Corona-Langeweile
Fünf Bücher, die Sie jetzt lesen sollten
Immer wieder einen Blick wert: Marion Schmidt blättert in  einer ihrer Literaturempfehlungen - Rachel Elliotts ,Bären Füttern verboten‘. Die Forchheimer Buchhändlerin hat aber noch weitere Buchtipps mitgebracht.
Immer wieder einen Blick wert: Marion Schmidt blättert in einer ihrer Literaturempfehlungen - Rachel Elliotts ,Bären Füttern verboten‘. Die Forchheimer Buchhändlerin hat aber noch weitere Buchtipps mitgebracht.
Foto: Sven Dörr
Forchheim – Viele Menschen kämpfen gegen den Corona-Frust. Bücher können dabei eine große Hilfe sein. Eine Forchheimer Expertin gibt Empfehlungen.

Bewegungsfreiheit, Gruppenaktivitäten, menschliche Nähe oder flexible Freizeitgestaltung: Das Coronavirus und der Lockdown nehmen vielen Menschen einen Großteil ihrer Lebensqualität. Positiv formuliert, gibt ihnen der aktuelle Ausnahmezustand aber auch etwas, das oftmals zu knapp bemessen ist: Zeit. Damit die nicht zur lästigen Langeweile wird, hilft der Griff ins Bücherregal.

Warum das eine gute Idee ist, beschreibt FT-Volontär Sven Dörr in seinem Kommentar.

"Viele bleiben daheim und lesen jetzt", sagt Marion Schmidt. Die Inhaberin der Bücherstube an der Martinskirche sprach mit uns über Literatur, über ihr Geschäft in Zeiten des Lockdowns und hat fünf Leseempfehlungen gegen die Langeweile.

1. T.C. Boyle: Sprich mit mir

Der Schimpanse Sam wächst unter Wissenschaftlern auf. Die kümmern sich um ihn, als sei er ein menschliches Kind. So zeigt der Affe nach und nach menschliche Verhaltensmuster und tauscht sich per Gebärdensprache mit seinen Betreuern aus. Als die schüchterne Aimee zur Gruppe stößt, entwickelt sich eine innige Beziehung zwischen der jungen Frau und Sam. Nachdem der von der Universität für Tierversuche beschlagnahmt wird, ist Aimee am Boden zerstört – und fasst einen Entschluss.

Marion Schmidt:",Sprich mit mir‘ ist für mich ein sehr lesenswertes und nachdenkenswertes Buch. Da stecken sehr viele Anregungen drin. Auch weil es gut recherchiert ist und sehr viele Querverweise zur Primatenforschung zu finden sind."

2. Rachel Elliott: Bärenfüttern verboten

Sydney Smith wagt an ihrem 47. Geburtstag eine Reise an einen Ort, den sie lange gemieden hat: St. Ives an der Südküste Englands. Dort wird sie mit einem schmerzhaften Moment aus ihrer Vergangenheit konfrontiert – und trifft außergewöhnliche aber liebenswerte Menschen. Alle eint die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ihre Einzelschicksale verweben sich zu einer Handlung voller Trost und Hilfsbereitschaft.

Marion Schmidt: "Es ist eine wunderbare Geschichte rund um die Frage: ,Wer bestimmt mein Leben?‘ Auch wegen der vielen skurrilen Personen, macht das Buch richtig Spaß."

3. Lina Bengtssdotter: Löwenzahnkind

Als in Gulspang, einer westschwedischen Kleinstadt, ein 17-jähriges Mädchen spurlos verschwindet, schickt die Stochholmer Polizei ihre fähigste Ermittlerin: Charlie Lager. Dass das Städtchen in ihrer eigenen Vergangenheit eine düstere Rolle spielte, erschwert Lager die Arbeit.

