Basketball
Trotz Heimsieg: Brose Bamberg scheidet aus
Bambergs Co-Kapitän Tyler Larson beim Sprungwurf. Der US-Amerikaner hat seinen Rhythmus nach langer Verletzungspause noch nicht gefunden.
Bambergs Co-Kapitän Tyler Larson beim Sprungwurf. Der US-Amerikaner hat seinen Rhythmus nach langer Verletzungspause noch nicht gefunden.
Foto: Daniel Löb
Bamberg – Das Team von Johan Roijakkers besiegt zwar Sassari mit 92:86, erhält aber keine Schützenhilfe und muss sich aus der Champions League verabschieden.

Für Brose Bamberg ist in der Zwischenrunde der Basketball-Champions-League Endstation: Die Oberfranken gewannen zwar am Donnerstagabend mit 92:86 gegen Dinamo Sassari, die notwendige Schützenhilfe im Parallelspiel blieb jedoch aus. Casademont Saragossa setzte sich mit 90:71 gegen ERA Nymburk durch und sicherte sich ein Ticket für das Final-Eight-Turnier. Auch die Tschechen sind trotz der Niederlage dank des gewonnenen direkten Vergleichs gegenüber Bamberg vorzeitig weiter. Brose wird die Zwischenrundengruppe L - unabhängig vom Spielausgang nächste Woche in Sassari - als Tabellendritter abschließen.

Champions League

Brose Bamberg - Dinamo Sassari 92:86

(15:28, 22:20, 28:19, 27:19)

Brose-Trainer Johan Roijakkers kostete den Luxus seines mittlerweile tiefen Kaders aus, indem er im Vergleich zum Nymburk-Spiel mit Ausnahme von Christian Sengfelder eine komplette andere Starting Five aufs Feld schickte. Der deutsche Power Forward, Bennet Hundt, Kenny Ogbe, Michele Vitali und David Kravish verschliefen allerdings den Start in die Partie (2:10, 4.). Die coronagebeutelten Italiener, bei denen die drei Aufbauspieler Marco Spissu, Toni Katic und Marco Antonio Re fehlten, begannen mit deutlich mehr Energie. Die Gäste machten aus ihrer Guard-Not eine Tugend und brachten den Ball konsequent zu ihren großen Spielern um Routinier Miro Bilan, die den Bambergern in der Zone vor einige Probleme stellte. Während bei Brose offensiv überhaupt nichts zusammenlief, drehte bei Sassari nun auch noch Point Guard und Kapitän Stefano Gentile mit fünf Punkten in Folge auf (9:25, 8.). Einer stemmte sich aber auf Bamberger Seite gegen die drohende Pleite: Dominic Lockhart traf drei Dreier in den ersten zehn Minuten und brachte das müde wirkende Brose-Team wieder etwas auf Tuchfühlung (15:25).

Roijakkers wechselte auch im zweiten Viertel munter durch und rotierte mit elf Spielern, fand aber nach wie vor keine Formation, die an diesem Abend gegen sehr engagierte, aber keinesfalls spektakulär agierenden Gäste harmonierte. Das Team von Trainer Marco Pozzecco spielte die Wurfuhr oftmals weit herunter, ließ den Ball gut durch die eigenen Reihen laufen und war in der Zone klar überlegen. Beim 23:39-Zwischenstand dreieinhalb Minuten vor der Halbzeitpause nahm Roijakkers seine zweite Auszeit. Ein "Wachmacher" war die Timeout aber zumindest defensiv nicht. Ein einfacher Block der Italiener bei einer Einwurfsituation genügte, um leicht per Dunking abzuschließen.

