Kirche
Ludwig Schick gibt Amt als „Außenminister“ ab
Nie fehlte der Besuch von sozialen Brennpunkten, wenn Erzbischof Ludwig Schick in Länder des globalen Südens reiste. Hier steht er an Bettchen von Frühgeborenen in einem Krankenhaus für Arme im Senegal.
Nie fehlte der Besuch von sozialen Brennpunkten, wenn Erzbischof Ludwig Schick in Länder des globalen Südens reiste. Hier steht er an Bettchen von Frühgeborenen in einem Krankenhaus für Arme im Senegal.
Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bamberg – Der Bamberger Erzbischof bewirbt sich nicht mehr für den Vorsitz der „Kommission Weltkirche“.

Seit langem ist er das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland, wenn es um internationale Beziehungen geht. In ungezählten Stellungnahmen hat er Position bezogen zu politischen, sozialen, kirchlichen Ereignissen in aller Welt. Und oft für die deutsche Wohlstandsgesellschaft unbequeme Wahrheiten ausgesprochen sowie Verantwortung für die im Elend lebenden Menschen im globalen Süden angemahnt. Nun will sich Erzbischof Ludwig Schick selbst zurücknehmen: Nach 15 Jahren stellt er sein Amt bei der Neuwahl der Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung. „Aus Altersgründen“, wie er im Exklusivgespräch mit dem Portal Fränkischer Tag sagt.

Noch drei Jahre

Just an seinem 72. Geburtstag am 22. September wählen die Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda einen Nachfolger für den Vorsitz der „Kommission Weltkirche“. „Ungehindert könnte ich gar nicht mehr diese Aufgaben erfüllen, denn die Vorsitzenden aller Kommissionen werden immer für fünf Jahre gewählt“, erklärt Schick. In der römisch-katholischen Kirche müssen alle Bischöfe mit Erreichen des 75. Lebensjahres beim Papst das Rücktrittsgesuch einreichen. Bleiben also noch drei Jahre, in denen der äußerst vitale, sportliche und gesunde Erzbischof Schick seine Kräfte für die Belange seines Erzbistums Bamberg einsetzen will.

Dennoch bleibt er aus Überzeugung und Empathie mit seinen bisherigen Aufgaben als Weltkirche-Bischof verbunden: Als Mitglied der „Kommission Weltkirche“ wird Schick weiterhin den „Auftrag der Kirche, allen Menschen ein Leben in Fülle zu ermöglichen“, wahrnehmen. Denn „Kirche muss sich für die einsetzen, die von politischen Mächten um ihr gutes Leben betrogen werden, wenn es Krieg und Hungersnöte gibt, wenn die Natur und Schöpfung zerstört, wenn Bildungschancen verwehrt werden, wenn Nationalismen, Populismus, Rassismen das Gemeinschaftsleben bedrohen“, betont Schick.

Auch wenn „Erfolg keiner der Namen Gottes ist“, wie er einräumt, ist die Bilanz seiner 15-jährigen Amtszeit beachtlich. Zunächst wissen die Akteure der weltkirchlichen Arbeit wie etwa die Hilfswerke Adveniat, Misereor, Missio, Renovabis, Caritas International sowie die missionierenden Orden oder die Verantwortlichen in den Diözesen, wie sie Schick kompetent und nachhaltig an einen Tisch gebracht hat. Die „Konferenz Weltkirche“ ist eine Institution geworden, die maßgebliche Initiativen auf den Weg brachte, vor allem die „Jahreskonferenz Weltkirche“.

Erzbischof Schick nennt noch ein schlagkräftiges Beispiel: Dass die deutsche Bundesregierung einen Beauftragten für Religionsfreiheit installiert hat, ist ihm und seinen Mitstreitern zu verdanken: „Es ist unser Auftrag als Kirche, uns für bedrängte und verfolgte Christen und überhaupt für alle, die wegen ihres Glaubens, ihrer Einstellung, ihrer Lebensweise bedrängt werden, einzusetzen.“

Arbeit im Hintergrund

Die Hintergrundarbeit als Vorsitzender der „Kommission Weltkirche“ mit einer Fülle an Konferenzen, Struktur- und Finanzdebatten, Tagungen, Gesprächen mit Bundes- und Landespolitikern ist wenig schlagzeilenträchtig. Mehr Öffentlichkeit erfuhr der sprachbegabte Weltkirche-Bischof bei seinen Solidaritätsreisen nach Afrika, Asien, Mittel- und Lateinamerika. Im Laufe der Jahre hat Schick von Hochglanz-Residenzen der Bischöfe oder deutschen Botschafter bis hin zu den entsetzlichsten Slums und sozialen Brennpunkten alles gesehen und erlebt, „was mir einen weiteren Horizont und auch ein offenes Herz geschenkt hat“, sagt er. Durch die Reisen in diese Länder habe er persönlich viel gelernt. Zum Beispiel „eine größere Freude an kleinen Dingen, die vom eigentlichen pekuniären Wert her unbedeutend sind“. Oder den Wert von gewachsenen Beziehungen zu Menschen in aller Welt – trotz oftmals anderer Vorstellungen von Mission, Kirche, Kirchenbildern.

Schicks Begeisterung für die Weltkirche färbt auf sein Erzbistum Bamberg ab. Viele Pfarreien und Verbände pflegen intensive Kontakte zu Partnern auf anderen Kontinenten. Auf Diözesanebene gibt es Partnerschaften mit dem Senegal, mit Cochabamba in Bolivien oder Changanacherry in Kerala/Indien. Ausländische Priester und Ordensschwestern lindern in Bamberg die Personalnot in Pfarrgemeinden und Pflegeheimen: „Ich habe mich immer für sie eingesetzt und mir viel Mühe gegeben, damit sie sich hier wohl fühlen“, erklärt der Erzbischof.

Wer tritt die Nachfolge an?

Welcher Bischof nun am kommenden Mittwoch zum Vorsitzenden der „Kommission Weltkirche“ gewählt wird, ist nach Schicks Worten „völlig offen, es kann Überraschungen geben“. Wer immer auch ernannt wird: Für seinen potenziellen Nachfolger hat er einen wohlmeinenden Rat parat: „Er soll sich erst einmal an seiner Aufgabe freuen, das ist wichtig.“ Dann solle er die weltkirchlich tätigen Akteure in Deutschland zusammenhalten und die Idee der Weltkirche unter den Katholiken präsent halten. Er solle mit vielen Kirchen weltweit persönlichen Kontakt pflegen. Ludwig Schick betont: „Weltkirche ist heilsam für uns alle, sie stärkt das Wir-Bewusstsein und die weltweite Solidarität. Entweder wir retten die Welt, dann retten wir uns, aber wenn wir nur uns retten wollen und die Welt vernachlässigen, dann werden wir selbst auch verloren gehen.“