Marktgemeinderat
Hickhack um Heimatdorf Fränkische Schweiz
Die Veranstaltungshalle des Heimatdorfs Fränkische Schweiz für 180  Personen steht schon länger und wird auch schon für Feiern genutzt. Nun  dürfen nur noch 130 Personen bis 22 Uhr in der Feierhalle sein.
Die Veranstaltungshalle des Heimatdorfs Fränkische Schweiz für 180 Personen steht schon länger und wird auch schon für Feiern genutzt. Nun dürfen nur noch 130 Personen bis 22 Uhr in der Feierhalle sein.
Foto: Thomas Weichert
Gößweinstein – Marktgeschäftsleiter Peter Theim ist stinksauer: Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien eine Sauerei.

„Das mir unterstellt wird, dass ich diesen Einwand nicht bearbeitet habe, ist gelinde gesagt eine Sauerei“, betonte gleich drei Mal hintereinander der sichtlich sehr verärgerte Geschäftsstellenleiter Peter Thiem als es erneut um die Aufstellung des Bebauungsplans „Morschreuth Steckelacker“ zur Errichtung des sogenannten „Heimatdorfs Fränkische Schweiz“ ging.

Der Billigungs- und Auslegungsbeschluss wurde, wie berichtet, vertagt, weil es um die Frage ging, wie viele Personen sich gleichzeitig in der bereits bestehenden Veranstaltungshalle aufhalten dürfen. Tanja Rost (JuF) hatte daher beantragt, die Personenanzahl von bisher 180 auf 90 zu reduzieren. Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) hatte diese Entscheidung vertagt, weil er erst mit dem Investor Thomas Merz sprechen wollte. Dreimal wiederholte Thiem eingangs der erneuten emotionalen Debatte seine Verärgerung deshalb, weil er hinter seiner FFP-2 Maske wohl nicht für alle verständlich war. Georg Lang (CSU) hatte kritisiert, dass er nichts verstehe und forderte dazu auf, wenigstens bei einer Wortmeldung die Maske abzunehmen. Was er selbst dann auch tat.

Ausdrücklich betonte Thiem, dass sich Bernhard Vogel (SPD) bei ihm inzwischen entschuldigt habe, nachdem Vogel ihm während der letzten Sitzung vorgeworfen hatte, von Thiem über den Tisch gezogen worden zu sein.

Zimmermann beendete die anfänglichen Plänkeleien mit dem Hinweis das es heute darum gehe, wie viele Personen sich gleichzeitig in der „Hütte“ aufhalten dürfen.

Investor ist kompromissbereit

„Nach Rücksprache mit dem Investor bezieht sich die Personenanzahl auf die Nutzung der Halle. Der Investor kann die Bedenken verstehen. Er ist auch kompromissbereit und hat kein Problem damit, die Personenanzahl auf 130 Sitzplätze zu beschränken“, fuhr Zimmermann fort. Thiem betonte, dass die 130 aber nur für das Gebäude gelten. „Wenn ich daneben noch einen Pavillon aufstelle, sind es mehr“, meinte dazu Dietmar Winkler (CSU). „Punkt 22 Uhr ist Schluss und bis dahin können auch 3000 Leute rein und, wenn sie nicht Schnarchen, ist das auch in Ordnung“, dazu Thiem, denn es gehe hauptsächlich um die Lärmentwicklung. „Die 22 Uhr gilt ja nicht für den Platz und die Veranstaltungshalle, sondern nur für den Parkplatz“, stellte Rost nun fest. „Man vergisst, dass die Werte das Wichtigste sind und es funktioniert doch nicht, dass man auch schon um 15 Uhr beschränkt“, so Thiem. „Es können auch 500 Leute draußen sein, wenn die Dezibelzahl eingehalten wird und besser 130 Leute in der Hütte, als 30 draußen“, so Zimmermann, der betonte, dass man das Immissionsthema ausführlich mit dem Landratsamt erläutert habe. „

Wenn man das jetzt grundsätzlich in Frage stellt, dann fällt mir auch nichts mehr ein, was ich dem noch entgegnen soll“, so Zimmermann. „Wenn 23 Uhr verstrichen ist, darf es nicht lauter sein als 90 Dezibel und dann müssen in er Hütte alle Türen und Fenster zu sein“, nun Vogel. Dem widersprach Zimmermann, denn sie dürfen auch rausgehen. „Keiner weiß ja, was in zwei Jahren kommt“, dazu Maximilian Sebald (JuF). „Das stimmt so nicht, weil das Schallschutzkonzept mit dem Bebauungsplan abgestimmt ist“, konterte Thiem.

