Familienstreit
Arm in einer Tür eingeklemmt
Ein lange schwelender Streit zwischen Mutter und Tochter ging in eine körperliche Auseinandersetzung über.
Ein lange schwelender Streit zwischen Mutter und Tochter ging in eine körperliche Auseinandersetzung über.
Foto: Symbolfoto: Todorov/Adobe stock
Haßfurt – Der Hass sitzt tief: Tochter zeigte eigene Mutter wegen Körperverletzung an. Ob dem Amtsgericht Haßfurt eine Versöhnung gelang?

Ein seit langem schwelender Familienstreit hat am Mittwoch am Amtsgericht sein vorläufiges Ende gefunden. Auf der Anklagebank saß eine 75-jährige Rentnerin aus dem Steigerwald. Ihre eigene Tochter hatte sie angezeigt. Was war passiert?

Am 14. März dieses Jahres soll die Angeklagte nach einem Streit den Arm ihrer Tochter in der Haustür eingeklemmt und gegen die Tür gedrückt haben. Die 54-Jährige erlitt Schmerzen und mehrere Prellungen und musste nach eigenen Angaben ihren Arm eine Woche lang in einer Schlaufe tragen.

Gegen Strafbefehl Einspruch eingelegt

Die Mutter erhielt einen Strafbefehl, gegen den sie Einspruch einlegte, so dass es zur Verhandlung kam. Anwalt Wolfgang Heinrich sagte, er „verstehe nicht, warum wir hier sitzen“. Es handle sich um eine „langjährige Familiengeschichte, die sich aufgeschaukelt hat“. Er nannte Beispiele: Als die Angeklagte sich bei ihrem Lebensgefährten aufhielt, habe die Tochter ihre Wohnung ausgeräumt, ohne sie vorher gefragt zu haben. An jenem 14. März, einem Sonntagvormittag, habe ihr die Tochter auch noch einen Zettel vorgelegt, auf dem ihre Leistungen aufgelistet waren. Im Streit habe sie vor der Tochter die Haustür zugeschlagen, dabei aber nicht deren Arm eingeklemmt. Ihr Enkel habe ihr gedroht, dass ihr das teuer zu stehen kommen werde, worauf sie kurzzeitig ohnmächtig geworden sei.

Ein Zettel voller Vorwürfe

Die Tochter sagte vor Gericht gegen ihre Mutter aus. Die habe schlecht über die künftige Frau ihres Enkels geredet, gab sie zu Protokoll. Daher habe sie ihr den Zettel mit Vorwürfen vorgelegt. „Dann ging’s los“, sagte die Tochter. Sie solle mit auf die Straße kommen, „damit alle hören, was du für eine bist“, habe die Mutter gesagt. Auf dem Rückweg ins Haus habe die Mutter ihren Arm eingequetscht und gegen die Tür gepresst. Ihr Mann sei in Socken zu Hilfe geeilt, habe sie befreit und ins Krankenhaus gefahren.

Ein Hintergrund des Streits sei gewesen, dass der Enkel mit seiner Freundin in das Haus der Angeklagten einziehen wollte. Dabei habe sich die 75-Jährige überrumpelt gefühlt, zumal sie über eine Außentreppe in ihre Wohnung im ersten Stock gelangen sollte.

Ein Essen zur Versöhnung

Der Vorsitzende Richter Christoph Gillot versuchte, „die Kuh vom Eis zu kriegen“. Eine Verurteilung helfe keinem, meinte er. Nach kurzer Beratungspause machte der Verteidiger einen Vorschlag zur Güte: die Außentreppe könne bleiben. Seine Mandantin stimme einem Mediationstermin zu – einem Einigungsgespräch bei der Familienberatung der Caritas. Außerdem schlage die Angeklagte ein gemeinsames Essen mit der ganzen Familie vor. Sowohl die Geschädigte als auch das Gericht stimmten den Vorschlag zu.

Der Vorsitzende stellte das Verfahren vorläufig ein. „Wenn Sie sich nicht gegenseitig umbringen, wird das Verfahren dann endgültig eingestellt“, meinte er mit einem Augenzwinkern. Bleibt nur zu hoffen, dass das Essen dann auch allen schmeckt ...

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: