Hoffnung für Händler
Plan B für den Coburger Weihnachtsmarkt?
Noch nicht fertig, schon wird wieder abgebaut.
Noch nicht fertig, schon wird wieder abgebaut auf dem Coburger Marktplatz.
Foto: Jochen Berger
Coburg – Nach der Absage wegen Corona plant die Stadt eine Alternative für die Schausteller. Doch ob diese überhaupt realistisch ist, bleibt ungewiss.

Der Akkuschrauber surrt, die Schraube dreht sich, löst sich - und fällt herunter. Eine Stunde, nachdem Ministerpräsident Markus Söder ( CSU ) das aus für alle Weihnachtsmärkte im Freistaat bekannt gegeben hat. Und schon bauten die ersten auf dem Marktplatz ihre Stände wieder ab.

"Natürlich ist das sehr ärgerlich. Wir haben erst vor zwei Stunden angefangen, hier aufzubauen", sagt Beschickerin Antje. An ihrem Stand hätte es Crêpes gegeben, Reibekuchen und hausgemachten Glühwein . "Aber irgendwo ist man auch erleichtert. Man hat es ja im Hinterkopf gehabt, dass es so kommen könnte."

Zudem: Wer weiß denn, wie der Weihnachtsmarkt mit 2G-Regel überhaupt funktioniert hätte, sagt sie. "Wären viele Leute gekommen? Wie viel Personal hätte ich vorhalten müssen? Das wären ja auch alles Fixkosten gewesen."

"Die nehmen uns unsere Lebensart"

Ihr Kollege Ralf Pazdera und sein Sohn Kevin ringen derweil noch um Worte. Beide, Vater und Sohn, sind alle Jahre wieder mit Gastro-Ständen auf dem Markt vertreten. Bei Ralf gibt's die Klassiker - Currywurst, Schaschlik, Kartoffelpuffer - , Kevin bedient die "Burger-Schiene" mit Hamburgern, Hotdogs, Pommes . Glühwein schenken beide aus, Ralf auch Glühbier. Das hat er extra in Belgien bestellt, weil er darauf vertraute, dass mit "2G" der Markt würde stattfinden können.

Die Ware ist geliefert, bezahlt werden muss sie - aber was sollen Pazderas damit machen? "Was ich zu sagen hätte, ist nicht druckreif", sagt Kevin Pazdera, hörbar bemüht, ruhig zu bleiben. Er habe sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht, habe Schulden "und die Politik lässt uns in der Luft hängen". Die Überbrückungshilfen zum Beispiel seien erst Monate nach der Antragstellung geflossen und längst kein Ausgleich für die entgangenen Umsätze.

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"Die nehmen uns unsere Lebensart ", sagt Vater Ralf Pazdera. "Wir arbeiten gern und viel. Wir waren noch nie auf irgendwelche Hilfen angewiesen, das wollen wir auch nicht. Aber man verbietet uns, unser Leben zu leben."

Warenmarkt?

Zumindest einem Teil der Händler will es die Stadt trotzdem noch ermöglichen, auf dem Marktplatz im Weihnachtsmarktambiente ihre Waren zu verkaufen: Die Stadt werde prüfen, ob zum Beispiel ein reiner Warenmarkt anstelle des Weihnachtsmarkts zulässig sei - also eine Art erweiterter Wochenmarkt, erklärte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig ( SPD ) am Freitag.

Die Stadt habe bereits vor Monaten Verträge mit den Schaustellern abgeschlossen, die ihrerseits Waren eingekauft haben. "Wir halten die vom Freistaat angekündigte Verlängerung des Übergangsgeldes für die Schausteller für nicht ausreichend. Wir waren uns einig, dass wir eine Insolvenzwelle bei unseren heimischen Schaustellern verhindern müssen", berichtete Sauerteig nach einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen.

Warten auf verbindliche Regelungen

Ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein oder Feuerzangenbowle, bestenfalls mit Essen und alkoholfreien Getränken "hätte einen völlig anderen Charakter", räumt der OB ein. Aber "wenn wir es schaffen, den Schaustellern des abgesagten Weihnachtsmarktes wenigstens eine Chance zu geben, einen kleinen Teil der dringend benötigten Einnahme zu generieren, wäre das ein Erfolg", sagt er.

Ein bisschen Hoffnung ruht offenbar auch noch auf dem Umstand, dass die Aussagen nach dem Koalitionsausschuss am Freitag wenig konkret waren. Mit verbindlichen Regelungen ist erst in dieser Woche zu rechnen - und erst dann könne die Stadt Coburg eine rechtssichere Lösung vorschlagen, erklärt der OB.

Bis dahin sollen die Aufbauarbeiten auf dem Marktplatz fortgesetzt werden. Sauerteig verweist auch auf die geplanten Regelungen mit Besuchersteuerung und -begrenzung sowie 2G-Regel fürs Marktgebiet. Die Regelungen zu Fußballstadien seien deutlich weniger strikt.

Wirte können kaum planen

Die gleichzeitig mit der Absage der Weihnachtsmärkte verkündete Sperrstunde für die Gastronomie ab 22 Uhr schmeckt den Wirten auch nicht. "Wir planen jetzt erstmal von Woche zu Woche, weil wir nicht wissen, was in Zukunft mit steigenden Inzidenzen passiert", sagt Sandro, Betreiber des "Biersalons".

Und Weihnachtsmarktbeschickerin Antje? Macht irgendwie den Eindruck, als hätte sie schon viele Stürme überstanden, auch ohne Pandemie. "Stimmt! 22 Jahre Weihnachtsmärkte, da erlebt man schon einiges."

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