Amtsgericht
„Gras“ bringt 23-Jährigem Geldstrafe ein
Der Angeklagte wurde bereits 2018  am Landgericht Bamberg zu einer  Bewährungsstrafe verurteilt.
Der Angeklagte wurde bereits 2018 am Landgericht Bamberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Foto: Christopher Schulz
Haßfurt – Durch Zufall entdeckte die Polizei in der Wohnung des Angeklagten Marihuana. Der 23-Jährige verstrickt sich bei seiner Aussage in Widersprüche.

Dass ein 23-Jähriger Syrer aus dem Maintal am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt Platz nehmen musste, ist dem Zufall geschuldet. Am 5. November vergangenen Jahres durchsuchten Polizeibeamte seine Wohnung nach Diebesgut. Das fanden sie nicht. Dafür aber rund sechs Gramm Marihuana, das der Gras-Freund im Wohnzimmer und Schlafzimmer aufbewahrte. Daher verurteilte das Amtsgericht den Hartz-IV-Empfänger zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro, also 750 Euro.

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte mit dem Gesetz in Konflikt kam. Im Jahr 2018 wurde er am Landgericht in Bamberg zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, da er an einem Rauschgiftgeschäft mit „nicht geringer Menge“ beteiligt war. Damals war er nur das Bauernopfer, das das Rauschgift in Empfang nahm, um die eigentlichen Täter zu decken. Da die Bewährungszeit damals auf drei Jahre festgelegt worden war, stand er zum Tatzeitpunkt im November 2020 unter laufender Bewährung wegen einer einschlägigen Tat.

Widersprüche

Vor Gericht machte er eine widersprüchliche Aussage. Er gab an, nur am Wochenende Joints zu rauchen. Gleichzeitig behauptete er, abhängig von Drogen zu sein. Das nahm ihm Richter Christoph Gillot nicht ab. „Bei Abhängigkeit droht Ihnen eine Unterbringung von eineinhalb Jahren. Wollen Sie das?“, fragte er den Angeklagten, der daraufhin schnell seine Meinung änderte. Er gab nun an, nur aus Langeweile Gras zu rauchen.

Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro. Verteidiger Stefan Wagner zitierte die Auffassung bayerischer Oberlandesgerichte, wonach man bei einem Gelegenheitskonsumenten, der im letzten Jahr nicht wegen Drogenbesitzes mit dem Gesetz in Konflikt kam und bei dem nur bis zu sechs Gramm Marihuana gefunden wurden, von einer Strafe absehen könne.

Dies sah Richter Christoph Gillot anders. Hier habe man es mit einem vorbestraften Wiederholungstäter zu tun, der die Voraussetzung für eine Straffreiheit nicht erfülle. „Sie verbauen sich Ihre Zukunft. Sie müssen keine Drogen nehmen“, schrieb er dem Verurteilten hinter die Ohren. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.