Wendung vor Gericht
Wer ist der Polizei in Sand am Main davongerast?
Mit Blaulicht und Martinshorn jagte in der Nacht vor dem Silvestertag 2021 im Landkreis Haßberge ein Polizeiwagen hinter einem Opel Saphira her, in dem drei junge Männer vor den Beamten abhauen wollten.
Mit Blaulicht und Martinshorn jagte in der Nacht vor dem Silvestertag 2021 im Landkreis Haßberge ein Polizeiwagen hinter einem Opel Saphira her, in dem drei junge Männer vor den Beamten abhauen wollten.
Symbolbild: pattilabelle, adobe stock
F-Signet von Manfred Wagner Fränkischer Tag
Haßfurt – Weil ein Zeuge plötzlich gesteht, sich mit der Polizei eine Verfolgungsfahrt geliefert zu haben, wird der Angeklagte vom Amtsgericht Haßfurt freigesprochen. Aber nur in diesem Punkt.

Mit einer Überraschung endete der Prozess wegen einer Schwarzfahrt, verbunden mit dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln. Das Auto landete damals im Straßengraben und die drei Insassen gaben danach bei der polizeilichen Vernehmung den 23-jährigen Maler und Lackierer als Fahrer an.

Nun sagten alle drei übereinstimmend vor Gericht, dass doch ein anderer gefahren sei.

Die Tat ereignete sich in der Nacht auf Silvester 2021, also vor einem guten Jahr. Damals saßen drei Freunde im Alter von 23, 24 und 27 Jahren in dem Opel Saphira, der dem Vater des ältesten gehörte. Bei der Gerichtsverhandlung in Haßfurt sagte das Trio aus, dass sie kurz nach Mitternacht von Haßfurt nach Zeil gefahren seien.

Er trat kräftig aufs Gaspedal

Danach ging es weiter über die Mainbrücke nach Sand. Kurz nach der Brücke forderte dann ein Streifenwagen der Polizei den Wagen auf anzuhalten. Als der Opel-Fahrer das bemerkte, trat er kräftig aufs Gaspedal und versuchte, mit allen Mitteln zu entkommen. Ohne Rücksicht auf Verluste scherte er sich einen Teufel um Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Vorfahrtsregeln und raste mit quietschenden Reifen und 190 km/h über Feldwege.

Der ihn mit Blaulicht und Martinshorn hinterherjagende Polizeiwagen ließ sich aber nicht abhängen. Die Amokfahrt ging nicht lange gut. In einer Rechtskurve konnte der Fahrer nicht mehr die Spur halten und landete schließlich im Straßengraben. Wie durch ein Wunder trug keiner ernsthafte Verletzungen davon.

Nachdem der Opel im Graben war, ging die Flucht zu Fuß weiter

Zwei flüchteten zu Fuß, konnten aber bald dingfest gemacht werden. Bei der darauffolgenden polizeilichen Vernehmung gaben dann alle an, dass der jüngste gefahren sei.

Nun erfolgte beim Gerichtstermin die Kehrtwende. Alle behaupten nun, dass der 27-Jährige hinter dem Steuer gesessen habe. Sie erklärten ihre damalige Lüge bei der Polizei damit, dass der Fahrer alkoholisiert gewesen sei und seine Fahrerlaubnis verloren hätte, hätten sie ihn angegeben.

Er hätte sich nicht belasten müssen

Selbst derjenige, der nun von allen Beteiligten als Fahrer angegeben wurde, gestand im Zeugenstand, das Fahrzeug gelenkt zu haben. Dieses Geständnis legte er ab, obwohl er sich als Zeuge nicht hätte selbst belasten müssen, worauf ihn der Richter hingewiesen hatte.

Jetzt wird wohl gegen ihn ermittelt

Folglich wurde der Angeklagte – also der Jüngste des Trios – nun in der Verkehrssache freigesprochen, aber der 27-Jährige muss nun damit rechnen, dass der Staatsanwalt gegen ihn ermittelt und ihn in absehbarer Zeit anklagt.

Von daher wurde dem Angeklagten nur noch der Besitz von 0,25 Gramm Marihuana zur Last gelegt. Verteidiger Alexander Wessel wies darauf hin, dass es sich hier um eine „Kleinstmenge“ handele.

Unter Bewährung

Weil der Beschuldigte aber bereits drei Vorstrafen hat und unter laufender Bewährung steht, verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro, also zu insgesamt 900 Euro.

Der Verurteilte und sein Anwalt akzeptierten den Urteilsspruch.

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