Die Sarden spielten phasenweise mit vier Akteuren über zwei Meter Körpergröße und attackierten immer wieder clever die körperlich unterlegenen Brose-Akteure, wie etwa Michele Vitali, im Post-up. Immerhin fielen bei den Gastgebern nun die Dreier (Sengfelder, Vitali) besser. Dazu arbeitete Shevon Thompson nun stark am offensiven Brett. Brose ging trotz eines Elf-Punkte-Rückstands (37:48) mit dem Momentum in die Kabine - auch da sich "Vulkan" Pozzecco, der lange ruhig blieb, während der Pause noch ein technisches Foul kassierte. Chase Fieler, der aufgrund zweier schneller Fouls im ersten Durchgang nur knapp drei Minuten spielte, eröffnete die Aufholjagd aus der Distanz. Devon Hall setzte zwei weitere Dreier drauf: Bamberg war wieder voll im Rennen (48:50, 23.). Das Team von Coach Roijakkers ging nun an beiden Enden des Feldes mit deutlich mehr Intensität zu Werke, den Sarden schien wie bereits zwei Tage zuvor in Saragossa in den zweiten 20 Minuten die Luft auszugehen. Nachdem Hall zweimal die Möglichkeit hatte Brose in Front zu bringen, dies aber nicht schaffte, berappelten sich die Gäste wieder und zogen nach einem Dreier von Massimo Chessa wieder auf acht Zähler davon (54:62, 26.). Bis zum Viertelende kämpften sich die Bamberger aber wieder heran (65:67).

Sassari spielt clever

Die Ballbewegung der Hausherren war flüssig und kein Vergleich mehr zur ersten Halbzeit, aber die Wende in Form eines Führungswechsels wollte auch in vierten Viertel zunächst nicht gelingen. Die Italiener waren zwar aufgrund ihrer dünnen Rotation stehend k.o., verteidigten aber ihre Führung dank ihrer Cleverness. Gegen den ausgebufften Kroaten Bilan hatten sowohl David Kravish als auch Christian Sengfelder mehrmals das Nachsehen. Nach einem Ballgewinn von Vitali und leichten Punkten durch Kravish (77:78, 37.) war die erstmalige Führung nahe. Vitali besorgte diese eine halbe Minute später auch tatsächlich an der Freiwurflinie. In der Crunchtime ging es munter hin und her. Einen Dreier von Lockhart aus der Ecke beantwortete Routinier Gentile ebenfalls mit einem Treffer hinter der 6,75-Meter-Linie (82:84, 39.).

Vier Punkte in Folge von Kravish ließen das Pendel wieder in Richtung der Bamberger ausschlagen, doch Bilan glich 46 Sekunden vor Spielende nervenstark an der Freiwurflinie aus. Nach einem schönen Zusammenspiel von Kravish und Fieler hatte für die Sarden Gentile den Ausgleich in den Händen - traf aber nicht. Der Italiener bettelte förmlich um das technische Foul: eine Einladung, die das Brose-Team dankend annahm und sich den Sieg noch sicherte. Der fünfte Erfolg im fünften Spiel auf Bamberger Boden in der laufenden Champions-League-Saison war letztlich aber ein schwacher Trost. Denn die internationale Spielzeit ist für Brose Bamberg beendet.

Die Basketball-Statistik

Bamberg: Vitali (17 Punkte/3 Dreier), Hall (16/3), Kravish (15), Lockhart (12/4), Sengfelder (9/1), Thompson (8), Fieler (7/1), Larson (6), Ogbe (2), Ruoff, Hundt

Sassari: Bilan (20), Bendzius (15/3), Burnell (15/1), Gentile (13/3), Happ (10), Treier (8/2), Chessa (5/1),Gandini

Schiedsrichter: Ciulin (Rumänien), Poursanidis (Georgien), Deman (Frankreich)

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 46 Prozent (34 Treffer/74 Versuche), Sassari 54 (31/57)

Dreierquote: Bamberg 38 Prozent (12/32), Sassari 50 (10/20)

Freiwurfquote: Bamberg 71 (12/17), Sassari 78 (14/18)

Rebounds: Bamberg 37 (22 defensiv/ 15 offensiv), Sassari 32 (27/5)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 8/10, Sassari 5/18

Assists: Bamberg 29 / Sassari 12

Fouls: Bamberg 22 / Sassari 23