Amtsgericht
Sie küssten und sie schlugen sich
Der Angeklagte und seine Freundin, die Frau, die ihn angezeigt hatte, trudelten förmlich durch ihre Beziehung.  Im Februar ist ein Streit eskaliert.
Der Angeklagte und seine Freundin, die Frau, die ihn angezeigt hatte, trudelten förmlich durch ihre Beziehung. Im Februar ist ein Streit eskaliert.
Foto: Sharpner, Adobe Stock (Symbolfoto)
Haßfurt – Eine Beziehungskiste endet mit einer Anklage vor dem Amtsgericht Haßfurt. Warum die geschlagene Frau dann doch einen Rückzieher machen wollte.

Immer wieder gab es mächtig Zoff in der Beziehung zwischen dem 21-jährigen Angeklagten und seiner um ein Jahr jüngeren Freundin, und dabei kam es schließlich auch zu Handgreiflichkeiten und Gewalt. Immer wieder war Schluss – und immer wieder versöhnten sich die jungen Leute anschließend. Vor diesem Hintergrund kam es zu einer Körperverletzung und einer Beleidigung, was alle Beteiligten nun zu einer Verhandlung im Jugendgericht führte.

Weil er seine Freundin im Gesicht getroffen hatte – ungeklärt blieb, ob mit der Hand, dem Ellenbogen oder der Schulter –, muss der Auszubildende 800 Euro an den Jugendhilfefonds Haßberge bezahlen.

„Typische Jugendverfehlung“

Die laut Staatsanwältin „typische Jugendverfehlung“ ereignete sich am 14. Februar dieses Jahres etwa um 13 Uhr. Damals hatte der junge Mann gerade wieder einmal Schluss gemacht und suchte die Wohnung seiner Verflossenen in Schweinfurt auf, um seine Klamotten abzuholen. Die Freundin kam raus auf die Straße, wollte aber die Beziehung nicht aufgeben und drang auf ein klärendes Gespräch mit ihm.

Dabei kochten die Emotionen hoch, und der Heranwachsende traf das Mädchen – mit welchem Körperteil auch immer – im Gesicht und beschimpfte sie als „Schlampe“. Erst zu Hause bei ihrer Mutter will sie den blauen Fleck an ihrer rechten Wange bemerkt haben. Daraufhin rief sie die Polizei, erstattete Anzeige und ging zum Arzt, der sie in ein Krankenhaus schickte.

Eine On-off-Beziehung

Auf Nachfrage von Jugendrichter Martin Kober bestätigte die Geschlagene, dass sie seit August wieder mit dem Beschuldigten zusammen sei. So erklärt sich auch ein Schreiben, das die beiden an das Gericht schickten. Darin hatte die junge Frau Anzeige widerrufen und den Vorgang „als halb so schlimm“ hingestellt.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beleuchtete den bisherigen Lebensweg des Heranwachsenden, der im Maintal aufgewachsen ist. Er hat schulisch die Mittlere Reife abgelegt und befindet sich nun in einer Ausbildung. Die Beziehung zu dem Mädchen bezeichnete die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe als On-off-Beziehung, bei der „spätpubertäres Verhalten“ im Spiel sei.

Es gibt ein paar Vorstrafen

Die bisherigen vier Vorstrafen des Angeklagten beziehen sich fast alle auf den unerlaubten Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln. Wie sein Verteidigers Christian Merkel angab, habe sich sein Mandant jedoch inzwischen von Drogen distanziert.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Geldauflage, die etwa einem Monatsverdienst entspricht. Diesem Antrag entspricht das rechtskräftige Urteil.

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