Bundestagswahl 2021
Jonas Geissler: Keine Angst vor großen Fußstapfen
Jonas Geissler am Spenglersbrunnen auf dem Coburger Marktplatz.
Jonas Geissler am Spenglersbrunnen auf dem Coburger Marktplatz.
Foto: Ulrike Nauer
Coburg – Jonas Geissler kandidiert im Wahlkreis Coburg/Kronach für die CSU. In Kronach ist er eine politische Größe, die Coburger muss er noch überzeugen.

Die Fußstapfen, in die Jonas Geissler am 26. September treten will, sind zweifellos groß. Seit 27 Jahren sitzt CSU-Abgeordneter Hans Michelbach im Deutschen Bundestag, seit 2002 für den Wahlkreis Coburg /Kronach. Bei der Bundestagswahl in wenigen Wochen will der Kronacher Geissler Michelbachs Nachfolge antreten. Angst dürfe man vor dieser großen Aufgabe nicht haben, wohl aber Respekt, sagt Geissler. "Es macht mich auch ein Stück weit demütig, weil ich weiß, was Hans Michelbach für die Region geleistet hat und dass er sehr vielen Menschen geholfen hat, gerade, wenn es um die Sicherung ihres Arbeitsplatzes gegangen ist."

Dass Geissler das Rennen um die Kandidatur gewonnen hat, kam einigermaßen überraschend. Schließlich waren gegen den Kronacher mit René Boldt und Michael Schulz gleich zwei bekannte Coburger CSU-Mitglieder angetreten, wobei Boldt auch noch langjähriger Büroleiter von Hans Michelbach war. Umso mehr wisse er Michelbachs neutrale Haltung in der Kandidatenfrage zu schätzen, sagt Jonas Geissler. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Er berät im Hintergrund, ohne reinzureden", berichtet der 37-Jährige. Er habe Hans Michelbach auch schon zweimal in Berlin besucht und vieles mit ihm besprochen.

Nachholbedarf in Coburg

In Kronach ist Geissler seit Jahrzehnten als politische Größe bekannt, bleiben noch die Coburger, die er überzeugen muss. Seine Strategie: Viel in Coburg unterwegs sein und das Gespräch mit den Bürgern suchen. "Mir war bewusst, dass es eine Herausforderung werden würde, sollte ich die Nominierung gewinnen", gibt Geissler zu. Aber er sei auch positiv überrascht worden: "Ich werde in Teilen der Coburger CSU unheimlich getragen, was mich sehr freut. Das ist keine Selbstverständlichkeit."

Er stamme aus einer "sehr politischen Familie", erzählt Jonas Geissler. Seine Oma war Stadträtin in Bayreuth - allerdings für die SPD. Natürlich habe seine Oma versucht, ihren Enkel von "ihrer" SPD zu überzeugen, doch ohne Erfolg, wie Geissler lachend verrät. "Wir haben immer viel diskutiert, aber ich habe irgendwann festgestellt, dass die CSU meine politische Heimat ist und nicht die SPD. "

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Schröder eine "Katastrophe"

Etwa ab 1998 habe er angefangen, politisch zu denken, sagt der Kronacher. Damals war er 14 und Helmut Kohl bis dahin der einzige Kanzler, den er kannte. Dann wurde Kohl von Gerhard Schröder abgelöst und Geissler empfand gleich das erste Jahr mit dem neuen SPD-Kanzler als "Katastrophe". In ihm wuchs der Wunsch, in die CSU einzutreten. Doch 1999 war er dafür mit 15 Jahren noch zu jung. Das Beitrittsgesuch zur Jungen Union blieb zunächst unbeantwortet, erst im Jahr 2000 klappte es und der nun 16-jährige Geissler wurde aufgenommen.

Relativ früh übernahm er politische Ämter, war zunächst Kassenprüfer im Ortsverband Kronach, später auch JU-Kreisvorsitzender. 2008 kandidierte er für den Kronacher Stadtrat, wobei seine Wahl bei einem Stadtrat mit 24 Plätzen und einem Listenplatz 15 ziemlich aussichtslos gewesen sei. "Aber wir haben viel Wahlkampf gemacht, wollten vor allem für jüngere Leute etwas verändern", erinnert sich Geissler. Das kam offensichtlich gut an. Am Ende stellte die CSU elf Stadträte, fünf davon aus der JU - darunter auch Jonas Geissler.

Fast ein Allgäuer

Geht man nach dem Ort seiner Geburt, ist der 37-Jährige übrigens kein Kronacher, sondern gebürtiger Allgäuer. "Meine hochschwangere Mutter hatte meinen Vater 1984 zu einer Fortbildung in Isny begleitet", erzählt Geissler schmunzelnd. "Ich war zehn Tage zu früh dran!" Vier Tage später war die Familie aber schon wieder zurück in Kronach, das bis heute seine Heimat ist. Hier ging er in den Kindergarten, in die Schule und legte 2003 die Abiturprüfung ab.

Er sei schon während seiner Schulzeit ein "politischer Kopf" gewesen, der ein hohes Gerechtigkeitsempfinden habe und sich mit Ungerechtigkeit anderen gegenüber schwertue, beschreibt sich Geissler selbst. Im Sozialkundeunterricht sei viel diskutiert worden, fast die Hälfte seines Abi-Jahrgangs sei in der JU gewesen.

Nach dem Abitur studierte er Politikwissenschaft und Geschichte in Erlangen, verbrachte ein Semester in Budapest. Als er 2009 das Studium abgeschlossen hatte, fing er an, an seiner Doktorarbeit über "Die Aufklärung in den Hochstiften Bamberg und Würzburg" zu schreiben. Als ihn der damalige Landtagsabgeordnete Hans Reichardt fragte, ob er nicht als sein Büroleiter nach München kommen wolle, sagte Geissler zu. Inzwischen besitzt er einen Doktortitel und ist aktuell Referatsleiter im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

Zeit für Hobbies bleibe im Moment kaum. "Ich freue mich, wenn ich abends vorm Einschlafen noch ein bisschen lesen kann", sagt Geissler. Außerdem koche er sehr gerne und gut - besonders für seine Lebensgefährtin. Er fahre auch "wahnsinnig gerne Ski" und gehe wandern. Gerade während Corona sei er viel in der Region unterwegs gewesen. "Das letzte Jahr war spannend, weil man seine eigene Heimat wieder entdeckt hat."

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