Früher Krebstod
Weltreise und Hilfsprojekt: So lebt Anja weiter
Im Herzen und als Bild auf dem Handy ist Anja immer dabei. Die drei Freunde Andreas Reich, Nicole Filip und Sebastian Keilholz aus Bamberg wollen Anjas Wunsch verwirklichen und Waisenkindern in Afrika Zukunftsperspektiven geben.
Im Herzen und als Bild auf dem Handy ist Anja immer dabei. Die drei Freunde Andreas Reich, Nicole Filip und Sebastian Keilholz aus Bamberg wollen Anjas Wunsch verwirklichen und Waisenkindern in Afrika Zukunftsperspektiven geben.
Foto: Diana Fuchs
Bamberg – Die Bambergerin Anjamani Reich starb mit nur 28 Jahren an Krebs. Ihren Traum von einer Weltreise will sich ihr Mann erfüllen - und dabei Gutes tun.

Glänzende dunkle Augen, immer ein Lächeln auf den Lippen und ein riesengroßes Herz für Menschen, Tiere und die Natur. So beschreiben Freunde die Bambergerin Anjamani (genannt Anja) Reich. Sie starb Ende Mai mit 28 Jahren.

Das, was sie hier auf der Welt ausmachte, soll weiterleben: ihre Offenheit, ihre Fürsorge für ihre Mitmenschen – und vor allem ihre Liebe. Mit dieser Botschaft will ihr Mann Andreas Reich auf eine Fahrrad-Weltreise gehen.

Traum von Weltreise platzt

Das Ziel des 31-jährigen Bambergers: Menschen inspirieren und Gutes tun, Geld sammeln für ein Herzensprojekt, das durch Anjas Werte, Träume und Wünsche entstanden ist. Waisenkinder in Gambia sollen dauerhaft ein Zuhause bekommen.

„Wir hatten geplant, zusammen auf Weltreise zu gehen“, berichtet Andreas Reich. Das war, nachdem Anja der Diagnose „aggressiver Brustkrebs, Stadium 3“ zum ersten Mal die Stirn geboten, Chemotherapie und Bestrahlung durchgestanden hatte. „Wir waren überglücklich, dass die Behandlung angeschlagen hatte.“

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Andi, wie Anja ihn nannte, kündigte Ende 2019 seinen Job als Anwendungstechniker für computergesteuerte Maschinen. Doch anstatt mit seiner Freundin Indien, Indonesien und Thailand – die Heimat von Anjas Mutter – zu erkunden, musste Andi miterleben, wie der Krebs mit Macht zurückkam.

Hochzeit am Krankenbett

Andi heiratete seine Anja quasi am Krankenbett. Er pflegte sie. Er hoffte und betete. Er begleitete sie Tag für Tag – bis auf die Palliativstation. Am 28. Mai 2021 schlief Anja friedlich ein, „mit einem Lächeln auf den Lippen“.

„Anja hat uns alle gelehrt, dass es nicht darauf ankommt, wie lange man lebt. Viel wichtiger ist es, wie man sein Leben lebt.“ Wenn Nicole Filip über ihre Freundin spricht, wird klar: Anjas Schicksal und wie sie damit umging, hinterließ Spuren. „Ich habe nie einen positiveren Menschen gekannt als Anja“, sagt Nicole Filip. „Sie hat mein Leben verändert.“

21 Kinder von der Straße geholt

Die Event- und Marketingmanagerin aus Bamberg kündigte ebenfalls ihren Job. Gemeinsam mit Anjas Mann Andi Reich und dessen gutem Freund Sebastian Keilholz will sie im September nach Gambia an der Ostküste Afrikas fliegen und im Armenviertel von Sukuta Village (Banjul) einen gemeinnützigen Verein gründen.

Dort in Sukuta Village hat der Einheimische Wulla mit Unterstützung seiner Schwester 21 Kinder von der Straße geholt. Die beiden geben ihnen ein Zuhause und bringen ihnen Englisch bei, damit sie eine Zukunftsperspektive haben.

