Aufruf
Es geht um die Zukunft der Kirche
Erzbischof Ludwig Schick erbittet den Segen Gottes für den synodalen Prozess im Erzbistum Bamberg.
Erzbischof Ludwig Schick erbittet den Segen Gottes für den synodalen Prozess im Erzbistum Bamberg.
Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bamberg – Am Sonntag startet für 700.000 Katholiken im Erzbistum Bamberg der synodale Prozess. Erzbischof Schick bittet um Beteiligung und räumt Sackgassen ein.

Er fordert und beharrt nicht, pocht nicht auf seine Leitungshoheit. Im Gegenteil: Erzbischof Ludwig Schick gibt sich in seinem aktuellen Hirtenwort, das dem Fränkischen Tag im Wortlaut vorliegt, geradezu demütig: „In diesem Anliegen wende ich mich an Sie und Euch alle und bitte, daran mitzuwirken“, schreibt Schick in seinem Hirtenwort, das am Sonntag in den Gottesdiensten verlesen werden soll.

Es betrifft die rund 700.000 Katholiken im Erzbistum Bamberg, die sich nun auf einen synodalen Prozess einlassen sollen. Und der sie mit den 1,2 Milliarden Katholiken in aller Welt verbindet. Denn Papst Franziskus hat am vergangenen Samstag im Vatikan die Weltsynode eröffnet, die der Vorbereitung der Generalversammlung der Bischöfe im Oktober 2023 dient. In mehreren Etappen sollen Überlegungen und Eingaben aus den einzelnen Diözesen in die Bischofsversammlung und damit anschließend auch in das Abschlussdokument einfließen. „Wenn nicht wirklich alle daran teilnehmen, droht die Rede von Gemeinschaft nur fromme Absicht zu bleiben“, sagte der Papst bei der Eröffnungsfeier. Zwar gebe es Fortschritte im Bereich Partizipation. Aber „wir können nicht umhin, das Unbehagen und Leid vieler pastoraler Mitarbeiter, der partizipativen Organe in den Bistümern und Pfarreien und der Frauen zu registrieren“, so Papst Franziskus.

Neuausrichtung ist das Ziel

In diesem synodalen Prozess gehe es bei der pastoralen Neuausrichtung „um nichts weniger als um die Zukunft von Seelsorge und Kirche in einer Epoche starker Veränderungen und Herausforderungen“, hebt Erzbischof Schick hervor. Es gelte, Wege zu finden, dass auch künftig Gläubige am Auftrag der Kirche und ihrer Sendung teilnehmen.

Das gelte auch für den Synodalen Weg in Deutschland mit den vier Foren „Macht“, „Frauen in der Kirche“, „Priesterlicher Lebenswandel“ und „Sexualität“: „Der Papst bremst ihn nicht aus, sondern fördert ihn“, betont Schick. Bei noch mehr Gemeinschaft unter den Synodalinnen und Synodalen, durch bewusstere Teilhabe an der Sendung der Kirche könne über diese wichtigen Themen noch intensiver beraten und entschieden werden für eine nachhaltige Reform.

In seinem Hirtenwort räumt Erzbischof Schick ein, dass bei aller guten Gemeinschaft im Erzbistum „nicht alles rundläuft, und dass auch ich und wir in der Leitung nicht immer das Beste getan und gewirkt haben. Menschen sind wir und bleiben wir!“ Offen verweist Schick auf die Vergangenheit, „in der wir zu wenig als Christinnen und Christen gemeinsam auf dem Weg und zu wenig Weggefährten waren“. Vor allem im vorletzten Jahrhundert habe es eine „Hierarchisierung der Kirche“ gegeben: Bischöfe, Priester, Ordensleute und andere Hauptamtliche hätten allein das Sagen gehabt, „das Volk Gottes hatte zu hören und zu gehorchen. Diese Abkehr von der synodalen Kirche hat in viele Sackgassen geführt, auch den Machtmissbrauch im sexuellen, im geistlichen und materiellen Bereich begünstigt“, so Schick.

Mitreden, mitentscheiden, mitanpacken

Der Erzbischof gibt einige konkrete Anregungen, wie möglichst alle Christinnen und Christen „verstärkt synodale Kirche werden, in der möglichst alle Christinnen und Christen sich begegnen und einander zuhören, miteinander auf Gottes Wort hören und Gottesdienst feiern, mitreden, mitentscheiden und mitanpacken“. Schick hat die Familien im Blick, deren Nachbarn, Arbeitskollegen und Mitschüler. Er richtet sich an die Ehrenamtlichen in den Pfarreien, an die Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen, an die Pastoralteams in den Seelsorgebereichen. Er empfiehlt eine Konzentration auf die drei Aufgaben, die Papst Franziskus für die ganze Kirche erfüllt sehen möchte, damit diese zu einer synodalen Kirche wird: mehr Gemeinschaft in der Kirche, mehr Teilhabe am Leben und Wirken der Kirche, und mehr Mission, Evangelisation der Kirche auf allen Ebenen. Und noch eine Bitte formuliert Erzbischof Schick: „Nehmen Sie in der kommenden Zeit das Anliegen synodale Kirche in Ihr persönliches Gebet hinein.“