Lockerungen
So lebt Bamberg wieder auf
Warmes Frühlingswetter und Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben am Wochenende zahlreiche Besucher in die Innenstadt gelockt.
Warmes Frühlingswetter und Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben am Wochenende zahlreiche Besucher in die Innenstadt gelockt.
Foto: Ronald Rinklef
Bamberg – Sonne und Lockerungen der Hygienebestimmungen in der Pandemie trieben Einheimische und Touristen am Wochenende in die Stadt.

Die fröhliche Gruppe vor der Tourist-Information an der Geyerswörthstraße hat sich darin soeben mit Stadtplänen und weiteren Materialien eingedeckt. Ihre Sprachfärbung weist Andreas L., Claudia F., Andrea und Steffen S., Peter und Ute R. unverkennbar als Sachsen aus. Was treibt sie aus dem schönen Dresden und der Oberlausitz an diesem Wochenende ins entfernte Bamberg? „Wir haben geschaut, wo die niedrigsten Inzidenzen sind, da war uns kein Weg zu weit!“ lacht Andreas auf. Seine Freunde fügen schnell hinzu, dass sie schon im vergangenen Jahr das Welterbe Bamberg besuchen wollten. Doch „wegen Corona haben wir das verschoben“, sagt Claudia.

Altstadt, Bier und Sonne

Die Sechs wollen zunächst die Altstadt auf eigene Faust erkunden, natürlich das legendäre Bamberger Bier probieren und sich einfach treiben lassen. Für den Sonntag haben die Touristen eine klassische Stadtführung gebucht, „um unsere Eindrücke zu vertiefen“, erzählen sie, die von Freitag bis Montag in einem Hotel eingecheckt haben.

Bamberg lebt wieder auf an diesem Wochenende, an dem die Sonne Regenwolken vertreibt und eine deutlich gesunkene Inzidenzzahl Lockerungen der coronabedingten Hygienevorschriften mit sich bringt. „Es bewegt sich was, es sind schon Touristen da aus ganz Deutschland, aus Österreich, Italien, der Schweiz“, freuen sich die Mitarbeiter im Tourismus- & Kongress-Service. Auch die verschiedenen Stadt- und Themenführungen laufen wieder. Und tatsächlich sind an den Highlights der Innenstadt inklusive Domplatz kleine Grüppchen zu sehen, die sich von sachkundigen Führern die Besonderheiten des Welterbes nahe bringen lassen.

Die Wirte und Händler freut’s

Doch bei Weitem nicht nur Fremde bevölkern Bamberg. Gerade die Einheimischen lockt es nach draußen, in den Hain, in den Erba-Park, in die Fußgängerzone mit ihren Geschäften und Marktständen. Die Meisten sind ohne Maske unterwegs: „Ich bin erleichtert, dass ich die nicht mehr brauche beim Laufen“, freut sich etwa die Bambergerin Regina Paul über eine zurückgewonnene Freiheit. Ihre Begleiterin Stefanie Schröder dagegen bleibt skeptisch: „Im großen Gedränge fühle ich mich ohne Maske unwohl“, bekennt sie und setzt flugs wieder ihr FFP2-Stück auf.

Ja, es herrscht Gedränge. Die Außengastronomie an der Oberen Brücke, am Katzenberg, in der Austraße, am Grünen Markt boomt. Mit Mühe ergattern Hungrige und Durstige einen freien Platz. Die Wirte freut’s, das Servicepersonal ächzt unter der Maske, die es weiterhin tragen muss.

Die Lockerungen der Corona Maßnahmen sind auch in den Kassen der städtischen Händler spürbar: „Sowohl der Wegfall der Test- als auch der Terminpflicht hat die Frequenz, insbesondere mit steigenden Temperaturen, deutlich verbessert“, erklärt Stadtmarketing-Chef Klaus Stieringer auf Anfrage, der den ganzen Samstag über engen Kontakt zu den Geschäftsleuten sucht. Der Wegfall der Maskenpflicht in der Stadt habe dazu beigetragen, dass die Menschen wieder in ihre Innenstadt, zu ihren Händlern ziehen, so Stieringer. Und: „Jetzt entscheiden die Menschen mit ihrem ganz persönlichen Kaufverhalten darüber, wie die Händler der Innenstadt diese existenzbedrohende Situation meistern werden.“ Nach den schwierigen und dunklen Pandemiezeiten wachse jedoch die Hoffnung, dass sich die Innenstadt wieder erhole.

Nur wenige gehen in die Museen

Noch verhalten ist der Zulauf in die verschiedenen Museen der Stadt. Trotz aller bisherigen lauten Rufe nach einer „Öffnung der Kultureinrichtungen“ bleiben die Besucherzahlen erst einmal überschaubar, wie der Rundgang von der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus zu den Domberg-Museen mit ihren Sonderausstellungen ergibt. Erweisen sich die Bamberger doch mehr als heimliche Kulturbanausen? Denn die Listen, auf denen sich Museumsbesucher registrieren müssen, weisen weit überwiegend Wohnadressen außerhalb Bambergs auf.

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