Bruderwald
Bambergs wildes Naturparadies
Umgestürzte Bäume verweisen auf die wilde Waldnatur im Bamberger Bruderwald .
Umgestürzte Bäume verweisen auf die wilde Waldnatur im Bamberger Bruderwald .
Foto: Horst Lange
F-Signet von Horst Lange Fränkischer Tag
Bamberg – Der Bruderwald ist eine der „grünen Lungen“ der Stadt Bamberg.

Ein gutes Dutzend von Wald- und Naturliebhabern waren der Einladung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefolgt, um den Naturwald mit all seinen Facetten fast direkt vor der Haustür kennen zu lernen.

Vertreten wurde das Amt durch Forstdirektor Gregor Schießl und Stefan Keilholz, Forstbetriebsleiter des Forstbetriebes Forchheim, mit Unterstützung des Forstreferendars Marian Walldorf.

Paradies für Mountainbiker

Drei Stunden längst nicht nur auf breiten Waldwegen, sondern auch sprichwörtlich über Stock und Stein, erkundeten die Waldwanderer den Bruderwald. Der Wald verbindet die Stadt mit den umliegenden Ortschaften Pettstadt, Waizendorf und Höfen und ist ein Paradies für Mountainbiker und andere Outdoorfans.

Der Name Bruderwald geht laut einer Pressemitteilung vermutlich darauf zurück, dass das Waldstück im Mittelalter der katholischen Kirche in Bamberg gehörte. Ursprünglich war es Teil des Besitzes der Templer in der Region. Mit der Verfolgung des Templerordens durch die katholische Kirche im frühen 14. Jahrhundert ging der Bruderwald jedoch in die Ländereien des Bamberger Domkapitels über.

Der Wald gehört zu großen Teilen dem Freistaat

Im Rahmen der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts eignete sich schließlich das Königreich Bayern alle kirchlichen Besitzungen in seinem Einflussbereich an. So geriet auch der Bruderwald in staatliche Obhut. Heute gehört der Wald zu großen Teilen dem Freistaat Bayern und in weitaus geringerem Maß der Stadt Bamberg.

Waldarbeiten in dem Gebiet erfolgen durch das Unternehmen „Bayrischer Staatsforst“, das gesetzlich zu einer schonenden und naturnahen Bewirtschaftung verpflichtet ist.

500 Hektar groß ist der Bruderwald. Rund 17 Prozent davon sind Naturwälder, die aus der Bewirtschaftung genommen wurden, erklärte Gregor Schießl den Natur- und Waldliebhabern. Naturwälder erfüllten den Wunsch nach wilder Waldnatur und nach ungestörten, artenreichen Wäldern.

Wald als Rückzugsort für Tiere und als Wirtschaftsfaktor

Sie gehörten zu naturnäheren Lebensräumen und seien Rückzugsort für eine Vielzahl von Tieren, Pflanzen und Pilzen. Ziel sei es, so die Wald-Fachleute, den Wald zu schützen, Holz als Wirtschaftsfaktor bereit zu stellen, aber auch Naherholungsziel zu sein.

Bedingt durch den Klimawandel mit stetig steigenden Temperaturen seien die Wälder in unseren Breiten einem stetigen Wandel unterworfen. Der Borkenkäfer mache dem Fichtenbestand, aber auch altehrwürdigen Eichen, zu schaffen,

Vielfältige Waldgesellschaften

Kahlflächen seien die Folge, die jedoch sämtlich zeitnah wieder aufgeforstet würden. Auch Ulmen seien im Bruderwald ausgestorben und Eschen hochgradig gefährdet, so dass es, so die Forstmänner, wegen unvermittelt umstürzender Bäume nicht immer ungefährlich sei, durch diese Bereiche zu wandern oder Pilze zu suchen.

Ziel sei es, vielfältige Waldgesellschaften zu schaffen. Hier helfe sich die Natur selbst, aber auch Baumschulen seien Lieferanten von Bäumen, die besser an die geänderten klimatischen Bedingungen angepasst sind. Die Elsbeere, Douglasien, die Roteiche, die Edelkastanie oder Zedern, die eher ihren Ursprung in Südeuropa haben, sind hier die neuen Hoffnungsträger.

Exemplarisch für ein Naturwaldreservat stellte Marian Walldorf die „Wolfsruhe“ vor, die seit 45 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. Totholz bleibt liegen und bietet so Lebensraum für Insekten, den Hirschkäfer, Fledermäuse oder den Specht.

Um ein gutes Einvernehmen sei man mit den Freunden der Jagd bemüht. Natürlich müsse man auf einen umwelt- und naturverträglichen Bestand von Reh- und Schwarzwild achten, denn vor allem Rehe neigten dazu, frisch gesetzte Baumschulkulturen, die ohnehin durch Hitzesommer übermäßig gebeutelt seien, durch Verbiss ein frühes Ende zu bereiten.

Ein zweischneidiges Schwert sei auch der zunehmende Verbrauch von Brennholz, verringere dieser andererseits aber auch den Ausstoß von Emissionen durch Öl oder Gas. Zudem sei Holz ein nachwachsender Rohstoff, wachse doch alleine im Freistaat Bayern, so die Fachleute, pro Sekunde ein Kubikmeter Holz.

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