In Ebermannstadt
Angehörige fürchten um die Würde ihrer Toten
Dieter Kemmerth steht am Urnengrab seiner Mutter.
Dieter Kemmerth steht am Urnengrab seiner Mutter.
Foto: Carmen Schwind
Ebermannstadt – Ein würdevolles Grab für seine Mutter, das wünscht sich Dieter Kemmerth. In Ebermannstadt ist das derzeit unmöglich. Was ist der Grund?

Traurig steht Diether Kemmerth vor dem Grab seiner Mutter am Friedhof Ebermannstadt. „Sie hat sich ein schönes Grab gewünscht“, sagt er. Doch diesen Wunsch kann er ihr derzeit nicht erfüllen: „Der beauftragte Unternehmer kann nichts machen, weil keine Satzung beschlossen wurde.“

Deshalb fragt sich Kemmerth, ob den Stadträten bewusst ist, dass ihr Handeln Auswirkungen hat. Seine 2019 verstorbene Mutter wollte nach ihrem Tod verbrannt werden. Die Urne sollte in Ebermannstadt begraben werden. „Sie wollte in keinem Fall ins Kolumbarium, sondern es sollte ein Urnengrab sein“, erzählt Kemmerth.

Bei Bestattungen auf dem Friedhof in Ebermannstadt gibt es Verzögerungen.
Bei Bestattungen auf dem Friedhof in Ebermannstadt gibt es Verzögerungen.
Foto: Carmen Schwind

Nach der Beisetzung wollte die Familie erst warten, bis sich die Erde gesetzt hatte. In diesem Jahr sollten nun Grabstein und Einfassung gemacht werden. Deshalb war ein Steinmetz in Erlangen beauftragt worden. „Meine Mutter soll eine würdevolle Grabstätte bekommen. Schließlich war ihr das wichtig; auch ein schön gepflegtes Grab“, berichtet Diether Kemmerth und schüttelt unglücklich den Kopf: „Da, schauen Sie! Jetzt liegt sie unter vier zusammengeschraubten Brettern unter einem Holzkreuz.“

Immer mehr Holzkreuze

Kemmerth zeigt auf weitere Holzkreuze am Friedhof: „Es sieht so aus, als ob es aktuell mehr Holzkreuze am Friedhof gibt. Vielleicht haben diese Familien die gleichen Probleme?“ Denn er erhielt ein Schreiben vom Steinmetz-Unternehmen, dass derzeit nicht klar sei, welche Materialien und welche Ausstattung am Friedhof Ebermannstadt möglich seien.

Das Urnengrab kann nicht hergerichtet werden.
Das Urnengrab kann nicht hergerichtet werden.
Foto: Carmen Schwind

„In der letzten Stadtratssitzung hätte das ja entschieden werden sollen. Ich war erstaunt, dass Satzung und Friedhofsgebühren nicht beschlossen wurden. Das bedeutet, dass es noch dauern wird, bis das Grab meiner Mutter eingefasst werden kann“, meint Kemmerth. Er sagt, dass er den Unternehmer verstehe. Denn man brauche Aussagen, wie ein Grab auszusehen habe: „Sonst könnte einer auf die Idee kommen und eine Drei-Meter-Stahlsäule auf ein Grab machen.“

Erwartung an die Stadträte

Er wundere sich, denn nach seiner Meinung seien sich die Räte im Vorfeld einig gewesen und der Rahmenplan sei schon länger vorgelegen: „Ich erwarte von den Stadträten, dass sie die Aufgaben ihrer Wahl zum Vertreter der Bürger der Stadt Ebermannstadt wahrnehmen, Entscheidungen zum Wohle der Stadt und deren Bürger treffen und ihre politischen Plänkeleien nicht auf den Rücken der lebenden und in diesem Fall sogar verstorbenen Bürger austragen.“

Nur vorläufige Bescheide

Auch die Stadtverwaltung Ebermannstadt ist von der Entscheidung des Stadtrates betroffen. Gerti Lang, Leiterin des Hauptamtes, erzählt von der Mehrarbeit, weil aktuell nur vorläufige Bescheide herausgegeben werden könnten. Für einen endgültigen Bescheid seien eine Satzung und eine Friedhofsgebührenordnung nötig. Die Situation rufe den Unmut der Bürger hervor, berichtet sie.

Lesen Sie auch:

„Außerdem haben wir so viel Zeit und Arbeit in das Thema gesteckt“, erklärt Gerti Lang. Es habe eine Friedhofsgruppe mit Bürgern gegeben. Die Verwaltung habe Begehungen mit verschiedenen Fachleuten unternommen. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht und bei anderen Friedhofsverwaltungen nachgefragt, wie die das machen“, berichtet die Hauptamtsleiterin. Die Enttäuschung sei groß, weil trotz der vielen Vorbereitungen kein Beschluss gefasst worden sei. Auch sie weist darauf hin, dass der Stadtrat gewählt worden sei, um die Bürger zu vertreten und Entscheidungen zu treffen.

Auch sei das Thema schon lange bekannt. Jetzt stelle sich die Frage, wie man eine schnelle Lösung finden soll. Und wenn Bürger befragt werden sollen: Wie sollte diese Frage lauten?