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Coburger hortete tausende Kinderpornos
Bei dem Coburger (links) wurden über 5000 Fotos und Videos mit Kinderpornos gefunden. Er selbst habe aber keine solche Neigung, sagt er.
Bei dem Coburger (links) wurden über 5000 Fotos und Videos mit Kinderpornos gefunden. Er selbst habe aber keine solche Neigung, sagt er.
Foto: Johanna Heller
Coburg – Über 5000 einschlägige Fotos und Videos wurden bei einem 38-Jährigen gefunden. Der behauptet, dass ihm die meisten Dateien gar nicht gehören.

Das Internet vergisst nie, sagt man. Das wurde einem 38-Jährigen am Amtsgericht Coburg zum Verhängnis - auch wenn die Tat, für die er nun belangt wird, mitunter schon über vier Jahre zurückliegt.

Videos auch verbreitet

Der Angeklagte blickt fast demütig, mit verschränkten Armen vor sich auf den Tisch, während der Staatsanwalt fast fünf Minuten lang detailreiche Beschreibungen der über 5000 Bilder und Videos vorliest, die auf zwei externen Festplatten und auf dem Handy des Coburgers gefunden wurden.

Fast ausschließlich handelt es sich um etwa zehn- bis zwölfjährige Mädchen, deren Genitalbereiche offen zur Schau gestellt sind. Oraler, vaginaler und analer Geschlechtsverkehr und das Manipulieren an den Geschlechtsteilen der Kinder wurden gefilmt, fotografiert und dann ins Internet gestellt. Der 38-Jährige soll nicht nur Kinderpornos besessen, sondern auch selbst verbreitet haben.

Flucht auf auf Porno-Seiten

Der Angeklagte nimmt zu den schweren Vorwürfen umfassend Stellung: Nachdem die Beziehung mit seiner damaligen Freundin in die Brüche ging, verfiel er, nach eigenen Angaben, in eine Art Depression. Er flüchtete sich auf Porno-Seiten im Internet, wo er auch in Berührung mit kinderpornografischen Inhalten kam. Diese haben dem Angeklagten so sehr zugesagt, dass er sogar selbst ein Foto mit kinderpornografischem Inhalt auf das Portal hochlud und somit anderen Nutzern zugänglich machte.

5000 Bilder und Videos

Zeitgleich haben damals Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes etliche einschlägige Chatforen überprüft, wobei sie auf die IP-Adresse des Coburgers gestoßen sind und diese an die Kriminalpolizei in Coburg weitergeleitet haben. Bei einer Hausdurchsuchung stellen die Beamten das Handy des Beschuldigten und zwei Festplatten sicher, auf denen sich insgesamt mehr als 5000 Bilder und Videos mit Kinderpornografie befanden.

Der zuständige Ermittler sagt aus, dass die Bandbreite vom "bloßen" Zurschaustellen der Genitalien über Missbrauch, Vergewaltigung bis hin zu diversen perversen Sexualpraktiken alles umfasst hat.

"Vergessen, sie zu löschen"

Die Festplatten, so der Angeklagte , gehören jedoch ihm nicht, sondern einem Bekannten seiner Schwester. Nachdem die Männer festgestellt hatten, dass sie beide von kinderpornografischen Inhalten angezogen werden, hätten sie nicht nur Videos und Fotos ausgetauscht: Als der Speicherplatz knapp wurde, lieh der gesondert verfolgte Freund dem 38-Jährigen zwei Festplatten, auf denen er die Dateien abspeichern konnte.

Erst beim Überspielen habe der Angeklagte bemerkt, dass sich auf den Festplatten bereits Kinderpornos befunden haben. Nach ein paar Monaten habe er das Interesse ohnehin schon wieder verloren - die Festplatten seien in Vergessenheit geraten: "Ich habe ehrlich gesagt nicht mehr daran gedacht, die Bilder zu löschen."

Das kauft ihm der Staatsanwaltschaft jedoch nur bedingt ab, merkt an: "Wenn man sich hätte distanzieren wollen, hätte man das zwei Jahre, nachdem die Triebe nachgelassen haben, beseitigen können."

Haft- und Geldstrafe

Dass das Gesetz, dass den Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischen Schriften bestraft, erst im März 2021 verschärft wurde, kommt ihm zugute. Das Strafmaß wird in diesem Fall noch nach altem Gesetz bemessen. Da der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist, geständig war und bereits bei der Fachambulanz für Sexualstraftäter nach Hilfe gefragt hat, wird die Haftstrafe - ein Jahr und sechs Monate - zur Bewährung ausgesetzt.

Zusätzlich muss er eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro zahlen und sich für die Dauer der Bewährungszeit in psychologische Behandlung begeben. Außerdem wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

In seinem letzten Wort gab der Coburger an, den Besitz der Kinderpornos inzwischen zu bereuen. "Es hat mich geschockt, was ich auf den Festplatten gesehen habe." Als ihm klar wurde, dass hinter jedem Bild und jedem Video ein tatsächlicher Missbrauch steckt, sei er so geschockt gewesen, dass er das nicht mehr habe sehen wollen. Das greift die Richterin in ihrem Urteil auf: "Sie haben es selbst gesagt: Das auf den Bildern sind echte Menschen." So lange es Menschen gibt, die sich Kinderpornografie ansehen, werde es auch solche geben, die Kinder missbrauchen.

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