Sebald sprach nun von einem Dorf im Dorf mit 130 in der Hütte und 80 draußen. „Die Festsetzungen des Bebauungsplans gelten nicht nur für Thomas Merz“, betonte nun Lang. Er appellierte, einen guten Kompromiss zu finden. „Die sicherste Lösung für alle beteiligen ist, das um 22 Uhr Schluss ist“, ergänzte Lang. „Ich habe nicht verstanden, was der Unterschied zwischen 90 und 130 ist“, meldete sich nun Daniela Drummer (FW) zu Wort, für die es wichtig ist, dass die Menschen, die dort wohnen, geschützt werden.

Andererseits sei eine Tourismusgegend aber auch davon abhängig, dass in Sachen Tourismus etwas passiert und außerdem habe man dem Investor in Aussicht gestellt, dass er sein Konzept umsetzen kann“, so die FW-Chefin, die betonte, dass es für sie eine schwere Entscheidung sei, weil sie alle Seiten verstehen könne.

Für Carolin Keller (FW) ist die Personenzahl von 130 ein faires Entgegenkommen. „Ich würde keinen Stein mehr in den Weg legen“, so Keller. „Was ist mit den anderen Veranstaltungen in der Gemeinde, müssen wir die dann auch um 22 Uhr beschränken?“, wollte daraufhin Markus Neuner (BMG) wissen. „Über 22 Uhr hinaus kann er jederzeit eine Ausnahmegenehmigung beantragen“, dazu Lang. „Dann kann man aber auch für eine Erhöhung der Personenanzahl eine Ausnahme genehmigen“, gab Georg Bauernschmidt (SPD) zu denken.

„Den Leuten ist man schon massiv entgegenkommen, weil der Zeltplatz weggefallen ist, stellte Thiem fest und betonte, dass die Werte des Gutachtens eingehalten werden müssen. „Der Veranstalter kann jeden Tag eine Veranstaltung für zwölf Stunden mit 108 Dezibel abhalten. Dies entspricht der Lautstärke eines andauernd startenden und landenden Hubschraubers“, konterte Vogel, der vieles in dem Konzept für unrealistisch ansah. „Im Konzept stehen 35 Veranstaltungen pro Jahr. Dann ist im Sommer dort jedes Wochenende Remmidemmi und mir tun die Anwohner leid“, betonte Winkler, der keine moralische Verpflichtung sah, dem zuzustimmen. „Das wäre in etwa so, wenn jemand kommt und will neben der Basilika ein Atomkraftwerk bauen“, so der Metzgermeister weiter.

Nun ließ Zimmermann über den Antrag von Rost zu einer Reduzierung von 90 Personen in der Halle abstimmen. Diese endete mit 8 : 8 Stimmen und war daher abgelehnt.

CSU/JuF-Fraktionschef Sebald beantragte daraufhin eine kurze Sitzungsunterbrechung, die auch gewährt wurde, nachdem Zimmermann nun über die 130 abstimmen lassen wollte. Nach der Beratung der CSU-JuF-Fraktion erklärte Lang, das man einem Beschluss mit 130 zustimmen würde, wenn um 22 Uhr Schluss ist. Zimmermann ließ nun zunächst nur über die 130 ohne Zeitbegrenzung abstimmen. Dies wurde mit 7 : 9 Stimmen abgelehnt.

Daraufhin ließ Zimmermann über die 130 mit Zeitbegrenzung 22 Uhr abstimmen. Dies wurde nun mit 9 : 7 Stimmen angenommen. „Dies bedeutet nun, dass nach 22 Uhr keine Personen mehr den Raum betreten darf“, interpretierte der Rathauschef nun diesen abschließenden Beschluss. Nun wollte sich Vogel wieder melden, was Thiem zunächst mit dem Hinweis quittierte das er kein Rederecht habe, weil er einen kurzfristig zuvor eingereichten Anwohnerantrag mitunterschrieben habe. Dies nahm Thiem unmittelbar darauf zurück, da Vogel diesen Antrag lediglich abgegeben hat.

Vogel wollte nun wissen, wie das Landratsamt auf diesen Antrag reagiert hat. „Jetzt zweifelst du auch noch an, das es mit dem Landratsamt abgestimmt ist“, gab ihm Thiem zurück und betonte, das er diese Frage nicht beantworten kann, weil dies der Planer mit dem Amt abgestimmt habe. Gegen die Aufstellung des Bebauungsplans stimmten am Ende Vogel, Lang und Rost. Nun kann die zweite Planauslegung mit den beschlossenen Änderungen erfolgen.