Ärztliche Versorgung
Medizinstudentin als Landärztin in Forchheim
Josefina Luckhardt (links) mit Dr. med. Beate Reinhardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, in der Praxis in Effeltrich.
Josefina Luckhardt (links) mit Dr. med. Beate Reinhardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, in der Praxis in Effeltrich.
Foto: Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz
LKR Forchheim – Hoffnung für die medizinische Versorgung auf dem Land: Wie und warum sich Josefina Luckardt für eine Arztpraxis im Kreis Forchheim entschieden hat.

Die 29-jährige Josefina Luckhardt ist Studentin der Allgemeinmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Sie hat einen Teil ihres praktischen Jahres (PI) in der Gemeinschaftspraxis von Dres. Reinhardt in Effeltrich absolviert.

Woraus besteht das praktische Jahr?

Es besteht aus drei Tertialen. Das Wahlfach ist bei mir die Allgemeinmedizin, die anderen beiden Teile sind in der Inneren Medizin und in der Chirurgie.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Für mich war immer klar, dass ich Allgemeinmedizinerin werden will, und ich habe von dem Programm gehört als ich nach Erlangen gewechselt bin – vorher habe ich in Mannheim studiert. Ich möchte meine Kenntnisse der Allgemeinmedizin vertiefen, mehr Einblicke erhalten, und deswegen hat mich das Konzept interessiert. Wenn man sich als Studentin über die Universität für ein PJ-Platz bewirbt, dann sind oft viele schon vergeben und als BeLA-Studentin hatte ich die Sicherheit, dass ich auf jeden Fall einen Platz in der Region für die Schwerpunkte, die ich möchte, bekommen werde. Man wählt eine Region für zwei oder drei Tertiale. Man hat dann noch die Wahl der Praxen und – wenn es mehrere Krankenhäuser gibt – die Wahl der Klinik. Der Rest ist vorgegeben.

Wo sehen Sie die Vorteile?

Ein großer Vorteil ist, dass man immer weiß, wen man als Ansprechpartner in der Praxis und auch im Klinikum hat. Zum Beispiel gab es am Anfang eine kleine organisatorische Schwierigkeit mit dem PJ-Online-Portal und da hat sich die Sekretärin Kerstin Buschbeck vom PJ-Beauftragten am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, Prof. Dr. Jürgen Gschossmann, gleich gekümmert. Sie hat Rücksprache mit der BeLA-Koordination gehalten, sodass ich alle Unterlagen für die weitere Planung rechtzeitig vorlegen konnte. Beim BeLAProgramm findet man immer einen Ansprechpartner, auch zu Fragen wie „Wie ist es später mit Kindern im Beruf? Wie ist das mit der Niederlassung? Wie läuft das mit der Weiterbildung im Krankenhaus?“ Ich habe hier einen großen Rückhalt und fühle mich gut beraten. Das ist im normalen Medizinstudium nicht gegeben. Neben dem Stipendium von 600 Euro pro Monat erhalte ich auch zusätzlichen Unterricht und kann an regelmäßig stattfindenden Kursen zu verschiedenen Themen teilnehmen oder verschiedene Seminartypen ausprobieren. Es gibt die Summer- und Winter-Schools; Kurse, die ein Wochenende lang am Stück gehalten werden.

Warum haben Sie den Landkreis Forchheim gewählt?

Hier in der Praxis von Frau Dr. Reinhardt habe ich schon mein Blockpraktikum durchlaufen. Zwei Wochen in einer allgemeinmedizinischen Praxis sind in der Approbationsordnung vorgeschrieben. Das hat mir gut gefallen und Forchheim liegt für mich auch logistisch gesehen gut. Für eine Famulatur war ich im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz und ich habe gemerkt, dass ich hier gut hinkomme. Zwar wohne ich in Nürnberg, aber die anderen Regionen wären für mich noch schwieriger zu erreichen gewesen. Nach Effeltrich fahre ich mit dem Auto, nach Forchheim mit der Bahn. Und mir hat es hier dann einfach gefallen. Deshalb wollte ich das PJ auf jeden Fall in der Region machen.

Wie läuft der Alltag in der Gemeinschaftspraxis?

Am Anfang, wenn man noch ganz frisch im PJ ist, dann läuft man erstmal bei den Ärzten mit und guckt sich die Abläufe an: Wie funktioniert das Computersystem? Dann sieht man Patienten regelmäßig, erhebt die Anamnese, also die Vorgeschichte der Erkrankung, und macht klinische Untersuchungen. Ich überlege, welche Untersuchung gebraucht wird. Und dann stelle ich den Fall vor bei einem der anwesenden Ärzte und wir besprechen dann ganz genau wie das weitere Vorgehen ist. Wir beurteilen zusammen die Untersuchungsergebnisse und besprechen diese mit dem Patienten. Ich habe immer Kontakt zu einer Ärztin oder einem Arzt, den ich dazu holen kann, wenn etwas akut passiert. Aber ich kann auch nach kurzer Rücksprache, ob alles so passt, viel allein machen, in Vorbereitung auf die Assistenzarztzeit.

Was passiert an einem Arbeitstag im Klinikum?

Es beginnt morgens um 7.30 Uhr. Dann ist erstmal die Frühbesprechung aller neuen Patienten, die über Nacht oder während dem Wochenende auf die Station der Inneren Medizin gekommen sind. Danach gehen wir auf die Station und beginnen mit den Blutabnahmen, deren Ergebnisse im Laufe des Tages zurückkommen. Anschließend kommt die Visite, manchmal mit den Stationsärzten, manchmal mit Oberärzten oder mit dem Chefarzt. Da wird besprochen, wie es mit dem Patienten weitergeht. Dann stehen verschiedene Untersuchungen an. Es gibt die Funktionsabteilungen, in denen diese Untersuchungen laufen. Ich finde das wahnsinnig spannend, dass ich als Studentin am Nachmittag bei der Kurvenvisite und Röntgenbesprechung dabei sein kann, wenn alle Röntgenbilder aus der Inneren vom Tag mit den Radiologen besprochen werden. Die vielen, vielen Krankheitsbilder auf der Inneren Station finde ich toll. Nicht nur Kardiologie, sondern es sind alle Richtungen. Man sieht sehr viele verschiedene Krankheitsbilder, obwohl man noch gar nicht eine Station gewechselt hat. Das ist vielleicht auch ein Vorteil eines Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung.

Das steckt hinter dem Programm „Beste Landpartie – Allgemeinmedizin“ im Kreis Forchheim

"Das BeLA-Programm ist ein absolut kompetentes Begleit- und Förderprojekt für die Gewinnung von Landärztinnen und Landärzten. Die Studentinnen und Studenten erhalten ein praxisbezogenes, erstklassiges Mentoring. Sie werden optimal auf den Weg für ihren zukünftigen Beruf vorbereitet und das ist einmalig, absolut unterstützenswert und auf jeden Fall fortzuführen", sagt dazu Beate Reinhardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, und Mitglied des geschäftsführenden Vorstands und Vorstandsbeauftragte Junge Medizin im Bayerischen Hausärzteverband.

BeLA steht für „Beste Landpartie – Allgemeinmedizin“. Das Programm dahinter, das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege finanziell gefördert wird, trägt laut eigenen Angaben dazu bei, eine qualitativ hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Es richtet sich an Studierende der Humanmedizin. Diese verpflichten sich zur Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der ländlichen Region, in der das Praktische Jahr geleistet wurde. Seit Oktober 2018 nimmt der Landkreis Forchheim mit niedergelassenen Ärzten und dem Lehrkrankenhaus Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz BeLA-Studentinnen und -Studenten auf. 

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