Namensserie
Feurige Namensgeber
Aus dem Beruf des Schmieds, der einen tierischen Rundum-Service von der Hufeisenherstellung bis zum Beschlagen der Pferde bot, entstand der Name Hufnagel.
Aus dem Beruf des Schmieds, der einen tierischen Rundum-Service von der Hufeisenherstellung bis zum Beschlagen der Pferde bot, entstand der Name Hufnagel.
Foto: Archiv
Bamberg – Warum der Schmied Schmied heißt, ist leicht zu erklären. Aber wie kam es zum Schmitt, Hufnagel, Zang, Zahner – und Penner?

Kein zweiter Name ist so wandelbar wie der, der auf den Beruf des Schmieds zurückgeht. Gold, Silber, Kupfer und Messing als Werkstoff. Kessel, Huf, Nagel, Sense und die eine oder andere Waffe als Erzeugnis. Der Schmied war vielseitig. Auch bei seiner Schreibweise.

Wo sich der „normale“ Schmidt deutschlandweit verbreitete, bürgerte sich im Süden vorrangig der Schmid oder Schmied, im Rhein-Main-Gebiet der Schmitt und an der Grenze nach Frankreich der Schmitz ein. Entstanden aus der jeweiligen Aussprache oder beim Schmitz danach, ob es mehrere mit dem gleichen Beruf in der Sippe gab.

Und wie war das bei Dopplungen wie Schmittschmitt? Die Einträge zu Schmittschmitt kommen vorwiegend im PLZ-Bereich 961 Hirschaid vor. Auch nur dort und sonst nirgends: Schmittbüttner. Die Erklärung im Deutschen Familiennamenatlas: Wenn jemand oder ein Hausstand zwei Berufe ausübte, wurde das so zusammengefasst, typisch und häufiger: Bauernschmitt rund um Forchheim und genau andersherum Schmidtbauer im Bayerischen Wald.

Aus dem kleinen Schmied wird in Franken ein Schmidtlein.
Aus dem kleinen Schmied wird in Franken ein Schmidtlein.
Foto: www.geogen.stoepel.net (2)

Zumindest bei Schmittschmitt wäre die Dopplung jedoch nicht notwendig gewesen. Die markant auffällige Häufung von Schmittbüttner und Schmittschmitt rund um Hirschaid lässt sich auch so erklären: Es gab vermutlich einen Schmitt in der Umgebung von Hirschaid. Seine Söhne bekamen zur besseren Unterscheidung den Beruf des Vaters und den eigenen als Namen verpasst. Der eine wurde so zum doppelten Schmitt und der andere zum Schmittbüttner. Ein wirklich lokales Phänomen.

Autor Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung.
Autor Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung.
Foto: Ultsch

Im Fränkischen ist der Schmidtlein häufig vertreten. Die Endung -lein als Verniedlichung erhält später noch ein separates Kapitel und wird dort genauer beleuchtet. Interessant auf jeden Fall: Ein solcher Schmidtlein wird am 21. Januar 1585 in der Nähe von Schwabach geboren. Sein Vater wurde im Kirchenbucheintrag noch „Schmiedlein“ geschrieben – so kann man einen wenn auch nur kleinen Namenswandel noch heute nachvollziehen.

„So heißt Franken“ ist das Logo unserer Namensserie.
„So heißt Franken“ ist das Logo unserer Namensserie.
Foto: mgo

Übrigens: Mit den Einträgen der Pfarrer gehen gar nicht selten Verständnisprobleme einher. So dass die Geistlichen gelegentlich Namen notierten, die quasi wie bei einer Stillen Post über die Jahrzehnte verändert wurden und manchmal am Ende etwas ganz Anderes herauskam. So gibt es trotz einer Vielzahl von Veröffentlichungen zu diesem Thema und gar eines Lehrstuhls für Onomastik (Namenskunde) trotzdem noch einige Tausend Namen, bei denen keiner auf einen grünen Zweig kommt, was jene überhaupt bedeuten sollen.

