Schwieriger Fall
Bewährungsstrafe und Kontaktverbot für Spanner
Sein sexueller Trieb macht dem Angeklagten das Leben zur Hölle.
Sein sexueller Trieb macht dem Angeklagten das Leben zur Hölle.
Foto: blackday/Adobe Stock
Sylbach – Ein unkontrollierbarer Sexualtrieb brachte einen 35-Jährigen schließlich vor Gericht.

Weil er einer heute 61-Jährigen aus dem Maintal hinterherspionierte und sie durch das Terrassenfenster beobachtete, hat das Amtsgericht am Mittwoch einen 35-Jährigen aus Thüringen wegen Nachstellens in vier Fällen zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Als Auflage verhängte das Gericht ein Kontaktverbot zu der Geschädigten.

Der Angeklagte wohnte in den Jahren 2018 und 2019 im selben Mehrfamilienwohnhaus wie die Geschädigte, die im Erdgeschoss wohnte. Laut Anklage hat er meist abends durch das Terrassenfenster die 61-Jährige beobachtet, wie sie, nur mit einem Nachthemd bekleidet, nähte. Teilweise soll er mit der Taschenlampe in die Wohnung seines Opfers geleuchtet haben.

Als ein Polizeibeamter die Geschädigte darauf hinwies, dass ihr Nachbar ein Spanner sei, ließ sie auf der Terrasse eine Überwachungskamera installieren. Anfang 2020 reichte es der Frau und sie erstattete sie Anzeige. Sie habe sich nicht mehr getraut, entkleidet durch die Wohnung zu laufen, sagte sie als Zeugin vor Gericht.

Er leidet an einer besonderen Krankheit

Der Angeklagte räumte alle Vorwürfe ein. Laut einem Gutachten leidet der Angeklagte unter „Satyriasis“, einem krankhaft gesteigerten männlichen Sexualtrieb, sowie unter Voyeurismus. Eine verminderte Schuldfähigkeit sah der Gutachter jedoch nicht vorliegen.

Der 35-Jährige sagte, seine „problematische Sexualität“ habe im Oktober 2020 zu drei Suizidversuchen innerhalb von zwei Wochen geführt. Im Gerichtssaal entschuldigte er sich bei seinem Opfer. Dies hielt ihm das Gericht genauso zugute wie die Tatsache, dass er bereits zwei stationäre Therapien abgeschlossen hat. Der Staatsanwalt forderte eine neunmonatige Bewährungsstrafe, Verteidiger Alexander Wessel sechs Monate. Er sah seinen Mandanten nahe an der verminderten Schuldfähigkeit, da er seinem Trieb nicht widerstehen konnte, obwohl er wusste, dass er gefilmt wird. Richter Christoph Gillot verwies darauf, dass es normalerweise keine Bewährung für einen Bewährungsversager gebe. Der Angeklagte habe jedoch von sich aus sich therapieren lassen, weshalb besondere Umstände vorlägen, die ihm einen Knastaufenthalt ersparen. Das Urteil ist rechtskräftig.