Marion Schmidt:"Löwenzahnkind ist ein richtiger Krimischmöker. Ich finde ihn deshalb so spannend, weil er eine völlig andere Wendung nimmt als erwartet. Oft ist es ja so, dass man nach den ersten paar Seiten weiß, wie der Krimi endet. Das ist hier anders."

4. John Vermeulen: Der Maler des Verborgenen

Der historische Roman erweckt Leonardo da Vinci und die italienische Renaissance zum Leben: Die Kindheit und die Lehrjahre des genialen Künstlers in Florenz sowie sein Schaffen für die Patrizierfamilien der Medici und der Borcia .

Marion Schmidt: "Das ist ist ein tolles Buch mit einem schönen, leisen Erzählfluss. Man lernt da Vinci von innen heraus kennen."

5. Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Hanna ist 27 Jahre alt und wartet darauf, dass das wahre Leben beginnt. Ihre 100-jährige Großmutter hingegen wartet auf den Tod. Ein Brief aus Israel über die Erbschaft eines Kunstvermögens verändert schließlich alles. Hanna wird mit einem Teil ihrer Familiengeschichte konfrontiert, der ihr völlig unbekannt war.

Marion Schmidt: "Das geht ein bisschen in die Kunstrichtung. Die Geschichte ist mit feinem Humor geschrieben. Da kann man sich richtig vertiefen – ein wirklicher Schmöker für lange Abende."

Was macht ein gutes Buch aus?

"Ein Buch muss auf den ersten Seiten schon fesseln und mir neue Welten erschließen", beschreibt Marion Schmidt ihre Vorstellung von einer guten Lektüre. Zudem soll die Geschichte zum Nachdenken anregen, erklärt sie weiter. Ein gut recherchierter Roman könne außerdem ein Anstoß zur weiteren Recherche sein. Somit fördern viele Bücher auch die Allgemeinbildung, selbst wenn sie Fiktion sind.

Das sprachliche Vergnügen ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für Marion Schmidt. "Die meisten Bücher erfüllen aber natürlich nicht alles", bedauert die gebürtige Unterfränkin. Deshalb greift sie gerne zu den Klassikern von Dostojewski, Tolstoi oder Kafka – in gebundener Form, nicht als E-Book. "Ein Buch in die Hand zu nehmen, hat auch etwas sinnliches. Du kannst einfach mal zurückblättern oder dir auch etwas anstreichen, wenn es wichtig ist", sagt Schmidt. Die Forchheimerin hebt auch die ansprechende Gestaltung einiger Verlage hervor: "Die sind oft gut gebunden und haben einen schönen Umschlag." Den praktischen Wert eines E-Books stellt Schmidt indes nicht in Frage – besonders als Hilfsmittel für den Urlaub.

Click & Collect

Während des Lockdowns ist die Ware der Bücherstube an der Martinskirche per Click & Collect zu bekommen. Hierzu können sich die Kunden telefonisch oder online melden und ihre Bestellung durchgeben. Anschließend geht es ans Abholen. Ein Terminplan gibt feste Zeiten vor. "So hat der Kunde die Sicherheit, dass er alleine vor dem Schalter steht."

Die dortigen Kundengespräche fallen aktuell kurz aus, ausführlichere Beratung gibt es nur per Telefon. Aber auch die sei nicht vergleichbar mit dem herkömmlichen Austausch im Geschäft, sagt Marion Schmidt. "Da fehlt einfach was – vor allem die Interaktion mit den Kunden. Ich halte ganz gerne mal ein Schwätzchen und zeige neue Bücher. Das ist telefonisch schwierig."

Trends im Lockdown

Während der Corona-Krise sind der Buchhändlerin bestimmte Trends in Sachen Bücherwahl aufgefallen. So seien vor allem Bastel- und Beschäftigungsbücher sehr beliebt. Bücher über Wirtschaft oder gesellschaftliche Themen fänden ebenfalls Abnehmer. Aber auch Abenteuergeschichten und humorvolle Lektüre seien nach wie vor gefragt.