Kommentar
Wenn das Gewissen nicht reicht, tut es der Geldbeutel
Stephan Großmann
Stephan Großmann
Foto: Matthias Hoch
Forchheim – Sollten Ungeimpfte künftig für ihre Schnelltests zahlen? Ja, meint FT-Redakteur Stephan Großmann. Unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Staaten der Welt geben für die Bekämpfung der Corona-Pandemie Unmengen an Geld aus. Auch Deutschland. Das ist richtig und wichtig, muss die Bundesrepublik doch ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern nachkommen. Diese gilt umso mehr, je größer die nationale Bedrohung ist. Den Einwohnern ein kostenloses Impfangebot zu machen, gehört genauso dazu, wie in ein medizinisches System zu investieren, das  bei niemandem mehr Ängste weckt, kurz vor einem Kollaps zu stehen.

Angst vor der vierten Welle

Je länger die Pandemie dauert, je mehr sich die Kosten zu generationenübergreifenden Schuldenbergen anhäufen, je stärker die Baustellen im Gesundheitssystem die vierte Welle fürchten lassen, desto wichtiger wird es, kluge Prioritäten zu setzen. Daher ist die aktuelle Forderung richtig, Ungeimpfte künftig unter bestimmten Voraussetzungen für Corona-Schnelltests zahlen zu lassen.

Wichtig ist zu unterscheiden, dass wirklich nur jene unter diese Regelung fallen, die sich aktiv und ohne medizinische Gründe einer Impfung verweigern. Selbiges gilt für jene Gruppen, denen aktuell ruhigen Gewissens nicht zur Impfung geraten werden kann, wie Kinder und Schwangere.

Solidarität in Corona-Krise wichtig

Die Corona-Krise zu überwinden, setzt ein hohes Maß an Solidarität innerhalb der Gesellschaft voraus. Nach 18 Monaten Pandemie sind wir alle, müde von Lockdowns und geplagt von Existenzängsten, an einem Punkt angelangt, genau diese Solidarität einzufordern.

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Da eine gesetzliche Impfpflicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam ist, müssen wir uns dem Ziel der Herdenimmunität auf anderem Wege nähern. Wenn sich Impfmuffel nicht um ihrer Nächsten willen überzeugen lassen, bleibt nach dem Gewissen nur noch ein Druckmittel: der Geldbeutel. Der zieht im Zweifel immer.

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