So ein Penner!

Doch zurück zu den Schmieden: Der Familienname Hufnagel hat seinen Schwerpunkt in den Landkreisen Ansbach und Neustadt/Aisch – Bad Windsheim. Hier handelt es sich zweifelsfrei um einen Schmied, der sich um die Herstellung des Hufeisens und Hufnagels selbst, das Beschlagen des Pferdes und meist auch um die Behandlung verletzter oder kranker Hufe kümmerte. Eine Art Rundumservice. Der Name war bereits zu Zeiten des 30-jährigen Krieges in Ansbach weit verbreitet. Ein Simon Hufnagel heiratete 1557 in Lehrberg nördlich von Ansbach, 1585 ein Georg Hufnagel in Feuchtwangen. Und 1586 wird im kleinen Hohenau bei Oberdachstetten ein Michael Hufnagel, Sohn des Hans, getauft. Südöstlich von Ansbach bis tief ins Bayerische taucht übrigens die Schreibweise Hufnagl gehäuft auf.

Hier ist der Name Hufnagel beliebt.
Hier ist der Name Hufnagel beliebt.
Foto: www.geogen.stoepel.net (2)

Der Scharnagel wiederum ist in Bayreuth am häufigsten vertreten. Er stellte spezielle Metallstifte zur Befestigung von Dachschindeln auf Schrägdächern her.

Und beim Zang, hier hebt sich der Landkreis Aschaffenburg bei der Namensverteilung deutlich ab, ist der Weg zum Zangenschmied nicht weit. Beim Metz gibt es die meisten deutschlandweit in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Ursprung dieses Namens ist das mittelhochdeutsche Wort metze für das Messer.

Recht logisch ist der Nachname Pfannes, von dem ein Drittel deutschlandweit im Landkreis Kitzingen lebt. Ursprung für ihn war das Wort panne für ein flach vertieftes Metallgeschirr – daraus wurde später die heute allseits bekannte Pfanne.

Gleiche Grundlage: Der Penner! Nein, hier ist kein Obdachloser gemeint, der despektierlich so genannt wird. Dieser Nachname ist niederdeutsch und leitet sich vom „Pfänner“ ab. Die Betreiber beziehungsweise Besitzer von solchen sehr großen Salzsiedepfannen, um die es hier ging, arbeiteten schon im Mittelalter im Schichtdienst, um den Siedeprozess ununterbrochen zu gewährleisten. So kann auch der Pfannes nicht nur der Hersteller, sondern auch der gewesen sein, der sich ob des Besitzes einer Pfanne von den anderen unterschied.

Georg Schmittschmitt hat wegen seines „doppelten Nachnamens“ schon viele unvergessliche Begebenheiten erlebt.
Georg Schmittschmitt hat wegen seines „doppelten Nachnamens“ schon viele unvergessliche Begebenheiten erlebt.
Foto: Schmittschmitt

Überraschend wiederum ist der Nachname Zahner. Ihn gibt es zahlreich im Landkreis Ansbach. Dieser soll auf eine fränkische Dialektform von Zeiner zurückgehen. Für diesen Berufsnamen stand das Wort zeinen für schmieden Pate. Das Erzeugnis, ein Stabeisen, wurde zu Draht und Nägeln weiterverarbeitet. Hier existiert am Obermain jedoch eine andere Grundlage: Zeine für den Korb und zeinen für den, der das Korbflechten zu seiner Passion gemacht hatte. Je nach Region gab es hier unterschiedliche Auslegungen.

