Verkehrssicherheit
Lkw-Kontrolle ohne anzuhalten
Horst Thiemt erläutert Innenminister Joachim Herrmann die digitalisierten Arbeitsplätze im neuen Kontrollfahrzeug der Polizei.
Horst Thiemt erläutert Innenminister Joachim Herrmann die digitalisierten Arbeitsplätze im neuen Kontrollfahrzeug der Polizei.
Foto: Karl Heinz Wirth
F-Signet von Karl-Heinz Wirth Fränkischer Tag
LKR Forchheim – Unfälle, an denen Lastwagen beteiligt sind, gehen oft verheerend aus. Ein neues Fahrzeug der fränkischen Polizei soll die Straßen sicherer machen.

Überladungen, Manipulationen, Tempo-Überschreitungen und Nichteinhaltung der Lenkzeiten: Die Polizeikontrollen von Lastern sind aufwendig.

Die Beamten verlassen sich hier hauptsächlich auf ihre Erfahrung und den siebten Sinn, wie Staatsminister Joachim Herrmann es formulierte.

Auf dem Parkplatz Regnitztal an der A 73 stellte er ein neues Schwerverkehrskontrollfahrzeug, das mit spezieller Detektionstechnik ausgestattet ist, vor.

Für ein Jahr erprobt

Seit Anfang August wird es für ein Jahr in einem Pilotprojekt von den Beamten des Polizeipräsidiums Oberfranken erprobt. „Darauf aufbauend wird geprüft, ob man für die Bayerische Polizei weitere solche Spezialfahrzeuge anschafft“, kündigte Herrmann an.

Der VW Crafter wurde zur besseren Erkennbarkeit auf Autobahnen mit Signalfarben foliert. „Wir wollen nicht verdeckt, sondern mit offenem Visier arbeiten“ betonte Herrmann.

Das Besondere an dem neuen Kontrollfahrzeug: Die Technik erlaubt eine Kontrolle während der Fahrt. Lkw-Fahrer müssen währenddessen nicht anhalten und können zunächst ihre Fahrt fortsetzen.

Effektive Kontrolle

Die Gesamtkosten für Fahrzeug und Technik haben ein Kostenvolumen von 330.000 Euro. Eine sehr gute Investition in unsere Verkehrssicherheit.

„Damit können wir den Lkw-Verkehr gezielter, effizienter und effektiver kontrollieren“, betonte Herrmann. „Wir erhoffen uns, damit noch mehr rollende Zeitbomben aus dem Verkehr zu ziehen, beispielsweise verkehrsunsichere Lkw oder fahruntüchtige Fahrer aufgrund nicht eingehaltener Lenk- und Ruhezeiten.“

Datenschreiber werden in Sekunden ausgelesen

Mit der eingebauten Detektionstechnik können die speziell ausgebildeten Beamten der Polizei die Datenschreiber vorbeifahrender Lkw binnen Sekunden auslesen, erklärt Horst Thiemt Leiter der Verkehrspolizei Hof.

So kann beispielsweise ermittelt werden, ob die vorgeschriebene Fahrerkarte benutzt wird, die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten wurden, Manipulationen am Fahrtenschreiber im Lkw stattgefunden haben und zu einem späteren Umsetzungszeitpunkt auch, ob die Tageslenkzeit überschritten wurde.

Wärmebildkamera mit an Bord

Ein weiterer Sensor prüft die Einhaltung vorgeschriebener Maße des Lkw. Ebenfalls werden Achsen und Reifen mittels einer Wärmebildkamera auf ungewöhnliche Hitzeentwicklung geprüft, die auf technische Defekte bei Bremsen und Radlager hinweisen könnten.

Im Verdachtsfall kann das betroffene Fahrzeug sofort angehalten und genau kontrolliert werden.

„Bayern mobil – sicher ans Ziel“

Wie Innenminister Herrmann deutlich machte, sind verstärkte Lkw-Kontrollen ein wichtiger Baustein im Verkehrssicherheitsprogramm 2030 „Bayern mobil – sicher ans Ziel“.

Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche schwere Lkw-Unfälle. Rund zwei Drittel der Schwerverkehrsunfälle haben Lkw-Fahrer selbst verursacht. Die Gründe: Übermüdung oder technische Mängel.

30 Prozent aller Lkw-Kontrollen finden in Oberfranken statt

Alfons Schieder, Polizeipräsident von Oberfranken, ergänzte in seinen Ausführungen, dass 30 Prozent aller Lkw-Kontrollen in Oberfranken stattfinden.

„Wir wollen effektiver werden, deshalb auch die volldigitalisierten Arbeitsplätze im Kontrollfahrzeug, was die EU seit 2019 einfordert, bis 2025 umzusetzen“, sagt Schieder.

Die erfassten Daten unterliegen vollumfänglich dem Datenschutz und werden bei nichtbeanstandeten Lkw sofort bei Herunterfahren der Computer gelöscht. Darauf weist Horst Thiemt ausdrücklich hin.

 

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