Klima
„Wir müssen die Tür bei der Windkraft aufbekommen“
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber möchte die Energiewende vorantreiben.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber möchte die Energiewende vorantreiben.
Foto: Thomas Pfeuffer
Forchheim – Der Klimawandel wird für kommende Generationen große Probleme bedeuten. Deshalb müsse jetzt gehandelt werden, fordert die Klimaallianz Forchheim.

Die Verantwortung für die kommenden Generationen bedeutet nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, aus der fossilen Energieerzeugung auszusteigen. Deren Freiheitsrechte, so die obersten Richter, werden wegen der Schäden und Kosten eingeschränkt, sagt Barbara Cunningham, die Vorsitzende der Klimaallianz im Landkreis.

Alte Argumente

Anstoß, sich zu Wort zu melden, ist für sie und ihre Mitstreiter die schnelle Ablehnung der Windkraft in Eggolsheim. Dabei stütze man sich auf die gleichen Argumente wie vor Jahren – samt Infraschall, was inzwischen wissenschaftlich ausgeräumt ist. Argumente, die immer wiederholt würden.

Von „Bauchargumenten“ spricht Emmerich Huber. Landschaftsveränderung entstehe auch durch Bauen und Gewerbe. Dort nähme man sie aber in Kauf.

Huber fehlt derzeit eine ehrliche Ansage der Politik. Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat sich dieser Tage, vermutlich als Reaktion auf des Verfassungsgerichtsurteil, schon geäußert.

„Emotionen runterfahren, um eine Lösung zu finden“, sagte Glauber nicht zuletzt mit Blick auf Eggolsheim auf Nachfrage.

Er verstehe, dass Menschen keine Veränderungen wollen, aber die Natur reagiere mit gewaltigen Veränderungen. In den Alpen, aber auch in Franken, wo inzwischen überall Wasser fehle, wie Martin Leipert von der Klimaallianz aus Igensdorf weiß. Dort planen die Obstbauern ein Rückhaltebecken für Winterregen, um im Sommer die Obstbaumbestände bewässern zu können. Auch Glauber befürchtet klimatische Zustände in der Region wie bisher aus Italien bekannt.

Darauf müsse man reagieren, gemeinschaftlich und im Dialog. „Mein Ziel ist ein Klimaschutzgesetz 2.0. Wir wollen den Klimaschutz in der Mitte der Gesellschaft verankern. Wir setzen auf ehrgeizige Ziele. Bayern soll bereits 2040 klimaneutral sein. Bis 2030 wollen wir den Ausstoß der Klimagase um mindestens 65 Prozent reduzieren. Um erfolgreich zu sein, muss Klimaschutz zum Mitmach-Projekt werden. Ich möchte, dass auch die Windkraft eine zentrale Rolle spielt.“

Ist ein Vorgehen wie bei der Heizgemeinschaft Lange Meile die Lösung? Dort werden mit dem Ertrag von 35 Hektar Wald zehn Häuser beheizt. Für 100 Häuser wären wohl 350 Hektar notwendig. Stellte man aber auf die Waldfläche ein Windrad, reiche seine Energieerzeugung für 860 Häuser.

„Es ist ein Holzweg, in Holz einzusteigen“, sagt Cunningham angesichts der benötigten Waldflächen, deren Fortbestand durch die steigenden Temperaturen zudem noch gefährdet ist.

Auf Bayern hochgerechnet, so Christoph Wurmthaler, sind 117 Terrawattstunden Energie notwendig. Will man sie durch Photovoltaikanlagen erzeugen, müssten nahezu zehn Prozent der unbebauten Fläche Bayerns, rund 700 000 Hektar, bestückt werden. Um diese Energie durch Windkraft zu erzeugen, brauche man 9750 Hektar, die trotzdem aber noch landwirtschaftlich genutzt werden können.

„Wir müssen die Tür bei der Windkraft aufbekommen, wenn wir beim Klimaschutz erfolgreich sein wollen“, sagt dazu der Minister. Er denkt dabei an ein Bündel von Maßnahmen von neuen Anlagen bis hin zu den Themen Repowering und Windkraft im Staatswald.