Strafprozess
Angeklagt wegen einer Messerattacke
Als sich der Handwerker provoziert fühlte, zückte er sein Teppichmesser. Das brachte ihn vor Gericht.
Als sich der Handwerker provoziert fühlte, zückte er sein Teppichmesser. Das brachte ihn vor Gericht.
Foto: Symbolfoto: diy13 / Adobe Stock
F-Signet von Manfred Wagner Fränkischer Tag
Haßfurt – „Hat der andere etwas gegen mich als Ausländer?“ Handwerker fühlt sich provoziert und zückt sein Teppichmesser. Er kommt vor Gericht.

Aus einem Missverständnis heraus wäre eine an sich harmlose Situation fast eskaliert. Als ein nicht vorbestrafter ausländischer Bauhelfer (57) sich in einer Bäckerei provoziert fühlte, zückte er sein Teppichmesser und drohte damit wild über sich fuchtelnd einem anderen Gast. Dieser schob jedoch geistesgegenwärtig einen Einkaufswagen dazwischen und verhinderte so eine weitere Eskalation. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten wurde das Strafverfahren ohne Verurteilung eingestellt. Der Angeklagte muss aber eine Geldauflage von 1800 Euro bezahlen.

Die Tat ereignete sich am Freitag, 5. November 2021 um die Mittagszeit. In einer Bäckerei in Ebelsbach standen etliche Kunden Schlange. Ein 52-jähriger Montagearbeiter hatte gerade bezahlt und wollte auf seinem Tablett eine größere Bestellung zu seinem Tisch tragen. Als er sich umdrehte, stand der Bauhelfer hinter ihm. Etwas unwirsch forderte er diesen auf, ihm aus dem Weg zu gehen.

Er fuchtelt mit dem Messer herum

Der Angesprochene nahm irrtümlich an, dass der grobe Ton des Arbeiters damit zu tun hatte, dass er Ausländer ist. Das traf ihn ins Mark, er griff nach seinem Teppichmesser und fuchtelte dem Arbeiter damit drohend über dem Kopf hin und her. Der kräftig gebaute Montagearbeiter reagierte daraufhin geistesgegenwärtig. Schnell stellte er sein Tablett ab und schob einen in der Nähe stehenden Einkaufswagen kräftig gegen den vermeintlichen Angreifer. Zusätzlich schrie er ihn an, das Messer wegzuwerfen. Nachdem er ihn mit dem Wagen ordentlich an der Wand eingekeilt hatte, ließ dieser tatsächlich das Messer fallen.

Es ist ein ziemlicher Tumult in der Bäckerei, die Polizei wird alarmiert

Die Szene erzeugte einen ziemlichen Tumult in der Bäckerei und der eilig herbeigerufene Leiter eines benachbarten Einkaufsmarktes alarmierte die Polizei. Bis die Uniformierten eintrafen, hatte sich die Situation wieder entspannt. Der Montagearbeiter hatte beruhigend auf den Handwerker eingeredet und ihm bei einer Zigarette vor der Tür klargemacht, dass er nicht das Geringste gegen Ausländer habe.

Bei der Verhandlung am Amtsgericht Haßfurt erinnerte sich der damals Angegriffene im Zeugenstand sehr gut an den Vorfall. Auf Nachfrage des Strafrichters Patrick Keller erklärte er, kein großes Interesse an einer Strafverfolgung zu haben. Schließlich habe der ausländische Bauhelfer schon damals seinen Kurzschluss bereut und sich entschuldigt.

 

Der Angeklagte sieht ein, dass er völlig überreagiert hat, und entschuldigt sich noch einmal

Diese Entschuldigung wiederholte der Angeklagte auch vor Gericht und betonte, er habe sich noch nie in seinem Leben etwas zuschulden kommen lassen. Weil er seinen Fehltritt einsah, stimmte schließlich auch die Staatsanwältin trotz Bedenken einer Einstellung mit einer Geldauflage zu. In monatlichen Raten von 300 Euro muss der Mann insgesamt 1800 Euro an den Kreisjugendring Haßberge zahlen.

Richter: Sobald ein Messer gezogen wird, ist Schluss mit lustig!

Abschließend sprach der Vorsitzende dem Bauhelfer nochmals ins Gewissen. Unmissverständlich machte er ihm klar, dass er einen großen Fehler begangen habe. „Sobald ein Messer gezogen wird, ist Schluss mit lustig!“ Eindringlich appellierte er, etwaige zukünftige Streitereien verbal zu lösen. Wer mit einem Werkzeug wie Hammer, Zange oder Schraubenzieher drohe oder gar einsetze, dem drohten nach deutschem Strafrecht wegen gefährlicher Körperverletzung mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe.

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