Häusliche Gewalt
Beziehung endet vor Gericht
Eine junge Frau fiel den Gewaltausbrüchen ihres 23-jährigen Freundes zum Opfer.
Eine junge Frau fiel den Gewaltausbrüchen ihres 23-jährigen Freundes zum Opfer.
Symbolbild Maurizio Gambarini, dpa
F-Signet von Udo Güldner Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Ein 23-jähriger Mann aus dem Raum Haßberge schlug mehrfach seine Freundin. Vor Gericht bestreitet er alles.

Mehrfach hat ein 23-jähriger Mann seine ehemalige Lebensgefährtin aus den Haßbergen misshandelt. An den Haaren zerren, Ohrfeigen, Faustschläge, Hiebe mit einem Bilderrahmen – erst als eine Freundin der jungen Frau darauf besteht, dass sie ins Klinikum geht, kommt die ganze Geschichte ans Licht.

Vor dem Amtsgericht Bamberg versuchte der Angeklagte, sich selbst als Opfer einer von langer Hand geplanten Intrige darzustellen. „Es ist etwas ganz Schlimmes passiert“. Die junge Frau, die wir Inga nennen wollen, ist völlig fertig. Die Augen verweint, die Schminke zerlaufen, heulend vor Schmerzen und Enttäuschung, sogar zitternd vor Furcht.

Bilderrahmen als Schlagwerk

Eigentlich sollte sie jetzt arbeiten. Aber daran ist nicht zu denken. Inga erzählt ihrer Freundin, was ihr rund zwei Stunden zuvor geschehen ist. Bei einem Kurzbesuch bei ihrem ehemaligen Lebensgefährten will sie nur einige Kleidungsstücke holen. Er aber lässt sie nicht gehen, schreit sie an und beschimpft sie. Im Wohnzimmer legt er mit Faustschlägen auf ihre Oberschenkel nach.

Da sitzt sie gerade auf der Couch. Er aber durchstöbert ihr Smartphone und findet Small Talk mit einem Ex-Freund Ingas. Das bringt das Fass zum Überlaufen. Er zerrt sie ohne Rücksicht an den Haaren in den Flur. Dort nimmt er ein gerahmtes Foto aus besseren Tagen von der Wand. Damit schlägt er ihr mehrfach auf den Kopf, bis der Holzrahmen nachgibt. Auch die Erinnerungen an eineinhalb Jahre Beziehung gehen damit zu Bruch. Inga kann mit ihren Armen Schlimmeres verhindern, entkommt aus der Wohnung.

Prellungen, Blutergüsse, Schürfungen

Eine Freundin entdeckt die Blessuren und beschließt, dass Inga sofort ins Krankenhaus muss. Weniger wegen der Verletzungen, die schlimm aussehen, aber nicht lebensbedrohlich sind. Schürfwunden, Prellungen, Blutergüsse, über den ganzen Körper verteilt, eine leichte Gehirnerschütterung. Mehr wegen der ärztlichen Untersuchung, die später vor Gericht entscheidend werden könnte. Wenn der Ex-Freund alle Vorwürfe kategorisch abstreitet.

Und das tat er auch. Er ließ an beiden Verhandlungstagen an seiner ehemaligen Lebensgefährtin kein gutes Haar. Im Gerichtssaal schaltete der junge Mann aus dem Landkreis Bamberg auf Angriff, stellte sich als Opfer einer großen Verschwörung dar. Inga habe ihn nur ausgenutzt. Er habe sich finanziell völlig verausgabt. Ihm drohe nun die Privatinsolvenz.

Rasende Eifersucht endet mit Schlägen

Sie hätte sich inzwischen den nächsten Mann mit Geld gesucht. Sie soll sich die ganze Sache ausgedacht haben, um später Schmerzensgeld einzuklagen. Die Verletzungen seien entweder beim Reiten selbst, beim Hufe-Auskratzen oder gar einem Reitunfall entstanden. „Es ist nichts passiert. Ich habe nichts gemacht.“

Auch an ihrer Arbeitsstelle sei man nicht gut auf sie zu sprechen. Dort sei Geld verschwunden. Überhaupt habe Inga ihn betrogen, während er im Krankenhaus gelegen sei. „Sie hat mich behandelt wie Dreck“. So ging es mit der Schlammschlacht im Gerichtssaal in einem fort. Ingas Freundin erfährt auch, dass es nicht der erste gewaltsame Übergriff war.

Ein gutes halbes Jahr zuvor hat er Inga schon einmal an den Haaren durch die Wohnung geschleift. Dann hagelt es eine Ohrfeige und einen Tritt in die Rippen, nachdem sie auf das Schlafzimmerbett gefallen ist. Glücklicherweise bleibt die Eifersuchtsattacke ohne größeren Schaden.

„Ich habe ihn noch immer geliebt.“

Sie zeigt ihn nicht an. „Ich habe ihn noch immer geliebt.“ Aber sie zieht aus. „Ich hatte starke Angst vor ihm.“ Der Ex-Freund weiß genau, wo Ingas verwundbarste Stelle ist: ihr Reitpferd. „Ich mache Pferdesalami aus dem Vieh“ und „Ich fackel den Stall ab. So gut ist keiner versichert“ droht er ihr an.

Aber auch: „Ich werde Dir die Fresse polieren. Du kannst froh sein, wenn ich Dich nicht totprügel und im Wald verscharre“. Ihr Jammern und Winseln brächte ihr nichts. Das höre dann sowieso keiner. Für seine Geschichte, alle Vorwürfe Ingas, die Zeugenaussage ihrer Freundin, die Chat-Protokolle und die Wunden seien „gefälscht, gefaked und vorgetäuscht“, hatte Staatsanwalt Julian Schmidt nur die Bemerkung übrig: „Wir haben es doch hier nicht mit der Mafia zu tun“.

Miildes Urteil, aber hohe Geldstrafe

Am Ende wurde es „nur“ eine Geldstrafe, weil der junge Mann bislang noch nicht vor Gericht gestanden hatte. Die Ahndung wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung fiel mit 150 Tagessätzen, vergleichbar mit fünf Monaten Freiheitsentzug, aber deutlich aus. Die 6.000 Euro fließen in die Staatskasse. Hinzu kommen die Prozesskosten. Inga hat sich und ihr Pferd derweil irgendwo im Landkreis Coburg in Sicherheit gebracht.

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