Klärung unmöglich
Wer hat auf dem Weinfest Pfefferspray versprüht?
Vor dem Amtsgericht Haßfurt soll geklärt werden, wer beim Zeiler Weinfest einen 18-Jährigen mit Pfefferspray attackiert hat.
Vor dem Amtsgericht Haßfurt soll geklärt werden, wer beim Zeiler Weinfest einen 18-Jährigen mit Pfefferspray attackiert hat.
Matthias Hoch
F-Signet von Manfred Wagner Fränkischer Tag
Haßfurt – Ein Prozess wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Haßfurt wurde ohne Verurteilung mit einer 400-Euro-Geldauflage eingestellt. Der Grund ist kurios.

Weil er beim Zeiler Weinfest im vorigen Jahr einem anderen Besucher Pfefferspray in die Augen gesprüht haben soll, saß ein 19-jähriger Maschinenführer aus dem Maintal auf der Anklagebank. Doch bei dem Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung konnte das Opfer (18) den Angeklagten nicht als Täter identifizieren.

Tat lässt sich dem Beschuldigten nicht eindeutig zuordnen

Dadurch ließ sich die Tat nicht eindeutig dem Beschuldigten zuordnen. Infolgedessen kam es nicht zu einer Verurteilung, sondern das Gericht stellte das Verfahren mit der Auflage ein, dass der junge Mann eine Geldauflage von 400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen muss.

Damals befand sich unter den vielen Gästen eben auch der 18-Jährige, der dann mit dem Spray attackiert wurde. Dieser Teenager war der zentrale Zeuge bei der Hauptverhandlung. Er berichtete, dass er an dem fraglichen Abend bereits fünf bis sechs Bier und etliche Schnäpse konsumiert hatte, bevor er kurz nach zwei Uhr in der Nacht aus dem Partyzelt herausgegangen sei, um zur Toilette zu gehen.

Aufs Wortgefecht folgte der Angriff mit dem Pfefferspray – aber wer hat es versprüht?

Weiter schilderte er, dass es beim Zeltausgang ein ziemliches Gedränge gegeben habe. Dabei sei es auch zu einer kleinen Rempelei mit einigen anderen Besuchern gekommen. Sogar ein kleines Wortgefecht mit einem anderen Burschen sei vorgekommen. Dabei habe er wohl auch einige unschöne Ausdrücke benutzt, an die er sich jedoch nicht mehr genau erinnere.

Jedenfalls bekam er gleich da von der Seite eine volle Ladung Pfefferspray in die Augen ab. Sofort wurde er ins Sanitätszelt gebracht, wo ihm die Augen ausgespült wurden. Die folgenden Tage habe er alles nur verschwommen wahrnehmen können, erst nach einer halben Woche habe er wieder hundertprozentig sehen können, sagte der junge Mann nun im Zeugenstand.

Sicherheitsmitarbeiter bekam einen Tipp, wer es gewesen sein könnte?

Obwohl die Sicherheitsmitarbeiter den schlimmen Vorfall nicht direkt beobachtet hatten, erhielt einer von ihnen kurze Zeit später einen Hinweis. Bei der anschließenden Kontrolle des Tatverdächtigen fand man das Pfefferspray.

Im Gericht saß der Angeklagte nicht gleich bei seinem Anwalt, sondern befand sich erst einmal in einer Stuhlreihe mit zwei anderen unbeteiligten Zuhörern. Bei der Gegenüberstellung konnte das Opfer den vermeintlichen Täter jedoch nicht identifizieren. Danach machte der Beschuldigte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Ein eindeutiger Tatnachweis ist kaum beweisbar

Für Richter Patrick Keller stand zwar fest, dass man das Spray bei dem Angeschuldigten gefunden habe. Allerdings, so gab er zu bedenken, könne nicht völlig ausgeschlossen werden, dass es ein anderer benutzt habe. Von daher sei eine eindeutige Täterschaft kaum beweisbar.

Mit der von ihm vorgeschlagenen Einstellung unter Auflagen zeigten sich von daher sowohl der Staatsanwalt als auch Verteidiger Alexander Wessel einverstanden. Die 400 Euro gehen an den Kreisjugendring Haßberge.

Pfefferspray etwas für junge Frauen, damit die sich wehren können

Abschließend betonte der Vorsitzende, dass normalerweise ein Pfefferspray auf einem Weinfest nichts zu suchen habe – außer vielleicht bei einer jungen Frau, die sich so gegen einen etwaigen Übergriff wehren könne.

 

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