Lokalgeschichte
David Wannbachers langer Kampf um den Schutzbrief
Die Synagoge in Hagenbach 1927
Die Synagoge in Hagenbach 1927
Foto: Quelle: Reinhold Glas
Hagenbach – Das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ läuft. Teil davon ist das Schicksal von David Isaak Wannbacher aus Hagenbach.

von Rolf Kießling

Als die Juden gemäß dem Edikt von 1813 Familiennamen annehmen mussten, wählte der Schutzjude Eisig David aus Hagenbach den Namen Wambacher (später Wannbacher). Dies bot sich an, da seine Vorfahren aus dem nahen Wannbach stammten.

Seinen Schutzbrief hatte Eisig David am 3. November 1789 im Alter von 30 Jahren von den Freiherren von Seefried erhalten. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Schnittwarenhändler, der mit seiner Ware von Dorf zu Dorf, von Tür zu Tür zog. Dem Hausierer war der Landgerichtsbezirk Pottenstein zugewiesen worden.

Dienstmagd in Bayreuth

Eisig David besaß ein eigenes Haus in Hagenbach. Zusammen mit seiner Frau Hanna hatte er vier Kinder: zwei Söhne namens Hajum und David sowie zwei Töchter namens Rosalie und Fanny. Letztere war als Dienstmagd in Bayreuth beschäftigt, während Rosalie zu Hause bei ihren Eltern lebte.

Das Anwesen Nr. 24: Das Haus wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark verändert, im Gegensatz zu den dahinterliegenden Häusern.
Das Anwesen Nr. 24: Das Haus wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark verändert, im Gegensatz zu den dahinterliegenden Häusern.
Foto: Reinhold Glas

Sohn David war am 17. Juni 1803 in Hagenbach geboren worden. Sein Abschlusszeugnis war „durchwachsen“. Sein Vater schickte ihn in die Lehre beim Hagenbacher Schustermeister Johann Zerer und erfüllte damit eine Forderung des Judenedikts, wonach junge Juden ein Handwerk erlernen sollten. Ob David Wambacher diese Lehre abgeschlossen und danach die vorgeschriebene Wanderschaft angetreten hat, ist unbekannt.

Man weiß aber, dass er von Februar 1824 bis März 1827 erneut eine Lehre absolviert hat, diesmal bei dem Kaufmann Christoph Raab in Erlangen. Von der Wanderschaft war er dispensiert worden.

Moderne Form des Namens

1837 bemühte sich David Wannbacher – so die moderne Form des Namens – beim örtlichen Patrimonialgericht der Seefried um einen Schutzbrief und um seine Zulassung als Schnittwarenhändler. Er begründete sein Anliegen so: „Als ein hiesiges Ortskind bin ich befugt, mein Fortkommen dahier zu suchen.“

Während andere junge Juden bereits an Auswanderung nach Nordamerika dachten, wollte sich David Wannbacher in Hagenbach niederlassen. Er hatte sich mit der am 16. Februar 1818 in Heiligenstadt geborenen Jeanette Seckendorfer verlobt. Sie war die Tochter des Handelsmanns Abraham Seckendorfer und dessen verstorbener Ehefrau Fanny.

Der Übergabevertrag

Aus dem Jahr 1837 stammte auch der Übergabevertrag. Wannbachers Vater Eisig hatte seinem Sohn David das Haus Nr. 24 überschreiben lassen. Dieser wollte darin einen „offenen Laden“ einrichten und Schnittwaren, also Stoffe, verkaufen. Doch das Vorhaben rief sogleich Protest bei dem jüdischen Spezerei- und Schnittwarenhändler Jakob Wolf Dickerlein hervor.

Auch der Gemeindeausschuss lehnte Wannbachers Plan ab: „In dem kleinen und unbedeutenden Ort“ wolle man keinen „fünfzehnten Schnittwarenhändler“ aufnehmen – ein Hinweis darauf, dass auch die meisten anderen ortsansässigen Juden Handel mit Textilien trieben.

1839 hatte er mehr Glück

Zwei Jahre später hatte David Wannbacher mehr Glück. 1839 stellte er einen neuen Antrag. Er wollte sich nun auf den „Landkramhandel“ verlegen und nebenbei auch Schnittwaren anbieten. Am 12. Dezember 1839 traten der Gemeindeausschuss und der Armenpflegschaftsrat von Hagenbach zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Die Gemeinde Hagenbach war vertreten durch den Gemeindevorsteher Peter Kraft, den Gemeindepfleger Johann Georg Steinbrecher und die Gemeindebevollmächtigten Johann Sebald, den Wirt Karl Lasalle und Johann Prütting. Aber auch der evangelische Pfarrer Helmreich aus Hetzelsdorf, der Distriktsrabbiner Aron Seligmann sowie der „israelitische Cassir“ Löw Pretzfelder nahmen an der Sitzung teil.

Schuldenfrei

Das Gesuch wurde positiv entschieden. Folgende Gründe wurden angeführt: Wannbacher sei im Besitz eines neu erbauten, schuldenfreien Wohnhauses und besitze außerdem „ein namhaftes Kapitalvermögen in baarem Gelde“. Man erwartete, dass „der Bittsteller durch sein Geschäft als Landkrämer ein hinreichendes Auskommen findet, indem Moses Hutzler, der dieses Gewerbe ausübte, bereits nach Amerika ausgewandert war“. 1840 bekam Wannbacher die Matrikelstelle des verstorbenen Abraham Moses Hutzler. In der Folgezeit wurde er sogar der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Hagenbach.

Die Wende zum Besseren

Die Wende zum Besseren für alle bayerischen Landjuden kam 1861. Der Matrikelparagraf wurde aufgehoben. Die Juden durften ihren Wohnsitz nun frei wählen. Sie konnten die Enge der Dörfer verlassen und in den Städten ein neues, freieres Leben beginnen. Ob auch David Wannbacher diese Chance ergriffen hat, ist nicht bekannt.

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