Viele Probleme
Oberfränkische Teichwirtschaft ist gefährdet
Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß fischen den Eckenweiher ab. Neben Karpfen tummeln sich auch etliche Beifische wie Hecht, Wels, Schleie oder Zander im Wasser.
Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß fischen den Eckenweiher ab. Neben Karpfen tummeln sich auch etliche Beifische wie Hecht, Wels, Schleie oder Zander im Wasser.
Foto: Nicole Fleischer
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Aufseß – Reiher, Kormoran und Fischotter dezimieren die Bestände der Teiche in Oberfranken. Abwehrmaßnahmen wie Elektrozäune sind häufig zu teuer. Existenzen sind bedroht.

Schon seit Jahrhunderten lassen die Karpfenteichwirte in Oberfranken im Herbst ihre Teiche ab, um die Ernte einzufahren. In der Lehranstalt für Fischerei des Bezirks Oberfranken in Aufseß demonstrierten die Mitarbeiter diese gängige Praxis am Eckenweiher, dem größten Teich der Anlage, und informierten über die Bedeutung der Teichwirtschaft für die Region.

Große Herausforderungen für 2000 Teichwirte

„Die Teichwirtschaft ist momentan sehr gefährdet, die rund 2000 Teichwirte in Oberfranken müssen große Herausforderungen bewältigen, die teilweise existenzgefährdend sind“, betonte Bezirkstagspräsident Henry Schramm im Rahmen des Abfischens.

Die größten Beeinträchtigungen gebe es durch Reiher, Kormoran und Fischotter.

Abwehrmaßnahmen wie zum Beispiel Elektrozäune seien häufig für die Betriebe, die überwiegend im Nebenerwerb geführt werden, zu teuer. Daher gäben immer wieder Teichwirte auf. „Es gilt, gemeinsam alles zu unternehmen, um günstigere Rahmenbedingungen für die Teichwirtschaft zu schaffen“, forderte Schramm und verwies auf die Bedeutung der Teiche für die Artenvielfalt und den Wasserrückhalt in der Fläche.

Lebensraum für viele Tiere

Teiche sind nicht nur Lebensraum für Fische, sondern für viele andere Tierarten. „Der große Teich auf unserer Anlage ist beispielsweise eines der größten Amphibienlaichgebiete im Landkreis Bayreuth“, bestätigte Thomas Speierl, Fachberater für Fischerei des Bezirks Oberfranken. Neben Tausenden von Erdkröten fühlen sich auch die Ringelnatter, verschiedene Libellenarten und Blesshühner im Uferbereich wohl.

Teiche dienen dem Wasserrückhalt und stärken das Grundwasser, was gerade in langen Trockenperioden von großer Bedeutung ist. Zudem sei der Karpfen in verschiedenen Varianten ein wichtiger Bestandteil der fränkischen Küche und ein hochwertiges, regionales Lebensmittel.

Historisches Erbe der Region

Die Karpfenteichwirtschaft ist ein historisches Erbe der Region: Bereits im Mittelalter wurden in Franken Teiche bewirtschaftet. Am großen Teich in Aufseß zeigten die Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei, die der Bezirk Oberfranken seit 1980 betreibt, beispielhaft die verschiedenen Arbeitsschritte und Bewirtschaftungsformen der Karpfenteichwirtschaft, so auch die Ernte der Fische im Herbst.

Bereits eine Woche vor dem letzten Tag des Abfischens wurden die Abläufe des fast ein Hektar großen Eckenweihers geöffnet, das Wasser floss langsam ab in die Aufseß. Die Fische im Teich – neben Karpfen auch etliche Beifische wie Hecht, Wels, Schleie oder Zander – sammelten sich im immer kleiner werdenden Bereich.

Mit Keschern eingefangen

Durch den gezielt geöffneten Mönch gelangten die Fische vom See in die Abfischgrube. Dort wurden sie mit Keschern gefangen, nach Art sortiert und in Hälterbecken gesetzt. Die Fische werden unter anderem für das Kursangebot in der Lehranstalt genutzt.

Nun bleibt der große Teich der Lehranstalt für Fischerei erst einmal leer, so der Leiter der Lehranstalt, Simon Abt. „Wir hoffen auf richtigen Frost, damit der Teichboden aufbricht und so Luft an den Boden kommt, er sich mineralisiert und der Schlamm sich abbauen kann.“

Spätestens im April wird der Eckenweiher dann wieder mit Wasser gefüllt und es werden neue Fische eingesetzt. Zudem kehren einige besonders imposante Exemplare, darunter auch ein etwa zwölf Jahre alter Karpfen, nach dem Winter in den großen Teich zurück.

 

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