Kommentar
Tempo 30-Diskussion: „Da läuft was falsch“
Ekkehard Roepert
Ekkehard Roepert
Foto: Barbara Herbst
Forchheim – Solange man Passanten und Radfahrer nicht in den Mittelpunkt stellt, sind Klagen über Unfallschwerpunkte sinnlos, meint FT-Redakteur Ekkehard Roepert.

Wie jetzt in Heroldsbach, gehen die Rufe nach Tempo 30-Zonen oft einher mit Vorwürfen, die Behörden würden nicht angemessen handeln. Oder mit der Vorstellung, man müsse nur den Druck auf die Behörden erhöhen, um die eigenen Wünsche durchzusetzen. Dahinter steckt die irrige Meinung, dass immer dann, wenn man nicht Recht kriegt, die andere Seite keine Ahnung vom Sachverhalt hat.

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Würde jede Kommune über ihre eigenen Tempo 30-Zonen entscheiden, dann müsste sie dies auch mit Hilfe von Experten tun, die Straßenbau, Verkehrssicherheit und Gesetzeslage beurteilen. Was also ist der Unterschied zur Unfallkommission des Landkreises? Sie entscheidet ja nicht vom grünen Tisch aus, sondern analysiert vor Ort. Dass sie dabei in verschiedenen Kommunen zu verschiedenen Ergebnissen kommt, zeigt, dass hier Experten am Werk sind, die sehr wohl jene Flexibilität haben, die ihr unzufriedene Kritiker absprechen.

Liegen Kritiker schief?

Liegen die Kritiker demnach völlig schief? Nein. Denn die Verkehrswende, die in den Rufen nach Tempo 30 mit aufgerufen wird, will mehr, als nur Fachdiskussionen über Unfallschwerpunkte. Sie will ein Umdenken, was die Rechte der Verkehrsteilnehmer betrifft. Solange die Sicherheit von Passanten und Radfahrern davon abhängt, dass der motorisierte Verkehr mühsam durch Schikanen, Schwellen oder Zonen in Zaum gehalten wird, läuft was falsch.

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Die Niederländer machen es längst vor: Selbst in großen Städten gehören die Straßen zuallererst den Radfahrern. Autofahrer sind nur noch Gäste. Menschen müssen im Mittelpunkt der Planung stehen, nicht Autos. In Heroldsbach, wo jahrelang an der Ortsdurchfahrt gebaut wird, ist es genau umgekehrt. Erst wenn 2024 alles fertig ist, soll beraten werden, ob auch was für die Menschen im Ort getan werden kann.

Solange dieses verplante Verkehrsdenken vorherrscht, werden die vergeblichen Rufe nach Tempo 30 nie verstummen.