Prozess
35-Jähriger bekommt bereits die 20. Vorstrafe
Rauschgift begleiten das Leben des 35-Jährigen. Auch zu Cannabis greift der Mann, der jetzt erneut verurteilt wurde.
Rauschgift begleiten das Leben des 35-Jährigen. Auch zu Cannabis greift der Mann, der jetzt erneut verurteilt wurde.
Foto: Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa/Archiv
Haßfurt – Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte einen Wiederholungstäter zu einer Bewährungsstrafe.

Ein Jubiläum konnte ein 35-jähriger Arbeitsloser aus dem Maintal am Donnerstag am Amtsgericht in Haßfurt feiern. Stolz darauf kann er jedoch nicht sein. Denn er erhielt seine 20. Vorstrafe.

Richterin Anne Völkl verurteilte den Angeklagten wegen Diebstahls, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Trunkenheit im Verkehr und Drogenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die sie erst nach reiflicher Überlegung für vier Jahre zur Bewährung aussetzte.

Laut Anklage stahl der Angeklagte am 29. September vergangenen Jahres am Haßfurter Bahnhof ein Fahrrad im Wert von rund 700 Euro. Dies wies der vermeintliche Dieb von sich. Das Rad sei am Anglersee bei Haßfurt unverschlossen im Gras gelegen, gab er zu Protokoll. Diese Aussage entlarvte der 18-jährige Eigentümer im Zeugenstand als Unwahrheit. Er sagte, er habe sein neuwertiges Rad am Bahnhof abgestellt und sehr wahrscheinlich auch abgeschlossen. Als er es abends abholen wollte, sei es weg gewesen. Ein ermittelnder Polizeibeamter sagte, dass das Rad an einem See gefunden wurde und der Angeklagte damit gefahren sei.

Am 4. August vergangenen Jahres hielt sich der Angeklagte am Kleidersee bei Haßfurt auf. Damals hatte er ein 19 Zentimeter langes Messer dabei. Als ihn eine Polizeistreife darauf ansprach, drohte er den Beamten, sie zusammenzuschlagen, falls sie ihn nicht in Ruhe ließen. Als die Ordnungshüter ihn festnehmen wollten, widersetzte er sich und riss sich los.

Drei Tage später geriet er erneut ins Visier der Beamten, als er gegen 21.30 Uhr abends mit einem Drogencocktail im Blut auf der Augsfelder Straße in Haßfurt auf einem Fahrrad unterwegs war. Bei drei weiteren Gelegenheiten im August 2020 und Februar dieses Jahres fanden die Beamten geringe Mengen Marihuana und Amphetamin bei dem Angeklagten. Den Drogenbesitz und die weiteren Taten räumte der Angeklagte über seinen Pflichtverteidiger Andreas Dräger ein.

Seit seinem 15. Lebensjahr greife er zu Drogen, sagte der Angeklagte. Cannabis konsumiere er, um körperliche Schmerzen zu lindern. Mehrere Therapien habe er bereits abgebrochen. Auf die schiefe Bahn geriet er bereits im Alter von 14 Jahren, als er zum ersten Mal verurteilt wurde, damals wegen einer Körperverletzung. Es folgten Straftaten quer durch das Strafgesetzbuch. Mehrmals saß er bereits hinter schwedischen Gardinen. „Die Haft hat mir gutgetan“, sagte er zum Erstaunen des Gerichts. Während der Haft habe er 17 Monate gearbeitet und eine geregelte Lebensstruktur gehabt.

Die wollte ihm die Staatsanwältin erneut verschaffen. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten. „Sie sind anscheinend nicht schlecht aufgehoben im Gefängnis“, erklärte sie. Der Verteidiger plädierte auf maximal ein Jahr auf Bewährung. Sein Mandant sei durch seine Drogensucht vermindert schuldfähig und komme aus der Abwärtsspirale nicht heraus. Er brauche „einen Tritt in den Arsch“ und eine Struktur im Leben.

Der Angeklagte bat um eine allerletzte Chance, die ihm die Richterin gab. „Ganz knapp“ habe sie sich noch einmal zu einer Bewährungsstrafe durchgerungen, die mit vielen Auflagen verbunden sei. Unter anderem muss er 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich eine Arbeitsstelle suchen.