Richter hat genug
Ein Joint zuviel: Haftstrafe für Uneinsichtigen
Seine Drogensucht bringt einen 33-Jährigen aus dem Landkreis Haßberge ins Abseits. Jetzt soll der Mann sogar ins Gefängnis.
Seine Drogensucht bringt einen 33-Jährigen aus dem Landkreis Haßberge ins Abseits. Jetzt soll der Mann sogar ins Gefängnis.
Foto: Symbolfoto: Archiv/BR
Haßfurt – Neunmal war ein Drogensüchtiger schon für dieselbe Straftat verurteilt worden. Jetzt geht es ins Gefängnis.

„Wer nicht hören will, muss fühlen!“ Mit diesen Worten begründete Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillot, warum er einen 33-jährigen Arbeitslosen zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt hatte.

Angeklagt war dieser wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. Insbesondere die Tatsache, dass er in der Vergangenheit bereits neun Mal genau wegen derselben Straftaten rechtskräftig verurteilt worden war, gab den Ausschlag für diese drastische Strafe.

Weißes Pulver auf die Straße gestreut

Laut Anklageschrift der Staatsanwältin Fabienne Mehrländer spielte sich das Tatgeschehen am 23. Februar dieses Jahres ab. Damals befand sich der 33-Jährige mit seinem Audi in Maroldsweisach. Als er – aus welchen Gründen auch immer – weißes Pulver, möglicherweise Kokain oder Chrystal Meth, aus seinem stehenden Fahrzeug auf die Straße streute, kam dies einer Anwohnerin seltsam vor. Sie notierte sich das Nummernschild des Wagens und rief die Polizei an.

Verfolgungsjagd bis in den Landkreis Coburg

Nachdem sich eine Streifenbesatzung aus Ebern auf den Weg nach Maroldsweisach gemacht hatte, kam den Beamten auf halber Strecke das gemeldete Auto entgegen. Die Polizisten drehten sofort um und nahmen die Verfolgung auf. In Untersiemau im Landkreis Coburg stellten sie den Fahrer. Als dieser die Uniformierten bemerkte, drehte er sofort um 180 Grad und versuchte zu fliehen. Doch er kam nicht weit. Die Polizei holte ihn vor seiner damaligen Wohnung erneut ein. Dort fanden die Ordnungshüter einen fertigen Joint mit 1,6 Gramm Marihuana, eine Feinwaage und diverse Drogenutensilien.

Vom Vorsitzenden auf den Tathergang angesprochen, legte der Beschuldigte sofort ein vollständiges Geständnis ab. Da er seit langem drogenabhängig sei, habe er bereits 2016 eine stationäre Drogentherapie gemacht. Doch schon kurz danach sei er wieder rückfällig geworden. Auf Nachfrage des Richters erklärte er, dass er täglich Rauschgift konsumiere, vor allem Chrystal Meth und Marihuana.

Er bekommt sein Leben nicht auf die Reihe

Obwohl der Beschuldigte gerade mal 33 Jahre alt ist, hat er bereits zwölf Vorstrafen im sein Bundeszentralregister stehen. Erstmals 2009 und dann fast schon in regelmäßigen Abständen wurde er eingebuchtet.

Gefruchtet hat dies offensichtlich nichts, denn kaum, dass der der Mann wieder in Freiheit war, wurde er erneut straffällig. Er kam aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus.

Staatsanwältin: Bewährungsversager

In ihrem Plädoyer sprach die Staatsanwältin dann auch von einem „Bewährungsversager“. Obwohl er mit zwei Frauen vier Kinder habe, lebe er in keinen geordneten familiären Verhältnissen. Angesichts der vielen einschlägigen Vorstrafen konstatierte die Vertreterin der Anklage bei dem Angeschuldigten „einen ausgeprägten Hang, gegen die Rechtsordnung zu verstoßen“. Aufgrund einer ungünstigen Sozialprognose forderte sie eine viermonatige Freiheitsstrafe.

Der Richterspruch lag noch deutlich über diesem Antrag. Und Christoph Gillot begründete genau, warum er dieses Mal so hart urteilte. Er sprach von zwei Gruppen von Verurteilten. Während sich die eine Gruppe die verhängte Strafe zu Herzen nehme und ihr Verhalten ändere, sei der anderen Gruppe auch nach drakonischen Strafen alles egal. Und genau dazu gehöre der Verurteilte. „Aus meiner Sicht“, fügte der Vorsitzende abschließend hinzu, „ist das Urteil noch milde.“

Ob gegen den Richterspruch Rechtsmittel eingelegt werden oder ob der Mann tatsächlich wieder ins Gefängnis muss, blieb offen.

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