Strafprozess
Zahlreiche Widersprüche vor Gericht
Im August 2021 hat ein getrennt lebendes Paar dermaßen gestritten, dass die Polizei kam. Am Amtsgericht Haßfurt sollte nun geklärt werden, ob der Mann die Frau damals geschlagen hat.
Im August 2021 hat ein getrennt lebendes Paar dermaßen gestritten, dass die Polizei kam. Am Amtsgericht Haßfurt sollte nun geklärt werden, ob der Mann die Frau damals geschlagen hat.
Foto: sharpner/Adobe Stock (Symbolfoto)
Haßfurt – Eine 46-Jährige behauptete bei der Polizei, von ihrem Ex-Partner geschlagen worden zu sein. Warum der Mann dennoch freigesprochen wurde.

Wenn eine Frau der Polizei ein blaues Auge präsentiert und angibt, von ihrem Ex-Partner geschlagen worden zu sein, hat dieser normalerweise schlechte Karten. Bei der jüngsten Verhandlung vor dem Haßfurter Amtsgericht wegen Körperverletzung aber konnte sich der Angeklagte (51) über einen Freispruch freuen. Seine Verflossene verwickelte sich nämlich im Zeugenstand in dermaßen viele Widersprüche, dass weder Gericht noch Staatsanwältin ihr glaubten. Aus diesem Grund erfolgte ein Freispruch.

Laut dem verlesenen Anklagetext ging es um einen Vorfall, der sich Ende August letzten Jahres in einer kleinen Gemeinde im nördlichen Landkreis Haßberge ereignete. Damals soll es zwischen dem Beschuldigten und der 46-Jährigen zuerst zu einem Streit und dann zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei habe der Mann die Frau mit der Faust aufs linke Auge geschlagen, was zu dem bekannten „Veilchen“ geführt habe. Aufgrund der Anzeige der Frau wegen Körperverletzung erhielt der Mann einen Strafbefehl über 2000 Euro. Weil er dagegen mit Hilfe seines Rechtsanwaltes Willy Marquardt Einspruch einlegte, kam es nun zu der öffentlichen Gerichtsverhandlung.

So sind die näheren Umstände

Die beiden sind schon viele Jahre voneinander getrennt und haben drei gemeinsame Kinder zwischen 17 und 21 Jahren. Außerdem wohnen beide im selben Mietshaus in unterschiedlichen Wohnungen. An dem besagten Tag sei er zusammen mit zweien der Kinder nach Bayreuth gefahren, sagte der Mann. Gegen Viertel vor zehn Uhr sei er wieder zu Hause angekommen und habe es sich gemütlich gemacht. Um halb zwölf Uhr in der Nacht habe es dann geklingelt und die Polizei sei vor der Tür gestanden.

Die Frau präsentierte im Zeugenstand eine völlig andere Story. Sie behauptete, dass der Angeklagte über seinen Balkon auf den ihrigen gestiegen sei, es dann erst mal eine Streiterei gegeben habe und dass sie dann in ihrer Wohnung geschlagen worden sei. Auf Nachfrage des Richters erklärte sie, in dieser Nacht nur einmal bei der Polizei angerufen zu haben. Diese Aussage wurde von einem Polizeibeamten widerlegt, der in dieser Nacht Dienst hatte. Tatsächlich hatte sich die Frau – in stark alkoholisiertem Zustand – fünf Mal bei der Polizeidienststelle in Ebern gemeldet.

Eine ältere Verletzung

Auch die Umstände, wie es zu der Verletzung gekommen sei, hatte sie damals ganz anders geschildert. Laut Protokoll, das sie unterschrieben hatte, erfolgte der Faustschlag auf dem Balkon und nicht in der Wohnung. Die Juristen bezweifelten zudem, dass das blaue Auge von einer frischen Verletzung herrühren könne. Auf dem Foto dominiert nämlich eine gelbliche Verfärbung, die üblicherweise erst einige Zeit nach einem möglichen Schlag eintritt. Von daher hielten sie es für möglich, dass die Verletzung nichts mit dem Mann zu tun habe.

Staatsanwältin ist für Freispruch

Die Zeugenaussage der angeblich Geschlagenen enthielt so viele Widersprüche, dass Verteidiger und Staatsanwältin einen Freispruch forderten. Auch Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillot, der den Vorsitz innehatte, schenkte der Zeugin keinen Glauben. Da die Staatsanwältin selber einen Freispruch beantragt hatte, ist der Richterspruch rechtskräftig.