Rettungskräfte
Feuerwehr Kirchlauter mit Ausstattung unzufrieden
Der Gerätewart der Feuerwehr Kirchlauter, Thomas Fink, zeigt hier mit Stolz auf die Einbauten mit technischem Gerät. Doch die Wehr sieht noch Mängel in der Ausstattung.
Der Gerätewart der Feuerwehr Kirchlauter, Thomas Fink, zeigt hier mit Stolz auf die Einbauten mit technischem Gerät. Doch die Wehr sieht noch Mängel in der Ausstattung.
Foto: G. Geiling
Die Jungsanitäter Matthias Schuhmann (links) und Stefan Hofmann präsentierten dem Gemeinderat ihr Projekt für einen First-Responder-Standort.
Die Jungsanitäter Matthias Schuhmann (links) und Stefan Hofmann präsentierten dem Gemeinderat ihr Projekt für einen First-Responder-Standort.
Foto: G. Geiling
F-Signet von Günther Geiling Fränkischer Tag
Kirchlauter – Dem Gemeinderat Kirchlauter lag eine „Gefährdungsanzeige“ der Feuerwehr vor. Zwei Jungsanitäter warben für einen First-Responder-Standort.

„Wir möchten in unseren Gemeinden Kirchlauter und Breitbrunn einen First-Responder-Standort etablieren, um in einem dringenden medizinischen Notfall schneller am Patienten zu sein. So können wir auch bei einem Kreislaufstillstand reanimieren und Überlebenschancen steigern, wenn es auf jede Minute ankommt.“ Dies betonten Stefan Hofmann und Matthias Schuhmann bei der Vorstellung ihres Projektes im Oskar-Kandler-Zentrum vor dem Gemeinderat Kirchlauter.

Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD) begrüßte die beiden jungen Bürger, die mit ihrem Wunsch, einen solchen First-Responder-Standort einzurichten, schon im letzten Jahr auf ihn und die Bürgermeisterin von Breitbrunn zugekommen seien.

Stefan Hofmann aus Lußberg sprach dabei von einem „Herzensprojekt“, das ihn seit einiger Zeit wachhalte. Er habe es schon mehrmals am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man auf einen alarmierten Rettungswagen wartet. Aufgrund der weiten Anfahrtswege der Rettungswachen Eltmann, Ebern und Hallstadt in das Gemeindegebiet von Breitbrunn und Kirchlauter sowie auch in umliegende Ortschaften wie Rudendorf, Schönbrunn, Salmsdorf, Priegendorf oder Leppelsdorf könnte die Zeit bis zum Eintreffen viel zu lange sein. Hofmann: „Wir sind im Rettungsdienst tätig und wissen, worauf es ankommt. Wenn wir schneller sind als die Rettungswagen, dann ist dies umso besser.“

Interessenten willkommen

Aktuell sei man mit vier Personen in der Aufbauphase und würde sich über weitere Interessenten für diese Tätigkeit freuen. Wer dazu bereit ist, müsse natürlich auch eine Ausbildung absolvieren. Für die Bevölkerung werde man auch Aktionstage anbieten, um zu informieren und auch Ängste vor Fehlern zu nehmen.

Beide Jungsanitäter verwiesen auf bereits bestehende First-Responder-Standorte in Sand oder Hafenpreppach, die ähnlich funktionierten. Die Alarmierung erfolge dabei ebenfalls über die Rettungsleitstelle in Schweinfurt, die wisse, wann die Truppe vor Ort zum Einsatz bereitsteht. Die in Notfallmedizin geschulten First Responder könnten bei günstiger Entfernung sofort alarmiert werden oder auch, wenn die Rettungswagen schon anderweitig im Einsatz sind. Das würde das therapiefreie Intervall deutlich verkürzen und man könnte später auch die alarmieren Rettungskräfte bei der weiteren Versorgung unterstützen.

