Amtsgericht
44-Jährigem kommt das Feierabendbierchen teuer zu stehen
Das Feierabendbierchen auf dem Fahrrad ging einem 44-Jährigen zwischen Zeil und Sand in die falsche Kehle. Die Polizei erwischte ihn, wie er obendrein bei Rot über die Ampel fuhr.
Das Feierabendbierchen auf dem Fahrrad ging einem 44-Jährigen zwischen Zeil und Sand in die falsche Kehle. Die Polizei erwischte ihn, wie er obendrein bei Rot über die Ampel fuhr.
Foto: Bodo Marks dpa
Haßfurt – Drogen, Diebstahl und dann auch noch das: Ein 44-Jähriger gerät einer Polizeistreife zur Unzeit ins Visier.

19 Einträge hat ein 44-jähriger Familienvater aus dem Maintal in seinem „Sündenregister“ stehen. Nun kam Urteil Nummer 20 hinzu: Richter Christopher Lehmann verurteilte den Angeklagten am Amtsgericht wegen einer Ordnungswidrigkeit zu einer Geldbuße von 100 Euro. Damit war er gut bedient. Denn eine verbotene Fahrradfahrt unter Drogeneinfluss konnte ihm das Gericht nicht nachweisen.

Da kann die Polizei einfach nicht wegschauen

An einem Novembernachmittag 2021 trauten Streifenbeamte kaum ihren Augen, als sie bei Rot an der Straßenkreuzung zwischen Zeil und Sand standen. Vor ihnen fuhr der Angeklagte mit einer Bierdose in der Hand auf dem Fahrrad bei Rot über die Fußgängerampel.

Die Beamten knöpften sich den Radfahrer vor. Der offenbarte ihnen offenherzig, dass ein Drogentest positiv ausfallen werde, da einen Drogen-Substitutions-Stoff nehme. Der Bluttest ergab nicht nur Rückstände des Substitutionsmittels, sondern auch THC, also Cannabis, im Blut des Mannes. „Ich rauche gerne Joints“, gab er vor Gericht zu.

Er sei damals von der Arbeit gekommen und habe sich ein Feierabendbier gekauft. An der Ampel habe er die Handschuhe angezogen und sei daher erst bei Rot über die Ampel gekommen. Das Polizeiauto habe er nicht bemerkt.

Mit 13 Jahren war er zum ersten Mal straffällig geworden. Vor allem wegen Diebstählen und Drogendelikten wurde er verurteilt – auch zu Haftstrafen. Er lebt von Hartz-IV und hat über 20.000 Euro Schulden, die er derzeit nicht zurückzahlt. „Ich warte auf Vollbeschäftigung“, erklärte er.

Nach Aussage der Polizeibeamten fuhr der Mann keine Schlangenlinien und hatte keine Ausfallerscheinungen. Sein Glück. Denn das Gesetz gibt – im Gegensatz zum Alkoholkonsum – keine Grenzwerte vor, ab denen eine Strafe fällig wird. Fahruntüchtigkeit konnte ihm nicht nachgewiesen werden, weshalb nur die Verurteilung wegen des Überquerens der Straße bei Rot blieb.

Nächstes Mal geht’s ins Gefängnis

Am Ende standen klare Worte: „Ich habe eine große Warnung für Sie: Die Polizei hat Sie auf dem Schirm. Bei der nächsten Fahrt mit Drogen oder Alkohol im Blut droht eine Freiheitsstrafe“, sagte der Richter. Mit einem „Danke“ nahm der Angeklagte das Urteil an.

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