstrichen Kravish, der Rest der Mannschaft hatte einen schwarzen Tag erwischt. Die Hanseaten, die ohne ihren an einem Magen-Darm-Virus leidenden Trainer Pedro Calles nach Oberfranken gekommen waren, erwiesen sich als die reifere Mannschaft und knackten die Bamberger früh mit ihrer knallharten Verteidigung. Meist attackierten sie den ballführenden Spieler in Korbnähe mit zwei Akteuren, halfen sich zudem stets gegenseitig und sorgten so für Verwirrung in der gegnerischen Offensive.

Besonders planlos agierten die Bamberger im zweiten Viertel, als sie es fast nur noch aus der Distanz versuchten. Von zwölf Dreiern fand aber nur einer sein Ziel. Auch zuvor war der Distanzwurf eine stumpfe Waffe gewesen. 21 Mal hatten es die Bamberger in der ersten Halbzeit von jenseits der 6,75-Meter-Linie probiert - zehnmal mehr als aus dem Zweierbereich - aber nur dreimal getroffen. Nur 25 Punkten vor der Pause folgten zwar 39 nach dem Seitenwechsel, aber insgesamt 64 Punkte bedeuteten einen Negativrekord in dieser Bundesligasaison.

Mit diesem Dunking brachte Mateo Seric die Bamberger im letzten Viertel noch einmal bis auf neun Punkte heran.
Mit diesem Dunking brachte Mateo Seric die Bamberger im letzten Viertel noch einmal bis auf neun Punkte heran.
Foto: Daniel Llöb

Während die Bamberger zu viele Ausfälle hatten, erwiesen sich die Hamburger, die zuvor Erfolge gegen Alba Berlin und Bayern München gefeiert hatten, als homogenes Team. Nicht zu stoppen war Center Maik Kotsar, dem mit 22 Punkten und acht Rebounds eine Saisonbestleistung zeigte. Der Ex-Bamberger Kameron Taylor lieferte mit 16 Punkten, fünf Assists und fünf Rebounds ebenfalls ein starkes Spiel ab. Die leisen Hoffnungen der Gastgeber (61:70), die sich noch einmal auf neun Punkte herangepirscht hatten, erstickte er mit einem Dreier zwei Minuten vor der Schlusssirene im Keim.

Die Bamberger mussten auf Christian Sengfelder verzichten. Der zuletzt formstarke Nationalspieler hatte sich beim Heimsieg über Dinamo Sassari eine Schulterverletzung zugezogen. Sein Einsatz im Rückspiel bei den Italienern am Donnerstag (18.30 Uhr) zum Champions-League-Ausklang ist unwahrscheinlich.

Der Ex-Bamberger Kameron Taylor (r.) wirft über Chase Fieler hinweg.
Der Ex-Bamberger Kameron Taylor (r.) wirft über Chase Fieler hinweg.
Foto: Daniel Löb

Spieler des Spiels

Mateo Seric war nach seiner erstmaligen Einwechslung im dritten Viertel gleich einer der wenigen Aktivposten im Bamberger Team. Der 22-Jährige stand 14:12 Minuten auf dem Feld und erzielte zehn Punkte, davon zwei Dreier. Außerdem holte der Power Forward vier Rebounds.

Die Statistik

Bamberg: Kravish (12 Punkte), Hundt (11/2 Dreier), Seric (10/2), Ogbe (6/1), Hall (6/1), Lockhart (5/1), Thompson (5), Vitali (4/1), Fieler (3/1), Larson (2), Grüttner Bacoul

Hamburg: Kotsar (22), K. Taylor (16/1), Shorts (10/2), Allen (10/1), Hollatz (8), Swing (3/1), Dileo (3/1), Ogunsipe (2), Cuthbertson (2), Rich

Schiedsrichter: Krause, Bittner, Bohn

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 39 Prozent (24 Treffer/61 Versuche), Hamburg 47 (29/62)

Dreierquote: Bamberg 26 Prozent (9/35), Hamburg 30 (6/20)

Freiwurfquote: Bamberg 54 Prozent (7/13), Hamburg 60 (12/20)

Rebounds: Bamberg 39 (27 defensiv/12 offensiv), Hamburg 33 (25/8)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 4/20, Hamburg 12/6

Assists: Bamberg 18 / Hamburg 20

Fouls: Bamberg 18 / Hamburg 18