Immer wieder Raser
Baiersdorf: Mit Bleifuß durch die Innenstadt
Die umgebaute und verkehrsberuhigte Hauptstraße in Baiersdorf, die vermehrt wieder vom Durchgangsverkehr genutzt wird. Trotz der 20er-Zone werden die Geschwindigkeitsübertretungen immer mehr.
Die umgebaute und verkehrsberuhigte Hauptstraße in Baiersdorf, die vermehrt wieder vom Durchgangsverkehr genutzt wird. Trotz der 20er-Zone werden die Geschwindigkeitsübertretungen immer mehr.
Foto: Karl Heinz Wirth
Baiersdorf – Messungen beweisen es: Zu schnelles Fahren gehört in Baiersdorf zur Tagesordnung. Wie geht es jetzt weiter?

Aufgrund zahlreicher Beschwerden von Bürgern bezüglich der Geschwindigkeitsübertretungen im Stadtgebiet wurden zwischen 25. März und 30. April gemeinsam mit der gemeinnützigen Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit (gGKVS) Testmessungen an unterschiedlichen Stellen in Baiersdorf durchgeführt. Die Ergebnisse hierzu stellte Martin Bischof von der gGKVS in der jüngsten Stadtratssitzung dem Gremium vor.

Hotspots in den 30er-Zonen

Zu schnelles Fahren ist in Baiersdorf kein Einzelfall. „Da gibt es schon Hotspots in den 30er-Zonen und an den Bushaltestellen“, räumte Bischof in seinen Ausführungen ein. Jede Messstelle war 24 Stunden in Betrieb. Dass in Baiersdorf die Geschwindigkeit auf der Tacho-Anzeige häufig nicht dem vorgeschriebenen Tempo entspricht, zeigten die Messdaten auf, die Bischof den Räten erläuterte.

So wurden bei Wellerstadt bei 1356 Kraftfahrzeugen 771 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. In der Hauptstraße, die mit 20 km/h ausgewiesen ist, wurden bei 2136 Fahrzeugen 40 Prozent der Fahrer mit Geschwindigkeiten zwischen 50 und 61 km/h gemessen. Bei den Messungen hat sich ergeben, dass in den Tempo-30-Zonen fast die Hälfte der Fahrer zu schnell ist, in den Ortsteilen hatte jeder zweite Fahrer „zu viel drauf“.

Bushaltestellen: zu viele zu schnell

Besonders gravierend sind die Überschreitungen an den Bushaltestellen, so Bischof. Das merkte man besonders in Hagenau, dort wurden 1097 Fahrzeuge registriert, wovon 28 Prozent an der Bushaltestelle große Auffälligkeiten zeigten, die mit 67 bis 77 km/h im Busgeld- und Führerscheinentzugsbereich lagen. „Das mag vielleicht auch daran liegen“, so Bischof, „dass durch die einseitige Bebauung der Innerorts-Charakter nicht eindeutig erkennbar ist.“ Dennoch besteht an den Bushaltestellen erhöhter Handlungsbedarf. Auf dem Weg zu mehr Geschwindigkeitsmoral muss die Stadt noch stärker auf eine Sensibilisierung der motorisierten Verkehrsteilnehmer setzen. Eines wurde allen im Gremium klar, dass von den vorgestellten Messergebnissen 40 Prozent im Verwarnungsbereich und sehr viele Verstöße im Führerscheinentzugsbereich liegen.

Dienstleister für kommunale Verkehrsüberwachung

„Tempomessungen und Hinweise an die Autofahrer zu den massiven Geschwindigkeitsüberschreitungen sind jedoch nur ein Baustein“, sagte Zweite Bürgermeisterin Erhardt-Odörfer (SPD). Mit Blick auf eine künftige kommunale Verkehrsüberwachung gelte es zu berücksichtigen, dass das Personal dazu fehle. Sinnvoller sei es, dass diese Aufgabe ein externer Dienstleister übernimmt. „Zu schnelles Fahren ist in Baiersdorf seit Jahren ein sensibles Thema“, stellte die Bürgermeisterin heraus. Verstöße würden neben den 30er-Zonen auch auf den gut ausgebauten Straßen in den Ortsteilen registriert. Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird in einer der nächsten Stadtratssitzungen fallen.