Naturschutz
Warum die Spechtbäume so wertvoll sind
Waldbesitzer Hermann Ulm (l.),  Revierleiter Daniel Schenk (M.) und  Andreas Schmitt (beide Bayerische  Forstverwaltung)  erkunden einen möglichen Spechtbaum im Wald.
Waldbesitzer Hermann Ulm (l.), Revierleiter Daniel Schenk (M.) und Andreas Schmitt (beide Bayerische Forstverwaltung) erkunden einen möglichen Spechtbaum im Wald.
Foto: AELF Bamberg
Kunreuth – Spechtbäume in Privatwäldern sind „Eigenheime“ auch für andere Vögel. Waldbesitzer können zum Artenschutz beitragen – und erhalten dafür Geld.

Im Frühling wird der Wald lebendig. Zur Brutzeit sind zahlreiche heimische Vogelarten auf besonders fleißige Helfer angewiesen: Spechte. Sie schaffen mit ihrem Höhlenbau Jahr für Jahr neue Brutmöglichkeiten und damit Lebensräume für weitere Vögel und andere Tiere – so auch im Wald des Forchheimer Landrats Hermann Ulm (CSU) in Kunreuth.

Für den Eigenbedarf sind Spechte an Entstehung und Unterhalt von bis zu einem Dutzend Höhlen gleichzeitig beteiligt. Mit dem richtigen Gespür für morsche Holzbereiche meißeln sie oft nur einen Höhlenansatz hinein, um sodann Pilze und Zersetzung für sich weiterarbeiten zu lassen. Nach mehreren Monaten setzt er sein Werk mit deutlich geringerem Widerstand fort.

Höhlen auch für andere Vögel

Von der Vielzahl an Höhlen braucht ein Spechtpärchen nur bis zu drei Stück gleichzeitig. Die übrigen stehen Kohl- und Blaumeisen, Spatzen und Staren zur Verfügung. Der Wettbewerb darum ist heftig: Nicht selten wirft ein stärkeres Vogelpärchen den Vorbesitzer hinaus. Auch „Eigenbedarf“ ist kein Freibrief: Manchmal hindern zum Beispiel geschickte Stare den Specht selbst am Einzug im eigenen Haus.

Schwarzspechte an und in ihrer Höhle. Es ist wichtig, dass bestimmte Bäume stehen bleiben.
Schwarzspechte an und in ihrer Höhle. Es ist wichtig, dass bestimmte Bäume stehen bleiben.
Foto: Hubert Bosch

Über den Frühling und Sommer sind die Höhlen Zuflucht und Kinderzimmer vieler heimischer Singvögel, und die Nachmieter folgen schon im Oktober: Zahlreiche Fledermausarten und auch Siebenschläfer sind auf geschützte Winterquartiere angewiesen.

Die erneute „Schlüsselübergabe“ folgt im Frühjahr und das Jahr beginnt von vorn – eine Auslastung, wie sie die gefragtesten Ferienwohnungen kaum vorweisen können. Im Jahresverlauf sind Bäume mit Spechthöhlen fast durchgängig Heimat geschützter Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz und ihre Fällung folglich nur selten erlaubt.

Wichtiges Totholz

Einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser wertvollen Lebensräume und der Biodiversität im Wald bietet das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald), welches – neben weiteren ökologisch wirksamen Maßnahmen – den Erhalt ausgesuchter Totholzstämme und Spechtbäume honoriert.

Grundstein der hohen Akzeptanz: Alle anderen Bäume im Wald bleiben unbenommen den Zielen des Eigentümers überlassen. Einige Spechtbäume je Hektar werden markiert und bezuschusst, während Hunderte andere weiterentwickelt beziehungsweise genutzt werden können.

Laubholzstämme

Beschränkt ist die Auswahl meist auf Laubholzstämme – der Specht baut gerne langlebig. Gestaffelt nach Stärke werden dem Waldbesitzer auf Antrag für das Belassen solcher Exemplare bis zu 220 Euro Einmalzahlung pro Baum gegen zwölf Jahre Schonung gewährt.

Damit wird zum einen der Unterschied ausgeglichen, dass starke Bäume höhere Werte im Verkauf erzielen könnten, zum anderen aber auch mehr beziehungsweise größere Spechthöhlen wie die des Schwarzspechts aufweisen können.

In Zusammenarbeit prüft die Untere Naturschutzbehörde die fachliche Eignung, und die Revierförster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg erfassen die Einzelbäume per GPS.

Viel Schadholz

„In Zeiten großer Schadholzangebote und sinkenden Brennholzbedarfs zeigen sich die Waldbesitzer in unseren Beratungen dem gezielten Erhalt ausgesuchter Bäume überwiegend neugierig bis aufgeschlossen“, berichtet Forstamtsrat Daniel Schenk, Leiter des Reviers Neunkirchen am Brand. Manchmal ist ein wenig Bedenkzeit gewünscht, damit vom Großvater bis zum Enkel die möglichen Baumkandidaten noch einmal begutachtet und besprochen werden können.

Andreas Schmitt (r.) markiert einen Baum, der für zwölf Jahre geschützt werden soll, damit Spechte ihn als Wohnraum nutzen können.
Andreas Schmitt (r.) markiert einen Baum, der für zwölf Jahre geschützt werden soll, damit Spechte ihn als Wohnraum nutzen können.
Foto: AELF Bamberg

„Den meisten Waldbesitzern und Programmteilnehmern gefällt der freiwillige Ansatz. Anstelle eines rein verordneten Schutzes wird auf Augenhöhe das praktizierte Miteinander von Schützen und Nutzen solidarisch anerkannt“, ergänzt Martin Erlwein von der Unteren Naturschutzbehörde.

Abseits der Forstwege

Abseits der gepflegten Forstwege ist laut AELF gerade im Privatwald über Jahrzehnte ein Rekordvorrat an Alt- und Totholz herangewachsen, dessen ökologische Wertigkeit mit dem freiwilligen „Mieterschutz Specht“-Programm Aufmerksamkeit erfährt. Dabei zähle jeder kleine Beitrag zur Förderung der heimatlichen Biodiversität. Große Geschenke würden nicht verteilt.

Aber Forstleute und Besitzer würden den Specht schon als Gesundheitspolizei im Wald schätzen. Seine Wohnstätten stellten zugleich wichtige Samenbäume für gesündere Mischwälder dar. So gebe es gibt Gewinner auf allen Seiten.

Weitere Informationen erhalten interessierte Waldbesitzer kostenfrei bei ihren zuständigen Forstrevieren.