Verkehr
Radfahrer-Demo gegen Autos und Corona-Leugner
Rund 50 Teilnehmer zählte die Fahrraddemo, die durch die Stadt fuhr und sich dann am Bahnhof versammelte.
Rund 50 Teilnehmer zählte die Fahrraddemo, die durch die Stadt fuhr und sich dann am Bahnhof versammelte.
Foto: jum
Bamberg – Sie zeigten klare Kante gegen Stay Awake und SUV-Fahrer.

„Straßen können so vielfältig genutzt werden – als Begegnungsfläche, offene Kulturbühnen, Ort für Grünes.“ Das findet Sebastian Gross, der am Gabelmann ins Mikro spricht. Der Vertreter der Naturfreunde Jugend in Bamberg spricht zu rund 50 Menschen, welche zuvor mit dem Rad vom Bahnhofsvorplatz, über Nürnberger Straße und Wunderburg mit einem Schlenker um die Innenstadt hierhergefahren sind. Unter dem Motto „Unser Verkehr – mit Austausch! Unsere Stadt – ohne Verschwörungsmythen!“ haben die Klimaaktivisten von Students for Future aufgerufen. Mit Musikbox auf dem Lastenrad am letzten Freitag des Monats quer durch die Stadt zu radeln erinnert an die jahrelange Tradition der „Critical Mass“-Fahrradkonvois.

Verkehrsentwicklungsplan als Chance

„Warum findet im öffentlichen Raum nicht öffentliches Leben statt?“ fragt Gross die Zuhörer. Der Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ habe dazu geführt, dass in Städten nur noch Platz sei für „abstellbare bereifte Sofakisten“. Er fordert, sich als mutige und gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer einzumischen: „Das Beteiligungsverfahren zum Verkehrsentwicklungsplan ist unsere Chance, den Straßenraum neu einzuteilen.“ Die sei eine Möglichkeit, grundlegende Änderungen für die Verkehrswende umsetzen. Gemeint ist das Beteiligungsverfahren, welches noch bis 15. Juli auf der städtischen Website bamberg-gestalten.de und analog möglich ist, um den Verkehrsentwicklungsplan 2030 weiterzuschreiben.

Mehr Klimaschutz gefordert

„Klimaschutz ist der Schutz der Grundrechte der jungen Generation“, betont Luise Müller vom Bamberger Klimaschutzbündnis, welches von rund 30 Organisationen in der Stadt und im Landkreis getragen wird. Städte und Landkreise spielten eine wichtige Rolle bei der Klimaneutralität, da hier vor Ort mittels kluger Stadt- und Verkehrsplanung, abfallarmer Kreislaufwirtschaft und mehr Grün Abhilfe geschaffen werden könne. „Die Stadt Bamberg muss die Beschlüsse aus der Klimasondersitzung umsetzen“, fordert Müller ein. Klimaschutz sei keine rein freiwillige Leistung mehr, wie das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimagesetz gezeigt habe.

Demonstrantin: „Corona-Leugner verpesten die Luft“

„Stay Awake als Bewegung des kleinbürglichen Selbstmitleids verpestet diese Woche bereits zum 13. Mal die Luft mit ihren Autokorsos“, hält Leonie Ackermann fest. Die Coronamaßnahmengegner stünden schon immer auf Kriegsfuß mit der Klimabewegung, da sie hinter der Pandemie eine Verschwörung sähen, dass damit durch die Hintertür Klimaschutz durchgesetzt werden solle. „Am Ende ist es ein Kampf um Privilegien, weil sie fürchten, dass man ihnen ihre SUVs wegnimmt“, meint die Vorsitzende des AStA Bamberg. Es sei wichtig, klare Kante gegen Verschwörungsgläubige und Coronaleugner zu zeigen.

„Wenn alle Menschen so leben würden wie in Deutschland, bräuchten wir drei Erden“, betont die Klimaaktivistin Lena von Students for Future. Der sogenannte Earth Oveshoot Day, an welchem die Erneuerungsfähigkeit der Ressourcen erreicht ist, wurde dieses Jahr bereits am 5. Mai überschritten – wesentlich vor dem 22. August vergangenes Jahr. Der Verkehrsentwicklungsplan sei die Möglichkeit, einen attraktiveren und inklusiveren ÖPNV anzustoßen. „Zeigen wir, dass ein gutes und umweltfreundliches Leben machbar ist – Mit Spaß und Mobilität!“ ruft die Aktivistin den Menschen zu.