Widersprüchliches
Doch keine Bedrohung mit Waffe?
Ist der Angeklagte auf seine Lebensgefährtin losgegangen oder nicht? Das Amtsgericht Haßfurt tut sich momentan schwer, Licht in diesen Fall zu bringen.
Ist der Angeklagte auf seine Lebensgefährtin losgegangen oder nicht? Das Amtsgericht Haßfurt tut sich momentan schwer, Licht in diesen Fall zu bringen.
Foto: Symbolbild: Bodo Marks
Haßfurt – Ein 25-Jähriger soll gegenüber seiner Freundin gewalttätig geworden sein. Erinnerungslücken und eine fehlende Zeugin.

Widersprüchliche Angaben gab es vor dem Amtsgericht Haßfurt in einem Verfahren wegen Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und wegen eines möglichen Verstoßes nach dem Waffengesetz. Angeklagt war ein 25-jähriger lediger Lagerist aus dem nördlichen Landkreis. Laut Vortrag der Anklagevertreterin soll er seine Freundin Anfang des Jahres mit einer Schreckschusswaffe bedroht und ihr in den Rücken gesprungen sein, so dass sie stürzte.

Vor Gericht stritt das der Angeklagte, der mit einer Pflichtverteidigerin, Rechtsanwältin Kerstin Rieger, gekommen war, ab. „Ja, wir haben uns gestritten, ich habe sie am Arm gezogen und sie wohl auch beleidigt, sonst aber nichts weiter“, sagte der 25-Jährige. Auch seine Verteidigerin erklärte, dass das, was in der Anklage steht, so nicht stimme. „Ich würde meine Freundin nicht schlagen, ich bin mit ihr noch zusammen“, sagte der Angeklagte.

Seine 41-jährige Lebensgefährtin sagte als Zeugin aus, dass es zwischen ihr und ihrem Freund schon immer Spannungen gegeben habe, meist wenn man Alkohol, wie auch am Tattag, getrunken habe. Allerdings sei die zur Rede stehende Auseinandersetzung mehr verbal gewesen. In den Rücken sei ihr der Angeklagte nicht gesprungen. „Ich bin halt über seine Beine geflogen.“

Sie sei nicht verletzt worden, sie habe auch keine Schmerzen verspürt und eine Schreckschusswaffe, mit der sie der Angeklagt bedroht haben soll, habe sie auch nicht gesehen. Bei dem Ganzen sei wohl Eifersucht mit im Spiel gewesen, sagte die Zeugin, weil ein anderer Mann, der ebenfalls als Zeuge vernommen wurde, es wohl auf sie abgesehen hatte. Außerdem sei sie wiederum auf eine weitere Frau eifersüchtig gewesen. Besagte Frau war als Zeugin zu diesem Verfahren geladen, hatte sich aber krank gemeldet.

Dann brachte das Gericht einen weiteren Zeugen ins Spiel. Dieser, ein 39-jähriger Deutsch-Iraner aus einem benachbartem Landkreis, der vor der Polizei Angaben gemacht hatte, welche den Angeklagten stark belasteten, konnte sich bei der Verhandlung angeblich nicht mehr an alles erinnern. Es ging dabei um wichtige Details, auf die sich die Anklage stützte.

Richterin Anne Völkl fragte, warum es diese Erinnerungslücken gebe. Er begründete es damit: „Wissen Sie, ich habe früher sehr viel Marihuana geraucht.“ Er wisse nur noch, dass die Freundin des Angeklagten am Tattag ihre Hand auf seine Schulter gelegt habe, was den Angeklagten in Rage gebracht habe. „Ich mochte die Freundin des Angeklagten ziemlich gerne, deshalb hatten die Beziehungsstress. Ja, er hat sie vielleicht auch beleidigt und sie weinte. Da flippte der Angeklagte noch mehr aus, weil ich sie trösten wollte.“

Mit einer Schreckschusswaffe habe der Angeklagte wohl herumgefuchtelt, die der nicht erschienenen Zeugin gehört haben soll, aber geschlagen habe der Angeklagte seine Freundin nicht oder ihr die Waffe an die Schläfe gehalten, wie er bei der Polizei angegeben haben soll. „Er hat sie vielleicht etwas grob gepackt, aber nicht geschlagen, ich habe das nicht gesehen“, sagte der Deutsch-Iraner.

Die Richterin merkte dann an, dass auf den Angeklagten ein weiteres Verfahren zukomme, von dem er noch nichts wisse. Die Parteien einigten sich, dass das Verfahren vorläufig eingestellt wird, weil der Angeklagte im noch ausstehenden Verfahren mit einer höheren Strafe rechnen müsse als der, welche im gegenständigen Verfahren herauskommen könnte. „Das heutige Verfahren geht eventuell nur weiter, wenn im noch ausstehenden Verfahren nichts herauskommen sollte“, sagte die Richterin. Sodann müsse noch die Zeugin gehört werden, die sich krank gemeldet hatte.

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