Landgericht
Haftstrafen für Drogendealer
Der Haupttäter konnte sich nach seiner Festnahme am 22. April unbemerkt von den Fesseln lösen und eine Dienstwaffe aus dem Holster eines Beamten ziehen.
Der Haupttäter konnte sich nach seiner Festnahme am 22. April unbemerkt von den Fesseln lösen und eine Dienstwaffe aus dem Holster eines Beamten ziehen.
Foto: Symbolfoto: S. Engels / Adobe Stock
Haßfurt – Zwei der Angeklagten sind aus dem Kreis Haßberge. Der eine stand Schmiere, der andere legte eine spektakuläre Flucht hin.

7,5 Kilogramm Marihuana sollten am Vormittag des 22. April dieses Jahres auf dem TV-Gelände in Haßfurt den Besitzer wechseln. Doch die Kripo Schweinfurt hatte von dem geplanten Drogendeal Wind bekommen und war bei der Übergabe ebenfalls vor Ort.

Szenen wie aus einem Kriminalfilm

Bei der Festnahme der vier Tatbeteiligten spielten sich Szenen wie aus einem Kriminalfilm ab. Drei von ihnen konnten sofort festgenommen werden. Der vierte mutmaßliche Täter konnte fliehen. Als die Beamten ihn schließlich erwischten, entriss er einem der Beamten kurzzeitig dessen Waffe. Zuvor hatten ihn zwei abgegebene Warnschüsse nicht von seiner Flucht abhalten können.

Am Mittwoch verurteilte das Landgericht Bamberg drei der Täter zu Haftstrafen. Den 29-Jährigen Haupttäter aus dem Maintal verurteilte das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten. Er hatte bei der Festnahme die Flucht mit einem E-Bike ergriffen. Dabei transportierte er die 7,5 Kilogramm „Gras“ in einer Sporttasche auf seinem Rücken. Die Beamten verfolgten ihn mit zwei Dienstwagen und brachten ihn zu Fall. Er warf das Rauschgift im Wert von 5000 Euro weg und flüchtete zu Fuß. Doch die Kripo-Beamten waren schneller. Als sie versuchten ihm Fesseln anzulegen, kam es zu einer Rauferei am Boden. Drei Beamten waren nötig, um den Widerstand zu brechen und ihn zu fesseln.

Der Trick mit der Atemnot

Als der Angeklagte daraufhin über Atemnot klagte, wurde er in eine sitzende Position gebracht. Dabei konnte er sich unbemerkt von den Fesseln lösen und eine Dienstwaffe aus dem Holster eines Beamten ziehen. Es gelang den Ordnungshütern jedoch mit erheblichem Kraftaufwand, ihm die Pistole zu entreißen.

„Ich weiß nicht was in mich gefahren ist. Sie haben doch nur ihren Job gemacht“, entschuldigte er sich vor Gericht.

Ein Unbekannter ist er dort nicht. Vor 14 Jahren startete er seine kriminelle Karriere mit Sachbeschädigungen, Diebstahl und Beleidigungen. Immer spielten auch die Drogen dabei eine Rolle. Seine Wohnung im Maintal diente als illegale Verkaufsstelle.

Kein unbeschriebenes Blatt

Ein 25-jähriger Angeklagter aus dem Landkreis wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Er stand mit dem vierten Tatbeteiligten Schmiere bei der Drogenübergabe. Er wurde vor drei Jahren zum ersten Mal wegen Drogendelikten straffällig. Bei beiden Angeklagten aus dem Landkreis fanden die Beamten bei Wohnungsdurchsuchungen weitere Drogen.

Der dritte Angeklagte, ein 23-Jähriger aus Hessen, erhielt ebenfalls eine dreijährige Haftstrafe. Er war als Drogenkurier unterwegs und brachte das Rauschgift von Hessen nach Haßfurt. Auch er ist kein unbeschriebenes Blatt. Das Amtsgericht Hanau verurteilte ihn bereits wegen gemeinsamen schweren Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe.

Für alle drei Angeklagten ordnete das Landgericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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