Religion
Synagoge Ermreuth feiert Jubiläum
Unter der Leitung von Else Kühnel tanzten einige Frauen israelische Tänze
Unter der Leitung von Else Kühnel tanzten einige Frauen israelische Tänze
Foto: Petra Malbrich
Ermreuth – Früher wohnten viele jüdische Familien in der Gemeinde. Vor genau 200 Jahren bauten sie sogar eine Synagoge. Das wurde jetzt gefeiert.

Die Gräber sind noch Zeugnisse von dem jüdischen Leben der Familien, die einst in Ermreuth gelebt und das Gotteshaus gebaut haben. Jüdische Familien leben derzeit nicht in dem Ort, in dem nun 200 Jahre Synagoge mit einem kulturellen Festprogramm gefeiert wurde. Landrat Hermann Ulm und Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz waren die Schirmherren, eröffnet wurde die Feier von der Rabbinerin Doktor Yael Deusel, dem Posaunenchor und Männergesangverein Ermreuth.

Die Gäste schwärmten noch von dem Konzert des Kammerchors Franconia Vocalis, während sie Kuchen zum Kaffee aßen und sich auf den Bänken vor der Synagoge unterhielten. „Geschändet am 9.11.1938, Wiedergeweiht am 19.6.1994“ steht auf einem Schild, neben der Eingangstür. In diesen zwei Zeilen sind schon mehrere Hinweise über die Geschichte der Synagoge erhalten. Einen genauen Tag der ersten Weihe gibt es nicht.

Nur das Jahr 1822. „Wir haben deshalb den 19. Juni gewählt“, erklärte Rajaa Nadler, Vorstandsmitglied des Zweckverbands der Synagoge. 1664 wurde der erste Jude in Ermreuth registriert. Mehr jüdische Familien siedelten sich an, vor allem in der Zeit der freiherrschen Familie von Günsberg-Thurnau. „Das war die Blütezeit der Juden“, sagte Nadler. Die jüdischen Familien übten alle Berufe aus. Sie waren Stoffhändler, Handwerker, Bauern, Bäcker, Seifensieder, Hopfen- und Viehhändler. Ende des 15. Jahrhunderts waren viele Juden von Nürnberg aus geflüchtet und aufs Land gekommen, zunächst in die Fränkische Schweiz allgemein, dann nach Ermreuth. Bereits 1738 bauten die Familien ihre Synagoge. Sie stand dort, wo die jetzige steht, war allerdings kleiner und wurde abgerissen.

Auswanderungswelle nach Amerika

Die neue Synagoge, wie sie jetzt ist, wurde 1822 erbaut und eingeweiht. Nur Tag und Monat sind nicht bekannt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es dann eine Auswanderungswelle nach Amerika, vor allem als 1860 keine Anträge mehr gestellt werden mussten, wenn man in eine amerikanische Stadt ziehen wollte.

13 Familien lebten zum Ende des Ersten Weltkriegs noch in Ermreuth. 1938 waren es noch 18 Juden. Dann kam die Kristallnacht. Die Synagoge wurde ausgeplündert. Drei der noch in Ermreuth lebenden Juden gelang es 1939 noch auszuwandern. Die anderen wurden nach Nürnberg umgesiedelt und anschließend nach Auschwitz gebracht. „Seit 1939 lebt kein Jude mehr hier“, sagte Nadler. Bis 1974 wurde die Synagoge als Lagerraum für die Landwirtschaft genutzt.

Informationstafeln bei der Synagoge geben einen kurzen Abriss über die Geschichte des Gotteshauses der jüdischen Gemeindemitglieder in Ermreuth. Ein Gast fragte nach dem Weg zum Friedhof. Dort wurden Führungen angeboten. Frauen trafen sich in der Zwischenzeit in der Synagoge, wo israelische Tänze unter Leitung von Else Kühnel getanzt wurden. Die Feier ist der Tag des Erinnerns und der Zukunft zugleich. Gedenksteine für die Opfer der Schoa aus Ermreuth werden entstehen. Der Grundstein für die Gedenksteine ist bereits gelegt.

Erinnerung an die Opfer

Erinnern sollen diese Steine an die fünfzehn aus Ermreuth verschleppten und ermordeten Juden. Auf den Steinen werden deren Namen, das Geburtsjahr und der Tag der Ermordung eingraviert werden. Aus Holz ist das Gefüge der Gedenksteine bereits in Miniatur gefertigt und steht vor der Synagoge auf einem Tisch. Um dieses Gedenken bald realisieren zu können, freuen sich die Initiatoren über Spenden.

Mit einer szenischen Lesung des „StaTTTheaters“ Forchheim und einem Konzert der Weltmusikgruppe Mala Isbuschk klang der Tag schließlich aus.

 

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