Tourismus
Gibt es endlich Toiletten für Touristen?
In der Fränkischen Schweiz sind in Corona-Zeiten Ausflügler oft auf der verzweifelten Suche nach Toiletten.
In der Fränkischen Schweiz sind in Corona-Zeiten Ausflügler oft auf der verzweifelten Suche nach Toiletten.
Foto: Caroline Seidel, dpa
LKR Forchheim – Wenn Ausflügler in der Fränkischen Schweiz mal dringend müssen, wird dies wegen fehlender Toiletten zum Problem. Ein Pilotprojekt soll jetzt helfen.

Auf Einladung des Kreisverbands Forchheim der Grünen nahmen sachkundige Personen an der Online-Konferenz „Tourismus im Einklang mit Umwelt und Natur?“ teil.

Matthias Helldörfer, Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, Christoph Hurnik, Geschäftsführer Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura, Ulrich Buchholz, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz (BN), und MdL Christian Zwanziger (Grüne), Sprecher für Landesentwicklung und Tourismus, beleuchteten das Thema aus ihrem jeweiligen Blickwinkel, wobei sich alle einig waren: Für den Tourismus in der Fränkischen Schweiz sei es gut, dass sich mehr Menschen für Urlaub oder Naherholung vor Ort entscheiden, doch die Infrastruktur müsse stimmen.

Sanfter Tourismus

Zuerst einmal sei die Region Heimat und Erholungsgebiet für die Menschen, die dort leben. Viele leben auch vom Tourismus. Hier sehe man einen sanften, naturfreundlichen Tourismus als Ziel aller Bemühungen.

Uli Buchholz betonte, dass die Natur auch als Wert „an sich“ betrachtet und erhalten werden müsse. Nicht die gesamte „Fränkische“ leide unter Überlastung, das treffe vor allem die Hotspots Walberla, Bierwanderwege und die Sinterterrassen in Weißenohe.

Die Urlauber und Tagesausflügler würden in Corona-Zeiten auf eine sehr eingeschränkte Infrastruktur treffen. Für Toiletten wurde bisher die Gastronomie als ausreichend angesehen – die durfte nun aber nur Essen zur Abholung ausgeben und keine Toiletten öffnen.

Wie in vielen Bereichen machte die Corona-Lage nur schon bestehende Missstände sichtbar: Nicht alle wollen oder können beim Wandern, Spazierengehen, Klettern oder Radeln auch ins Gasthaus, Toiletten seien dennoch hilfreich und sinnvoll. Da mehr Familien mit Kindern und auch Senioren unterwegs seien, sei der Bedarf gestiegen. Wilde Hinterlassenschaften zerstören die Natur und gefährden das Trinkwasser.

Pilotprojekt in Schlaifhausen

Als erste Entlastung sollen als Pilotprojekt in Schlaifhausen zwei Komposttoiletten aufgestellt werden sowie in Kirchehrenbach eine kanalgebundene. In der Konferenz wurde deutlich: Die Gastronomie könne ein Projekt wie auch in den Städten unterstützen: die „nette Toilette“. Wer nichts verzehrt, kann einen kleinen Obolus bezahlen, wenn er eine saubere Toilette benutzen darf.

Zu wenig Ranger

Christoph Hurnik zeigte auf, dass es nur vier Naturparkranger gibt, jeder also eine Fläche von 600 Quadratkilometern zu begehen und zu kontrollieren habe; in anderen Naturparks seien dies 100 pro Ranger. Auch könne es niemandem allein empfohlen werden, Touristen auf Regeln oder Fehlverhalten hinzuweisen. Auch Naturschutzwächter der Region sind allein unterwegs: Sie meldeten zwar Verfehlungen, trauten sich aber nicht, die Personalien festzustellen. Allerdings werde fotografiert, was aber eine Verfolgung kaum ermögliche.

Die Polizei hat jetzt Naturschutzbeauftragte, die in Zukunft dann eine Begehung mit zwei Personen ermöglicht. Auch die Zahl der Ranger soll aufgestockt werden. In Aussicht steht eine Person mit 90-prozentiger Förderung vom Land.

Mit Bus und Rad

Die Gastgeber, die sich zertifizieren und klassifizieren lassen müssen, verweisen auf fehlende Radwege sowie den Mangel an ÖPNV-Verbindungen zur An- und Abreise. Gerade auch eine Gästekarte für die gesamte Region und entsprechend gut getaktete Verbindungen könnten hier den sanften Tourismus unterstützen.

Wer jederzeit mit dem Bus zurück in die Ferienwohnung oder nach Hause komme, könne unbeschwert das Auto stehen lassen und habe mehr Möglichkeiten als Rundwege am Parkplatz.

Bei der Frage nach dem gemeinsamen Tourismuskonzept (gibt es seit 2017) spiele Nachhaltigkeit bisher eine untergeordnete Rolle. Gerade Mountainbiker seien außerhalb der touristischen Angebote vernetzt. Christian Zwanziger sieht die Politik in der Pflicht: Hier könnten Regularien geschaffen werden, dass Naturschutzgebiete gar nicht als mögliche Pfade angezeigt werden.

Insgesamt, so die Bilanz, könne eine solche Diskussion nur den Anfang machen. Hier werden auch in Zukunft die verschiedenen Akteure zusammenkommen und Lösungen erarbeiten müssen.

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