Bundestagswahl 2021
Rainer Möbus: Typisch, nicht klassisch
Da ist er daheim: Rainer Möbus am Gipfel des Georgenberges bei Bad Rodach. - Foto: Berthold Köhler
Da ist er daheim: Rainer Möbus am Gipfel des Georgenberges bei Bad Rodach.
Foto: Berthold Köhler
Bad Rodach – Rainer Möbus kandidiert für die FW im Wahlkreis. Der 59-Jährige legt Wert darauf, sich nicht im etablierten Parteisystem zu bewegen.

Lokalpolitisch gesehen, ist Rainer Möbus gar kein Freier Wähler. Er sitzt schließlich seit 2014 für das "Zukunftsforum" im Bad Rodacher Stadtrat und ist dort beileibe nicht immer einer Meinung mit den FW-Kollegen. Aber genau das macht ihn, sagt der 59-Jährige, dann doch wieder zu einem typischen FW-Kandidaten: "Die Freien Wähler sind seit jeher ein Sammelsurium von Leuten, die gar nicht in eine klassische Partei wollen."

Unternehmer, Ehrenamtler, Kommunalpolitiker - da gibt es viele Bereiche, bei denen Rainer Möbus immer wieder mal über die große Politik den Kopf geschüttelt hat. Nicht zuletzt auf Anraten seiner Frau ("Dann bewirb Dich doch.") will er jetzt nicht bloß mosern, sondern es selbst besser machen in der großen Politik. Da aber das "Zukunftsforum" nicht für die Bundestagswahl gelistet ist, wurde Rainer Möbus zum Kandidat der Freien Wähler . Das ist für ihn nicht neu, schließlich sitzt er für die bereits im Coburger Kreistag.

Nicht kämpfen, nicht schwurbeln

Der Zeitpunkt für seine Bewerbung in Richtung Berlin ist gut, meint Möbus. Schließlich werden nach dem Ausscheiden des langjährigen Bundestagskandidaten Hans Michelbach (CSU) die Karten neu gemischt. Zudem haben es die Freien Wähler mit derzeit 3,5 Prozent Stimmenanteil auf Bundesebene sogar bis ins Wahlbarometer der Bild-Zeitung geschafft. Das stimmt optimistisch. Bei überwiegend jungen Mitbewerbern um das Direktmandat im Wahlkreis für Berlin fühlt sich Rainer Möbus in einer guten Position, getreu seinem Motto: "Wer die Wahl hat, braucht eine Auswahl." Und da passe ein 59-jähriger Familienvater gut ins Angebot. Erst Recht, wenn dieser Wert darauf lege, eben nicht aus einem etablierten Parteisystem zu kommen. Deshalb liegen Möbus Begriffe wie der "Wahl-Kampf" fern, "Standardphrasen und Geschwurbel" auch.

Rainer Möbus fühlt sich "im besten Alter für den Bundestag" und hat natürlich auch die Jungen im Blick. Regelmäßig postet er neue Videos auf Facebook und Instagram. Zwar hat in der Vorbereitung eine professionelle Agentur mitgeholfen, aber die Clips leben hauptsächlich vom unübersehbaren Show-Talent, das Rainer Möbus seit Jahrzehnten auf der Heldritter Waldbühne immer wieder unter Beweis stellt. Ein bisschen Show gehört dazu, sagt der Geschäftsführer von "Rodacher Flüssiges Obst" und grinst. "Das Internet ist die beste Möglichkeit, um sich bei der jungen Generation bekannt zu machen."

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Bei dem, was ihn in Berlin erwarten würde, gibt sich Rainer Möbus keinen großen Illusionen hin. Auf die Frage, was er denn im Bundestag für die Region tun wolle, wiegt er ein paar Mal den Kopf hin und her und sagt dann: "Der Bundestag ist jetzt nicht unbedingt ein Gremium, das mit unseren regionalen Themen viel zu tun hat." Da müsse man das große Ganze sehen, wobei auch Berliner Entscheidungen durchaus bis in den privaten Haushalt durchschlagen. Seine Erfahrung von drei Jahrzehnten an der Spitze eines mittelständischen Unternehmens, bei dem die nächste Generation bereits mit eingebunden ist, sei da sicher nicht fehl am Platze. Er könne Wegbegleiter für kleine Startups in der Region genauso sein wie Ansprechpartner für die großen Unternehmen.

Wie ist das mit dem Lückenschluss?

Mehr Geld aus Berlin täte auch der Kultur gut. Denn wie brutal die vergangenen beiden Corona-Jahre die Kulturschaffenden nahezu in den Niedergang getrieben haben, tut dem Urgestein des Heldritter Waldbühnen-Ensembles im Herzen weh. Jetzt noch in diesem Bereich den Rotstift anzusetzen, wäre nach Ansicht von Möbus grundfalsch. Genauso wie ein strikt auf Wirtschaftlichkeit ausgelegte Denken, das zunehmend in den Kulturbetrieben herrscht. Da müsse man ehrlich sein: "Es gibt Sachen, die rechnen sich nicht." Einige Bereiche der Kultur auch nicht - "aber sie sind ein wichtiger Teil in unserem Zusammenleben."

Und dann kommt doch noch der handfeste Punkt, bei dem Rainer Möbus in Berlin gerne was fürs Coburger Land bewegen würde: der Bahn-Lückenschluss Richtung Südthüringen. Auf lokaler Ebene sieht der Kreisrat das Projekt auf dem richtigen Weg, wenn auch ein bisschen spät dran: "Mit den Planungen hätte man vor 30 Jahren schon anfangen können." Persönlich favorisiert Möbus dabei eine Verbindung über Bad Rodach und Hildburghausen. Da könne man die von Bund und Land geforderte Wirtschaftlichkeit erreichen, sagt der 59-Jährige und verweist auf die Einpendler, die aus Südthüringen zu Arbeitgebern wie Haba und Valeo nach Bad Rodach kommen: "Wenn wir nur zehn Prozent davon weg vom Auto bekommen, dann wär' das Zügla voll."

Zudem wäre eine Zugverbindung über die Bad Rodacher Sackgasse hinaus Richtung Westen ein positiver Aspekt für den Tourismus. Dass auch da ein Wandel in der Art der Mobilität kommen wird, will Rainer Möbus nicht ausschließen: "Heute kommen viele Gäste mit dem Wohnmobil, irgendwann vielleicht mal mit dem Zug."

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