Gerichtsverhandlung
Hanfkraut taugt nicht mal als Geschenk
Cannabis
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Foto: Christopher Schulz
Haßfurt – Mit Cannabis kann man nicht vorsichtig genug sein. Diese Erfahrung musste ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht Haßfurt machen.

Es begann alles mit einem Autounfall: Um seine Schmerzen nach dem Autounfall zu lindern, nahm ein 43-Jähriger aus Schweinfurt Cannabis zu sich, das ihm ärztlich zu seinem Eigenverbrauch verschrieben wurde. Weitergeben oder weiterverkaufen durfte er die Hanfdroge nicht.

Doch weil er nach Überzeugung des Amtsgerichts genau dies getan habe, verurteilte Richter Christoph Gillot den 43-Jährigen am Mittwoch zu einer Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu 40 Euro, also 1800 Euro.

Laut Anklage verkaufte der Angeklagte einem Freund am 25. Juli letzten Jahres in Königsberg 25 Gramm des medizinischen Cannabis zu einem Preis von rund 307 Euro. Der 43-Jährige erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte. Deswegen musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten. In der Verhandlung am Mittwoch wies er die Vorwürfe von sich. Er habe seinem Freund lediglich fünf Gramm des Krauts geschenkt – aus Dankbarkeit, weil dieser ihm finanziell aus der Patsche geholfen habe.

„Warum sollte er von mir Cannabis zum Grammpreis von zwölf Euro kaufen, wenn er es am Haßfurter Bahnhof für acht Euro kaufen kann?“

„Warum sollte er von mir Cannabis zum Grammpreis von zwölf Euro kaufen, wenn er es am Haßfurter Bahnhof für acht Euro kaufen kann?“, stellte der Angeklagte eine Frage in den Raum. Mit dem fast gleichen Wortlaut rechtfertigte sich der angebliche Abnehmer anschließend im Zeugenstand, weshalb der Vorsitzende Richter Christoph Gillot ihm unterstellte, dass die Aussage vorher mit dem Angeklagten abgesprochen worden sei.

Abnehmer „komplett leer“

Der Richter führte auch noch andere Argumente gegen den Angeklagten ins Feld. Bei einer Hausdurchsuchung durch Rauschgiftfahnder der Kripo Schweinfurt fanden die Beamten acht Gramm Cannabis in der Wohnung des Abnehmers, dessen Handy die Ermittler beschlagnahmten. Im Chat mit dem Angeklagten bezeichnete der Abnehmer sich als „komplett leer“, was der Vorsitzende so interpretierte, dass er keine Drogen mehr habe. Per Chat wurde außerdem die Übergabe des Cannabis vereinbart.

Das Vorstrafenregister spricht nicht gerade für den Angeklagten. Neunmal wurde er bereits verurteilt, angefangen wegen eines Verkehrsdelikts über Waffenbesitz, Körperverletzung bis hin zu Betrug. Auch Drogendelikte waren schon in der Liste. Der Richter lehnte daher eine von Verteidiger Ronald Lubas vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens ab.

Die Anklagevertreterin war davon überzeugt, dass die Vorwürfe der Anklageschrift zutreffen. Sie beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 85 Tagessätzen zu 40 Euro (3400 Euro) und ging damit über das im Strafbefehl verhängte Strafmaß hinaus.

Chatverlauf war recht eindeutig

Der Verteidiger erachtete mehrere Tatvarianten als möglich. Daher sei das Geständnis seines Mandanten, dass es eine Übergabe des Cannabis gegeben habe, aber als Geschenk, zugrundezulegen. Er hielt daher eine Geldstrafe in Höhe von 700 Euro für angemessen.

Als „schlagendes Argument“ für die Schuld des Angeklagten sah der Vorsitzende die Tatsache, dass der Angeklagte seinem Abnehmer im Chatverlauf genau vorrechnete, wie sich der Preis für die 25 Gramm Cannabis zusammensetzt, inklusive der Versandkosten von 7,49 Euro. Im Chatverlauf klang jedoch an, dass nicht die gesamte Menge schließlich vom Freund des Angeklagten abgenommen wurde. Daher legte der Richter in seinem Urteil die vom Angeklagten angegebene Menge von fünf Gramm zugrunde.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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