Aus Wilhelm wurde Williams

Beim Schmied lohnt sich noch ein Blick aus der fränkischen Heimat hinaus in die große weite Welt: Kennen Sie die Automarke Ferrari? Oder jemanden mit dem Nachnamen Demirci (türkisch), Kovac (slawisch), Kusnezow (russisch), Herrero (spanisch), Ferreira (portugiesisch), Faber (lateinisch) oder Favre im Französischen? Den Kowalski in Polen nicht zu vergessen. All diese Namen haben die gleiche Bedeutung – sie gehen ebenfalls auf den Beruf des Schmieds zurück. Ein Schmidt, der einen knallroten Sportwagen mit aufbäumendem Pferd fährt – somit doch eigentlich eine folgerichtige Kombination, oder?

Hier heißt man gern Scharnagel.
Hier heißt man gern Scharnagel.
Foto: www.geogen.stoepel.net (2)

Die Namensforschung ist, ein sehr interessanter Aspekt noch zum Ende, ein bisschen mit einem Autokauf zu vergleichen – es gibt sozusagen Reimporte. Da wanderte die Familie Schmidt einst Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus, ein Spross wurde später auf eine amerikanische Air-Base im schönen Deutschland versetzt und verliebte sich dort in ein einheimisches „Madel“. Der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Quasi zurück zu den Wurzeln – nur der Name hatte sich geändert. Aus Schmidt wurde Smith. Wie aus Wilhelm Williams wurde, aus Müller Miller oder aus Braun Brown.

Hier ist der Name Zahner verbreitet.
Hier ist der Name Zahner verbreitet.
Foto: www.geogen.stoepel.net (2)

Der doppelte Schmitt Georg Schmittschmitt (66) ist viel in der Welt herumgekommen. Seit 37 Jahren fährt er Bus. Der Reiseunternehmer aus Scheßlitz-Schweisdorf, der zugleich Landwirtschafts- und Metzgermeister ist, hat wegen seines seltenen Namens allerhand erlebt. „Ich bin über 100-mal nach Rom gefahren, über 50-mal nach Paris und mehrmals ans Nordkap. Wenn ich mich im Bus vorgestellt habe, dachten viele, ich hätte einen Sprachhänger. Das war schon lustig, muss ich sagen. Einmal, beim Durchzählen nach der Pause, hat ein Gast mich nicht gesehen und gesagt: ’Der Stotterer fehlt noch!’“, erzählt Schmittschmitt grinsend.

Seinen Bruder, der in Bamberg aufs Gymnasium ging, hätten die Mitschüler immer Quadratschmitt oder „Schmitt hoch 2“ genannt. Georg Schmittschmitt selbst sei als Bundeswehrsoldat in der Grundausbildung in Ebern stets von allen Seiten gegrüßt worden, auch wenn er die anderen selbst überhaupt nicht kannte – „weil man sich meinen Namen halt leicht merken kann“. Dieser Vorteil sei auch deutlich geworden, als er einmal in einem Hotel in Südfrankreich eincheckte: „Da hat der Portier zu mir gesagt: ’Sie waren schon mal da!’. Ich war völlig verdutzt, weil das zehn, 15 Jahre vorher gewesen war.“

In Israel, auf dem Flughafen, seien dagegen plötzlich die Glastüren vor und hinter ihm geschlossen und er eingesperrt worden. „Die haben ganz komisch in meinen Pass geguckt und mich erst nach einer ganzen Weile wieder rausgelassen.“ Oft werde er auch heute noch gefragt, ob er vielleicht eine Frau geheiratet habe, die wie er Schmitt geheißen habe. „Nein“, sagt Georg Schmittschmitt dann. „Ich heiße schon seit meiner Geburt so. Und mittlerweile bin ich auf den seltenen Namen sogar ein bisschen stolz.“ (df)

Aus dem Beruf des Schmieds, der einen tierischen Rundum-Service von der Hufeisenherstellung bis zum Beschlagen der Pferde bot, entstand der Name Hufnagel.
Aus dem Beruf des Schmieds, der einen tierischen Rundum-Service von der Hufeisenherstellung bis zum Beschlagen der Pferde bot, entstand der Name Hufnagel.
Foto: Archiv