Kirchenrecht
Beichte ist „der absolute Vertrauensschutz“
Was im Beichtstuhl gesprochen wird, bleibt auch dort. Das ist das Beichtgeheimnis.
Was im Beichtstuhl gesprochen wird, bleibt auch dort. Das ist das Beichtgeheimnis.
Foto: F.C.G./adobestock.com
Bamberg – Wegen der Missbrauchsfälle mehren sich die Rufe, das Beichtgeheimnis aufzuweichen. Was sagen Bamberger Pfarrer dazu?

Beichtväter berührt natürlich die jetzt entbrannte Debatte um das Beichtgeheimnis: „Ich bedauere sehr die entstandene Verunsicherung“, sagt etwa Dompfarrer Markus Kohmann. Sein Mitbruder Matthias Bambynek, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Bamberger Westen mit Sitz in der Oberen Pfarre, ist darüber hinaus „überrascht über das Interesse an der Beichte, denn das Sakrament der Versöhnung wird zumindest im üblichen gemeindlichen Kontext nicht sonderlich intensiv gepflegt“.

Allerdings kann Pfarrer Bambynek die entstandenen öffentlichen Irritationen nachvollziehen, die das „große Thema Missbrauch“ in Frankreich ausgelöst hat. Die Idee, die aufkommen könne: „Da geht ein missbrauchender Amtsträger zu einem anderen Amtsträger, einem Priester, beichtet mal eben den Missbrauch, der Täter empfängt die ‚Lossprechung‘ und vermeintlich ist danach alles gut und sonst passiert nichts, weil es ja das Beichtgeheimnis gibt“, fasst Bambynek zusammen. Wenn es so laufen würde, „wäre es entsetzlich!“

Marcus Wolf, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Bamberger Osten mit Sitz in Sankt Gangolf, sieht in diesem Zusammenhang und generell das Problem nicht im Beichtgeheimnis, sondern „im falschen Verständnis der Beichte oder, besser gesagt, im Missbrauch der Beichte“: „Ich tue etwas Schlimmes, beichte es dann, um mein Gewissen zu beruhigen, aber ändere mich nicht, tue es wieder und beichte wieder und so weiter.“

Beichte mache erst dann einen Sinn, so Pfarrer Wolf, „wenn ich klar und deutlich meine Sünden ernsthaft bereue und danach auch mein Leben ändere, indem ich die gleichen Fehler nicht mehr mache“. Der Pfarrer wird deutlich: Vertreter der Kirche hätten durch ihr Verhalten „die Beichte selbst kaputt gemacht, indem Priester junge Mädchen im Beichtstuhl bis ins Detail über sexuelle Themen ausgefragt haben“. Auch die Ohrenbeichte sei keine Hilfe gewesen: „Sünden aufzählen, Lossprechung und Tschüss!“

So sehe er dagegen mehr Sinn in einem Beichtgespräch, in dem „so manche Orientierung gegeben werden könnte“.

Unantastbar

Für alle drei vom Fränkischen Tag befragten Pfarrer bleibt das Beichtgeheimnis nach wie vor unantastbar. Dompfarrer Kohmann nennt die bei der Beichte vorausgesetzte Verschwiegenheit „ein sehr hohes Gut, das durch das Kirchenrecht und das Zivilrecht in Deutschland bewusst geschützt wird“.

Für Pfarrer Bambynek hat das Beichtgeheimnis „elementar etwas mit dem zu tun, was im Sakrament der Versöhnung gefeiert wird“. Wenn jemand das, was sie oder er an Schuld auf sich geladen und anderen angetan habe, in der Beichte vor sich selbst und vor Gott im Gespräch mit einem Priester zum Thema machen wolle, „braucht es den Rahmen absoluten Vertrauens“, betont Pfarrer Bambynek. Wenn jemand strafrechtlich relevantes Verhalten in einem unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses geführten Gespräch zur Sprache bringe, gehe es „freilich auch darum, wie ein Täter zu seiner Schuld stehen kann und entsprechend weiter agiert“. Einsicht, Reue, Werke der Wiedergutmachung, Buße gehörten zu einer Beichte dazu: Auch wenn diese Begriffe „teils alt klingen“, so Bambynek.

Pfarrer Wolf sieht in dem Beichtgeheimnis einen tiefen Sinn, denn „somit kann die oder der Beichtende sich voll und ganz öffnen und alles loswerden, was sie oder er auf dem Herzen hat, ganz im Vertrauen darauf, dass es im Beichtstuhl, im Beichtzimmer bleibt“.

Der Pfarrer bekennt offen, dass „Gott sei Dank noch nie jemand bei mir einen Missbrauch gebeichtet hat“. Sollte dies einmal der Fall sein, werde er bewusst den Beichtenden fragen, ob er für diese Tat auch gerade stehen wolle, also sich selbst anzeige. Pfarrer Wolf: „Ich werde der Person auf jeden Fall erst dann eine Lossprechung erteilen, wenn sie zu ihrer Schuld steht mit allen Konsequenzen und dadurch zeigt, dass sie ernsthaft ihre Tat bereut.“

Jetzt müsste in Deutschland kein Beichtvater befürchten – wie weiland der heilige Johannes von Nepomuk in Prag erfahren hat – beim Stillschweigen durch staatlichen Zugriff sein Leben zu verlieren. Was bindet einen Priester an das Beichtgeheimnis? „Das Versprechen bei der Priesterweihe, das Sakrament der Versöhnung gemäß der kirchlichen Überlieferung zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht zu feiern“, antwortet Dompfarrer Kohmann.

Eine der Hauptaufgaben

Pfarrer Bambynek erklärt: „Die Spendung beziehungsweise Feier der Sakramente ist eine der Hauptaufgaben, die ich übernommen habe. Und der Rahmen für die Feier des Sakraments der Versöhnung ist klar umrissen.“ Dazu gehöre wesentlich das Beichtgeheimnis, „der absolute Vertrauensschutz“.