Artenvielfalt
Damit Nisthilfen nicht zur Gefahr für Bienen werden
Imker Wolf-Dietrich Schröber mit einem negativen Beispiel einer Wildbienennisthilfe am Kreislehrbienenstand
Imker Wolf-Dietrich Schröber mit einem negativen Beispiel einer Wildbienennisthilfe am Kreislehrbienenstand
Foto: Carmen Schwind
Pretzfeld – Der Imker Wolf-Dietrich Schröber erklärt anhand des Kreislehrbienenstands bei Lützelsdorf, wie eine gute Nisthilfe für Wildbienen gebaut sein muss.

„Die Idee war, etwas aufzubauen, um Leute, die hier wandern, zu informieren, wie man Nisthilfen für Wildbienen selbst und richtig bauen kann“, erläutert Wolf-Dietrich Schröber, Imker und Vorsitzender des Imker-Kreisverbandes Forchheim. Er zeigt dabei auf das Hinweisschild „Nisthilfen für Wildbienen“, das neu am Kreislehrbienenstand bei Lützelsdorf angebracht worden ist.

Im Rahmen der Klimawoche wird Schröber hier auch Vorträge halten, doch auch sonst kann sich jeder am Kreislehrbienenstand an der Infotafel und den ausgestellten guten und schlechten Beispielen für Nisthilfen informieren.

„Der liegt am Kirschenweg. Die Wanderer können hier halt machen, sich ausruhen oder informieren“, sagt Schröber. Er erzählt, dass die Aktion von der Integrierten ländlichen Entwicklung (Ile) Fränkische Schweiz aktiv gefördert wird.

550 Arten von Wildbienen

„Es geht um die Bienen, also um Honigbienen, Wildbienen und Hummeln. Nicht aber um Wespen“, stellt der Verbandsvorsitzende deutlich heraus. Er erzählt, dass sie immer wieder angerufen werden, wenn Hausbesitzer Wespennester finden. „Die Feuerwehr rückt nicht mehr aus, dann rufen sie uns an. Aber wir können auch nichts tun“, erklärt Schröber.

Er erzählt, dass es weltweit neun, in Deutschland drei Arten von Honigbienen gibt. Hummelarten gibt es weltweit 250 und in Deutschland 36 Arten. Von Wildbienen sind in Deutschland 550 Arten bekannt.

 

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„Honigbienen und Hummeln bilden Staaten, während Wildbienen Einsiedler sind. Ein Volk Honigbienen besteht aus bis zu 60 000 Bienen. Bei Hummeln sind es zwischen 50 und 250, maximal 600“, erklärt der Imker. Er erzählt, dass sich Hummeln und Bienen optimal ergänzen.

Er weist darauf hin, dass Wildbienen für bestimmte Pflanzenarten zuständig sind: „Wenn die Pflanzen weg sind, verschwinden auch die Wildbienen und umgekehrt. Deshalb sind Wildbienen für die Artenvielfalt ganz wichtig.“

Alle Bienen ernähren sich vegetarisch durch Pollen, Nektar und Wasser. Honigbienen starten erst bei einer Temperatur von zwölf Grad durch, Hummeln bei etwa sieben Grad und Wildbienen sind da sehr flexibel.

Wer die Artenvielfalt unterstützen und eine Nisthilfe für Wildbienen bauen möchte, sollte wissen, dass nur etwa 20 Prozent der Wildbienen in Hohlräumen nisten, der größte Teil nistet im Erdboden. Außerdem sollte man kein sogenanntes Insektenhotel anstreben.

„Da sind oft Schmetterlingskästen angedacht. Und die sind völlig umsonst, weil sich da kein Schmetterling niederlässt“, sagt Schröber. Man sollte auch nicht an einem Platz viele Nisthilfen aufstellen oder aufhängen, sondern diese verteilen.

„Die Nisthilfen aus dem Baumarkt oder Discounter sind oft untauglich“, sagt Schröber und zeigt Negativbeispiele, die ebenfalls am Kreislehrbienenstand ausgestellt sind: „Hier sind die angebohrten Äste zu locker. Tannenzapfen bringen nichts, so wie das Füllmaterial oder das Reisig. Und auf Lochziegel sollte man sowieso verzichten.“

Beim Holz sollte trockenes Hartholz verwendet werden. Wer Löcher bohrt, sollte entstandene Splitter entfernen, damit sich die Bienen nicht verletzen. Glas- oder Kunststoffröhrchen sollten nicht verwendet werden, da hier eine schlechte Luftzirkulation herrscht. Und es könnte sich Schimmel bilden.

Nisthilfe: auf was zu achten ist

Doch wie geht es richtig? Nisthilfen für Wildbienen können mit Pflanzenstängeln, Schilf, Strohhalmen oder Bambus hergestellt werden. Oder man bohrt Löcher in ein getrocknetes Stück Hartholz. Das Material sollte also unbehandelt, naturbelassen, abgelagert und trocken sein. „Am besten selbst suchen. Beim Holz Ahorn, Apfel, Birke, Birne, Eiche oder Esche verwenden“, zählt Schröber auf.

Will man Stängel verwenden, sollten diese sauber und faserfrei sein und an einem Ende verschlossen. „Am besten mit Bienenwachs. Es kann aber auch zum Beispiel Ton sein“, erklärt Schröber. Die Hohlräume – egal ob Stängel oder Löcher – sollten zwischen zehn und maximal 20 Zentimeter tief sein. „Man sollte zwei bis neun Millimeter Durchmesser bohren. Ab zehn Millimeter ist das Loch zu groß.“ Die fertige Nisthilfe sollte geschützt an einen sonnigen Ort gestellt oder dort aufgehängt werden.