Natürlich brauche man dazu auch das entsprechende Equipment und Material, dessen Kosten derzeit schwer abzuschätzen seien. Hierfür benötige man ein geeignetes Fahrzeug, digitale Funkausstattung und Beklebung. Aber auch das medizinische Equipment mit Defibrillator, Absaugpumpe, voll ausgestatteter Notfallrucksack sowie eine kleine feuerwehrtechnische Ausrüstung gehörten dazu. Dies alles müsse mit Unterstützung der Gemeinden und vor allem durch Spenden und Firmenbeiträge organisiert werden.

„Wir können das nicht anders finanzieren, denn für Einsätze, die wir fahren, bekommen wir keinen Cent,“ erklärte Matthias Schuhmann.

Bürgermeister Kandler stellte klar, dass eine Anschubfinanzierung durch die Gemeinden notwendig sei. Breitbrunn habe sich unter Umständen bereiterklärt, den alten VW-Bus der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.

Rettungsleitstelle muss zustimmen

Die beiden Jungsanitäter mussten zahlreiche Nachfragen aus dem Gemeinderat beantworten. Hans-Jürgen Derra (IG-HL)interessierte, wie viele Personen man benötigt, um einen Bereitschaftsdienst auf die Beine stellen zu können. Reinhold Stöhr (SPD) fragte nach der Rechtssicherheit und der Art der Alarmierung. Auch die dauernde Finanzierung, der Standort des Fahrzeuges und der Einsatzradius des Responder-Standortes wurden angesprochen.

Für die Jungsanitäter war klar, dass ein Bereitschaftsplan vom Personalbestand abhängt und anfangs vielleicht nur an Wochenenden gedacht ist. Die rechtliche Absicherung laufe über das Versicherungssystem wie bei der Feuerwehr. Ein Vorteil wäre es, wenn man einen Standort für das Fahrzeug hätte, wobei während der Bereitschaft das Auto bei den jeweiligen Respondern stehen sollte. Als nächster Schritt solle nun die Rettungsleitstelle angehört werden, die zur Errichtung des Standortes grünes Licht geben müsse.

„Gefährdungsanzeige“ der Feuerwehr

Anschließend stand eine weitere Hilfeleistung auf dem Prüfstand, denn von der Feuerwehr Kirchlauter war eine „Gefährdungsanzeige“ eingegangen, die auf eine unzureichende Ausstattung der Ortswehr hinwies. In diesem Schreiben wurde auf drei wesentliche Mängel hingewiesen: zu geringe Ausstattung mit Löschfahrzeugen, fehlender THL-Satz (technische Hilfeleistung) und fehlende Feuerwehrbedarfsplanung.

Bürgermeister Kandler sprach von einer Grundsatzentscheidung, ob man Punkte angehen wolle oder ob die Wehren genug ausgestattet seien. „Allein in den letzten fünf bis sieben Jahren haben wir fast 500 000 Euro für neue Fahrzeuge, Mannschaftswagen, Funkgeräte und die Modernisierung der Feuerwehrhäuser ausgegeben. Ich bitte den Gemeinderat abzuwägen, ob wir etwas machen müssen.“ Er sei von diesem Schreiben überrascht worden, denn die Zusammenarbeit sei hervorragend; es sei stets der Bedarf erörtert worden.

Peter Stretz (CSU) stützte sich auf die Bestätigung aus dem Landratsamt, „dass wir rechtlich voll auf der sicheren Seite sind“. Alles andere solle man im Gesprächen lösen und nicht mit Briefe-Schreiben. Uwe Derra (FW-KL) hielt die Feuerwehr für gut aufgestellt und sah es als Aufgabe für den Bürgermeister an, sich mit der Wehr wegen ihres Begehrens zusammenzusetzen.

Der Gemeinderat beauftragte den Bürgermeister, mit der Feuerwehr den Bedarf zu besprechen, hielt aber eine formale Bedarfsplanung für nicht notwendig und sprach sich auch gegen eine weitere THL-Ausstattung aus.

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