Strafprozess
„Ich habe zum Teil Angst um mein Leben gehabt“
Gewalt bestimmte eine Beziehung zwischen einer 23-Jährigen und einem 28-Jährigen in einem Ort im Maintal. Jetzt verurteilte das Amtsgericht Haßfurt den Mann wegen der Angriffe auf die junge Frau.
Gewalt bestimmte eine Beziehung zwischen einer 23-Jährigen und einem 28-Jährigen in einem Ort im Maintal. Jetzt verurteilte das Amtsgericht Haßfurt den Mann wegen der Angriffe auf die junge Frau.
Foto: Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Haßfurt – Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 28-Jährigen, der seine 23-jährige Ex-Freundin wiederholt attackiert hat.

Rund ein halbes Jahr hielt es eine 23-Jährige in einer Beziehung mit einem 28-Jährigen aus dem Maintal aus. Wiederholt wurde sie von ihrem Lebensgefährten geschlagen, gewürgt und gedemütigt. Am 27. Februar dieses Jahres zog sie einen Schlussstrich. Mit zwei blauen Augen und mehreren Hämatomen an ihrem Körper erstattete sie Anzeige bei der Polizei in Haßfurt. Jetzt verurteilte das Amtsgericht Haßfurt ihren polizeibekannten Ex-Freund zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Als Auflage muss er unter anderem 1500 Euro an das Opfer zahlen.

Für den 28-Jährigen war es die neunte Vorstrafe. Neben vier einschlägigen Verurteilungen wegen Körperverletzung stehen räuberische Erpressung, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Freiheitsberaubung, Nötigung und Diebstahl in seinem Sündenregister.

Die 23-Jährige, die zwei Kinder aus einer früheren Beziehung hat, wusste um das Gewaltpotenzial ihres Ex-Freundes. Trotzdem ließ sie sich auf eine Beziehung mit ihm ein und verließ wegen ihm den Vater ihrer Kinder. „Ich ging blauäugig in die Beziehung. Ich wollte ihm eine Chance geben“, sagte sie im Zeugenstand. Doch die nutzte der Angeklagte nicht. Er sei eifersüchtig auf ihren Ex-Freund gewesen, was zu Gewaltausbrüchen geführt habe, sagte die Geschädigte. Einmal habe er sie am Hals gepackt und hochgehoben und dabei gewürgt. Bei einer anderen Gelegenheit habe er fast die Haustür eingetreten, als sie ihn ausgesperrt hatte. In einem weiteren Wutausbruch habe er sie von der Toilette gestoßen und sie mit einem Holzscheit geschlagen. „Ich habe zum Teil Angst um mein Leben gehabt“, gab sie zu Protokoll. Sie habe sich geschminkt, um blaue Flecken zu überdecken und habe ihm sogar Geld geboten, wenn er sie verlässt.

Am 27. Februar erreichten die Gewaltausbrüche einen Höhepunkt. Nach einem Streit wegen eines Autoschlüssels schlug der Angeklagte mit Fäusten auf die junge Mutter ein. Ein Nachbar, dem die 23-Jährige danach begegnete, sah ihre Verletzungen, überredete sie dazu, ihren Peiniger anzuzeigen, und fuhr sie zur Polizei in Haßfurt. Die junge Frau sagte, sie habe durch die Schläge einen Hörverlust auf einem Ohr erlitten. In einem Auge habe der Arzt einen Fremdkörper festgestellt.

Der Angeklagte widersprach vor Gericht der Aussage der Ex-Freundin, dass er rund 20 Minuten lang im Februar auf sie eingeschlagen habe. Es seien nur drei bis vier Schläge gewesen, behauptete er. Er habe dazugelernt und wolle ein Anti-Gewalt-Training machen, versicherte er.

Der Staatsanwalt forderte eine 13-monatige Bewährungsstrafe. Verteidiger Jochen Kaller hielt acht Monate auf Bewährung für ausreichend. Es sei „eine verhängnisvolle Affäre“ gewesen mit Konfliktpotenzial auf beiden Seiten, argumentierte der Anwalt.

Richter Christoph Gillot sagte, die Zeugin sei überzeugender gewesen als der Angeklagte, der rechthaberisch auf Nebensächlichkeiten herumgeritten sei. Die junge Frau habe sich hingegen in ein schlechtes Licht gestellt und ihren Peiniger teilweise sogar entlastet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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