Der Einheimische Wulla gibt derzeit in Gambia (Banjul) 21 Straßenkindern ein Zuhause. Drei Freunde aus Bamberg wollen sein Projekt langfristig sichern.
Der Einheimische Wulla gibt derzeit in Gambia (Banjul) 21 Straßenkindern ein Zuhause. Drei Freunde aus Bamberg wollen sein Projekt langfristig sichern.
Foto: Sebastian Keilholz

Wulla steht in engem Kontakt zu Sebastian Keilholz, der bereits jahrelange Erfahrung in Sachen „Hilfe zur Selbsthilfe“ hat. Als Projektleiter der gemeinnützingen Organisation „Project Wings“ koordiniert er auf Sumatra den Bau des größten Recyclingdorfs der Welt.

"Find a way, not an excuse"

Damit Wulla in Gambia das Haus, in dem er mit den Kindern lebt, auch in der Coronazeit halten konnte, schickte Sebastian Keilholz ihm monatlich privat Geld. „Aber nur Geld zu senden, ist natürlich nicht nachhaltig“, weiß der Bamberger. Nun will er mit Andi und Nicole ein Waisenhaus-Konzept umsetzen, das Bildung und Selbstversorgung einschließt.

Die drei Freunde wollen sich im September zunächst ein Bild von den konkreten Lebensumständen vor Ort verschaffen, die Kinder und ihre Bedürfnisse kennenlernen. „Dann arbeiten wir von A bis Z einen Plan aus, wie wir am besten helfen können, eine nachhaltige Zukunft für die Kinder aufzubauen.“

Das Motto von Projekt Wings ist auch ihr Motto: „Find a way, not an excuse“ – Finde einen Weg, keine Entschuldigung. „Uns ist klar, dass einige Herausforderungen vor uns liegen. Aber wenn wir jetzt nicht aus der Komfortzone herausgehen, wann dann?“, fragt Andi Reich. „Wir möchten der Welt etwas zurückgeben.“

Fahrrad-Weltreise für Spenden

Um genügend Geld für das Gambia-Projekt aufzutreiben, plant Reich, im kommenden Frühjahr zu einer Fahrrad-Weltreise aufzubrechen: Von Deutschland will er nach Thailand strampeln, 9.000 Kilometer Luftlinie, und dabei Spenden sammeln.

Grob 9.000 Kilometer Luftlinie sind es von Bamberg nach Bangkok.
Grob 9.000 Kilometer Luftlinie sind es von Bamberg nach Bangkok.
Foto: Reich

„Als ich Anja gepflegt habe, habe ich mich sehr weiterentwickelt“, sagt er. „Ich weiß, dass ich für jedes Problem auf der Reise eine Lösung finden werde. Und Anja wird bei mir sein.“ Am Ende will er nicht nur ihren Tod besser verarbeitet haben, sondern auch ein Projekt fürs Leben finanzieren.

An irgendeine Wand im Waisenhaus wird Andi vielleicht den Spruch schreiben, den er auf Anjas Trauerbildchen drucken ließ: „Die Liebe ist stärker als der Tod, durch die Liebe bleibt das Leben bestehen.“

Gebäude aus Plastikmüll

Ein Kompostierhaus, ein Sanitärgebäude, ein Green Education Center – diese Gebäude haben Menschen aus Plastikmüll gebaut. Damit realisiert sich die Vision der vier Gründerinnen und Gründer der gemeinnützigen Organisation „Project Wings“ (project-wings.de), auf der indonesischen Insel Sumatra das größte Recyclingdorf der Welt zu bauen.

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Sie haben mittlerweile prominente Schirmherren: die Band Culcha Candela, Schauspieler Jonathan Elias Weiske, Fußballer René Adler und Lilli Hollunder. Bis Jahresende sollen 250.000 kg Plastikmüll aus der Natur entfernt worden sein.

„Project Wings“ unterstützt auch das Gambia-Projekt der drei Bamberger Sebastian Keilholz, Nicole Filip und Andreas Reich – und stellt gerne Kontakt zu den Dreien her: info@project-wings.de. „Vielleicht findet sich ja zum Beispiel ein Radladen, der mich bei der Weltreise fördert“, sagt Reich.